Aufregung um alten Kachelofen

Die Karl-May-Gesellschaft hätte ihn sogar verschenkt: Über hundert Jahre wurde der Ofen alt, nun fraß ihn der Abrissbagger.

Hohenstein-Ernstthal.

Draußen knabbert der Abrissbagger am Haus. Drinnen steht ein Ofen, Staub auf den blaugrünen Kacheln und in den Ritzen des aufwendigen Musters. Und doch: Vor den nackten Wänden, inmitten des aufgeworfenen Schutts um ihn herum, wirkt das gute Stück unberührt. Fast sieht man noch die Katze davor schlummern, an warme Kacheln gekuschelt.

Dieser Anblick hat einige Hohenstein-Ernstthaler erzürnt. Denn den Ofen gibt es nicht mehr.


Unter dem Beitrag in der "Freien Presse" vom Mittwoch häufen sich empörte Kommentare im sozialen Netzwerk Facebook. "Der Ofen sollte gerettet werden. Das ist ein alter Meißner Teichert-Ofen", schreibt eine Nutzerin. Man hätte ihn im Eingangsbereich des geplanten Anbaus platzieren können, schreibt eine andere. "Das hätte dem Ding wenigstens etwas Seele gegeben." Eine dritte: Das Stück habe Seltenheitswert und gehöre ins Museum. Aber das interessiere die Stadtväter ja nicht.

Harte Worte - doch was ist dran?

Fest steht: Für eine Rettung ist es zu spät. Die Häuser sind Geschichte, bestätigt der Hohenstein-Ernstthaler Bauamtsleiter Ulrich Weber. Samt Inneneinrichtung. Seinen Chef, Oberbürgermeister Lars Kluge (CDU), erwischt die Kritik auf dem falschen Fuß. Mit dem Inneren der Abrisshäuser sei er nicht vertraut, von dem Ofen wisse er nichts. "Aber wenn jemand Interesse an Stücken hat, versuchen wir normalerweise, alles möglich zu machen", sagt Kluge. Doch woher sollen die Leute wissen, welche Schätze im Innern alter Häuser schlummern?

Der Bauamtsleiter schaltet sich ein. "Wir haben den Ofen angepriesen wie Sauerbier", sagt Ulrich Weber und klingt dabei etwas gereizt: Er kennt die Reaktionen. "Aber es kommen immer alle erst, wenn's zu spät ist. Ist auch bei den Häusern so, die wir abreißen." Die hätten hinterher auch alle gern gerettet.

André Neubert jedenfalls, Chef des Karl-May-Hauses, hat Interessierte durch die Häuser geführt, solange sie noch der Karl-May-Gesellschaft gehörten. Die Öfen - insgesamt waren es drei - hätte er verschenkt. Nur wollte sie keiner, auch Museen nicht. "Auf eine Einlieferung bei Sotheby's habe ich daraufhin verzichtet", so Neubert sarkastisch. Auch Ofenbaufirmen waren eingeladen. Abbauen und mitnehmen wollten auch die ihn nicht.

Einer von ihnen war Frank Lindner, Ofenbauer aus Hohenstein-Ernstthal. Das Problem: "So einen Ofen müssen Sie abbauen und sofort wieder aufbauen. Den können Sie nicht in Bananenkisten lagern." Die Kacheln sind handgeschliffen - sie passen zusammen wie ein Puzzle. Auch drehen könne man den Ofen nicht. Er muss in exakt dieser Position stehen. Übrigens stammte er tatsächlich aus den Teichert-Werken, die ab 1879 in Meißen Keramik und Porzellan produzierten, so der Fachmann. "Aber ich habe schon so einen im Lager, seit Jahren."

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