Auschwitz-Räucherhaus: Fall erneut vor Gericht

Wegen mehrerer Taten mit mutmaßlich rechtem Hintergrund muss sich ein Glauchauer verantworten. Er hat gestanden, doch ob ihm das hilft, bleibt offen.

Glauchau.

Auf dem Bild war ein Modell eines Konzentrationslagers. Am Tor stand die Aufschrift "Arbeit macht frei". Ein Stück Gleis ist zu sehen. Mit den Worten "So, da werden wir mal das Räucherhaus anfeuern", ist das Foto überschrieben. Hochgeladen wurde es am 23. Dezember 2016, einen Tag vor Heiligabend. Später fanden Ermittler zwei solcher Modelle in der Wohnung des heute 33-jährigen Glauchauers. Der soll das Bild bei Facebook hochgeladen haben. Dafür musste er sich am Donnerstag ein zweites Mal vor Gericht verantworten, zur Berufungsverhandlung vor dem Landgericht in Zwickau. Darüber hinaus wird ihm zur Last gelegt, am Neujahrsmorgen 2017 um 4.52 Uhr ein Foto bei Facebook geteilt zu haben, das Adolf Hitler mit einer Feuerwerksrakete zeigt, auf der ein Hakenkreuz zu sehen ist. Dritter Vorwurf: Der Angeklagte soll am 23. März 2017 in Glauchau auf der Talstraße drei Studenten angegriffen haben, die nachts gegen 1 Uhr von einer Feier auf dem Weg zum Wohnheim waren.

Volksverhetzung, Verbreiten von verfassungsfeindlichen Kennzeichen und schwere Körperverletzung lauten die Vorwürfe. Für die drei Taten hatte ihn Anfang 2018 das Amtsgericht in Hohenstein-Ernstthal zu einem Jahr und sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Der Angeklagte legte gegen das Urteil rechtliche Beschwerde ein. Die Staatsanwaltschaft ging in Berufung, weil sie die Strafe, gemessen an den Taten, für nicht ausreichend hält, so sagte es am Donnerstag Richter Rupert Geußer zu Beginn der Berufungsverhandlung, die jedoch noch zu keinem Urteil führte.

Torsten Kleditzsch

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Der Angeklagte, der momentan als Kranführer in einem Baubetrieb arbeitet, ließ sich zu den Vorwürfen ein. Er räumte ein, das Foto vom KZ-Modell hochgeladen zu haben, eine Dummheit, wie er sagte. Er habe es versäumt, per Mausklick den Empfängerkreis einzuschränken, sodass die Sache öffentlich wurde. Ein Mann aus dem vogtländischen Reichenbach, der nach eigenen Angaben den Angeklagten nicht kennt, hat das Bild gesehen und Anzeige erstattet. Im Fall der Fotomontage mit Adolf Hitler und der Silvesterrakete habe er das Hakenkreuz nicht erkennen können. Er habe mit Freunden Silvester gefeiert und jede Menge getrunken.

Und auch die Schläge gegen die Studenten räumte der Angeklagte ein, allerdings in einer anderen Version als die Betroffenen selbst, die am Dienstag als Zeugen gehört wurden. Er sei in jener Nacht mit dem Hund draußen gewesen und habe sich von den drei jungen Leuten provoziert gefühlt. Es sei zu Pöbeleien gekommen, einer der drei Leute hätte ihm die Jacke über den Kopf gezogen, da habe er einmal zugeschlagen. Wen er wo getroffen hat, wisse er nicht. Die Version mit der Jacke bestätigten die drei Zeugen jedoch nicht. Der Hauptgeschädigte sei plötzlich getroffen worden, sagte er, verlor kurz das Bewusstsein und wachte wieder auf, als er auf dem Bauch seines Kommilitonen lag, der ebenfalls bewusstlos mit Platzwunde am Hinterkopf auf der Straße lag, offenbar von ihm mitgerissen. Es gelang ihm, seinen Mitstudenten wieder zu wecken. Der Dritte versuchte den vermeintlichen Schläger zu beruhigen, dabei sei er von dessen Hund in den Fuß gebissen worden. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

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