Ausstellung räumt mit Vorurteilen auf

Seit Sonntag läuft im Textil- und Rennsportmuseum in Hohenstein-Ernstthal eine neue Ausstellung. Diese zeigt viel Tradition - und birgt Überraschungen.

Hohenstein-Ernstthal.

Es gibt viel zu sehen in der neuen Ausstellung des Textil- und Rennsportmuseums in Hohenstein-Ernstthal. Zwischen Klöppelsack und Nähmaschine verstecken sich Jahrtausende alte Fingerhüte, Nähereien aus Indien und historische Weißstickereien aus Sachsen. "Aus dem Nähkästchen geplaudert" heißt die Schau, die am Sonntag im Zuge des internationalen Museumstages eröffnet wurde. Laufen soll die Sonderausstellung bis zum 1. September.

Etwa 50 Besucher waren dabei, als Museumsleiter Marina Palm die Ausstellung eröffnete. Gezeigt wird dort viel Tradition. "Die Textilkunst wird immer größer. Da lohnt es sich auch einmal zu zeigen, wo diese eigentlich herkommt", so die Leiterin. Etwas neidisch blickt sie in diesem Zusammenhang nach Amerika, wo moderne textile Arbeiten bereits in großen Museen ausgestellt werden. "Bei uns ist das noch nicht so weit", gibt sie offen zu.


Dennoch gibt es auch hierzulande bereits eine recht gut vernetzte Szene, so Palm. Kein Wunder also, dass sich viele Menschen bereit gezeigt haben, eigene Stücke für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen. "Schon nach dem ersten Aufruf haben sich viele gemeldet. Wir haben jetzt Stücke von etwa 30 bis 35Leuten hier", so Palm. Immer wieder erreichen sie neue Exponate. Auch bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag wurde ihr ein Nähkästchen übergeben. Der Großteil der gezeigten Stücke repräsentiert die traditionellen Handwerkskünste aus der Region. Für die Museumsleiterin ist es kein Problem, bei allermoderner Kunst den Blick zurück zu richten. "Es war mal wieder Zeit für ein klassisches Thema", sagt sie.

Wie die Ausstellung zeigt, kann aber auch Tradition überraschende Einsichten geben. So gibt es auch einige Stickereien zu sehen, die von Männern angefertigt wurden. "Vor dem 20. Jahrhundert war die textile Handarbeit eine Männerdomäne", sagte Palm zu dem Vorurteil, Textilarbeit sei schon immer Frauenarbeit gewesen. Diese Entwicklung hat es erst nach 1900 gegeben. Grund dafür sei, dass viele Mädchen aus gehobeneren Kreisen damals viel Freizeit hatten - und diese mit Textilhandwerk füllten.

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