Autor lernte seine Eltern neu kennen

Aus Briefwechseln und Tagebüchern wurde Buch

Meerane/Schönberg.

Mit Herzklopfen in der Brust hat der Schönberger Autor Joachim Krause vorgestern sein neues Buch "Fremde Eltern - Zeitgeschichte in Tagebüchern und Briefen 1933-1945" in der Meeraner Bibliothek vorgestellt.

Vor vier Jahren hat der 1946 geborene Schönberger fast 2000 Briefe sowie Tagebücher in Kisten auf dem Dachboden gefunden. Darin befand sich vor allem der Briefwechsel zwischen seinen Eltern, aber auch zwischen seiner Mutter und dem Bruder seines Vaters. Krauses Eltern waren zwischen 1933 und 1945 zwischen 17 und 29 Jahren alt und schrieben über den Nationalsozialismus und Juden, über den Sinn von Krieg und Tod, Glaubensfragen und Sexualmoral. Besonders die Haltung seiner Mutter als junge Frau überraschte und erschreckte Krause zutiefst. "Ich habe zwei Mütter", sagt der Autor heute. "Diese Entdeckung hat eine junge Frau gezeigt, die wir Kinder so nie kennengelernt haben." Seine Mutter habe er als eine sehr sozial denkende Frau erlebt, die die drei Kinder zur eigenen kritischen Meinungsbildung erzogen hat. In den Briefen zwischen 1933 und 1945 schreibt seine Mutter allerdings als überzeugte Nationalsozialistin, der Vater hingegen wahrte eine kritische Distanz zur Ideologie und versuchte sie auf die Verbrechen hinzuweisen. "Es ist gut zu wissen, dass Menschen sich ändern", sagt Krause. Weshalb seine Eltern nie über diese Zeit gesprochen haben, weiß der Autor nicht. Seine Eltern starben 1995 und 2000. (jla)

Das Buch "Fremde Eltern" ist in den "Freien Presse"-Shops bestellbar. Preis: 24,80 Euro.

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