Bald wieder volles Haus im Ratskeller

Das ehemalige Rathausgebäude war lange Jahre Sorgenkind der Stadt. Hinter den Kulissen hat sich aber bereits einiges getan.

Lichtenstein.

Wer eines der vielen Lichtensteiner Häuser betritt, die derzeit saniert werden, hat gute Chancen, dort auf David Dürr zu treffen. Der Diplom-Ingenieur ist nicht nur dabei, etwa den ehemaligen Goldnen Löwen auf Vordermann zu bringen. Nicht einmal einen halben Kilometer die Ernst-Thälmann-Straße runter, im Herzen der Stadt, arbeiten Dürr und die sechs Mitarbeiter seiner Firma an einem Großprojekt.

"Ratskeller" steht groß neben dem Eingang der seit Jahren leerstehenden Gaststätte. Vom Altmarkt aus ist nicht viel zu sehen. Doch in den letzten Monaten hat sich hinter den Kulissen einiges getan.

Über eine Million Euro, so sagt Dürr, habe er in das denkmalgeschützte Gebäude investiert. "Die Bausubstanz ist klasse, doch im Inneren wurden viele Fehler gemacht", erklärt der Bauherr während eines Rundgangs und zeigt auf die Bodenfliesen im Eingangsbereich des ehemaligen Restaurants. "Alles andere als stilvoll." Gerade sind er und die Mitarbeiter dabei, die Fliesen herauszureißen und durch knallrote Klinker-Spaltplatten zu ersetzen. Im Inneren soll somit wieder historisches Flair aufkommen. Passend für das knapp 400 Jahre alte Gebäude, findet Dürr.

Das Gebäudeensemble hat bereits einen Namen - Altstadtquartier. Den habe Dürr sich schützen lassen. Auch für die Bezeichnung der Gaststätte hat der eine Idee, die ist aber noch geheim. Doch eines ist sicher: "Ich wollte unbedingt vermeiden, den Namen Ratskeller zu nutzen. Das schreckt die Leute ab." Zu viele Gaststätten mit diesem Namen, so etwa in Waldenburg oder Chemnitz, haben in den vergangenen Jahren aufgegeben.

Wichtiger als Namen sind aber Interessenten. Für die Gaststätte ist einer gefunden, der sich noch bedeckt hält. Um zu verhindern, dass der neue Betreiber wie seine Vorgänger alsbald aufgibt, möchte der Bauherr die alte Gaststätte komplett neu einrichten. In den Gewölbekeller soll zudem eine Bar einziehen.

Doch zu dem Gebäudekomplex gehört mehr als die Gaststätte. Auch für die Geschäftsflächen konnten Mieter gefunden werden. Mit Velolux zieht ein weltweiter Anbieter von Oberlichtsystemen in das Gebäude am Altmarkt. Der exquisite Chemnitzer Friseursalon Head Stories bedient Kunden aus ganz Sachsen und will hier ein drittes Standbein aufbauen. "It's your story" organisiert Veranstaltungen sowie Hochzeiten und wird den Veranstaltungsraum im Obergeschoss mieten, der aber auch von anderen genutzt werden kann. Das gleiche gilt für den Hinterhof und den parkähnlichen Bereich dahinter, die Dürr ebenfalls auf Vordermann gebracht hat.

Das freut auch Anne-Sophie Berner, Chefin des Stadtmuseums. Die Einrichtung befindet sich aktuell noch im Gebäude, soll aber bald ins Daetz-Centrum ziehen. "Es es gut, dass Herr Dürr sich entschieden hat, das Dachgeschoss nicht als Wohnraum zu vermieten, so hat die Stadt mehr davon." Mitte 2021 schließlich soll alles fertig sein. Dürr ist sich sicher, dass er bis dahin auch Mieter für die Wohnräume findet.

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