Baumstark: Kinder pflanzen 500 Roterlen

Die Waldfläche der Stadt Oberlungwitz wird sich deutlich vergrößern. Voraussetzung dafür: Die Aktion einer Stiftung und die richtige Hanglage.

Oberlungwitz.

Das Vogelgezwitscher im Oberlungwitzer Hirschgrund war gestern die passende Hintergrundmusik. 39 Mädchen und Jungen aus den zwei vierten Klassen der Humboldt-Grundschule pflanzten mit dieser vielstimmigen Geräuschkulisse 500 Roterlen in dem Landschaftsschutzgebiet.

Zwei Kinder bildeten dabei je ein Team. So auch Josephie-Emely Röske und Paul Mertins. "Wir pflanzen das erste Mal Bäume", erklärte Paul, der mit dem Spaten hantierte. Emely setzte die jungen Bäumchen ein. Auch ihr machte die Sache viel Spaß. Das Mädchen ist auch sonst gern im Wald unterwegs: "Hier ist es ganz ruhig - und die Luft viel frischer als in der Stadt."

Für Schulleiter Michael Ackermann ist die Aktion eine feine Sache. "Das ist eine schöne Ergänzung zum Sachkundeunterricht. Da spielt in der vierten Klasse die Bedeutung des Waldes als Lebensraum für Mensch und Tier eine große Rolle. Zudem können die Kinder einen aktiven Beitrag zum Naturschutz leisten."

Die gestrige Aktion war der Abschluss einer Erstaufforstung im Hirschgrund, die von der Stiftung "Wald für Sachsen" initiiert worden war. Laut deren Geschäftsführer Henrik Lindner wurden auf einer zirka zwei Hektar großen Grünfläche in diesem Frühjahr 4200 Rot- erlen und 1600 Flatterulmen gesetzt. Hinzu kommen 300 Sträucher, die entlang des künftigen Waldrandes gepflanzt wurden.

Erlen und Ulmen haben die Fachleute nicht von ungefähr ausgesucht. "Wir haben hier feuchten, nährstoffreichen Boden, auf dem diese Arten sehr gut gedeihen", sagt Ingolf Hoppe, Leiter des Forstbezirkes Chemnitz, zu dem auch Oberlungwitz gehört. Die Aufforstung ist in seinen Augen sehr wichtig. "Vor etwa 1000 Jahren haben die Menschen hierzulande begonnen, den Wald zurückzudrängen. Vor 300 Jahren wurde ihnen klar, dass sie ihn auch brauchen. Und seit etwa 50 Jahren bemüht man sich, Wald zu erhalten und zu mehren."

Bis zum Jahr 2050 sollen in Sachsen 30 Prozent der Flächen Wald sein. Derzeit sind es etwa 28 Prozent, im Landkreis Zwickau sind es nur 17,5 Prozent. "Der dichtest besiedelte Landkreis in den neuen Bundesländern wird das sachsenweite Ziel nicht schaffen. Allerdings spielen auch hier Aufforstungen eine große Rolle", sagt Mandy Zisowsky, Sachgebietsleiterin Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft beim Landratsamt. Seit 2012 sind durch den Landkreis pro Jahr für durchschnittlich 13,75 Hektar Genehmigungen für Erstaufforstungen erteilt worden.

Besitzer der nun aufgeforsteten Flächen ist die Agrargenossenschaft "Lungwitztal" Bernsdorf. Die am Hang gelegenen und teilweise feuchten Flächen eignen sich kaum für eine andere Bewirtschaftung. "Wir machen deshalb gerne mit. Schließlich leben auch Landwirte mit der Natur", sagt Andreas Grellmann, der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft. Dabei spielt auch Geld eine Rolle. Denn 90 Prozent der Aufforstungskosten fördert der Freistaat.

Dass die Stadt Zuwachs an Wald erhält, gefällt auch dem Oberlungwitzer Bürgermeister Thomas Hetzel (parteilos). Bisher hatte die Stadt nur zirka 1,4 Hektar Waldfläche. Das ist etwa ein Prozent der Gesamtfläche. Hetzel verweist auf die Baumschutzsatzung der Kommune. "Wenn es um Fällungen geht, diskutieren die Stadträte immer sehr intensiv und wägen genau ab."

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