"Bei unter 25 Prozent würde ich das Amt ablehnen"

Wahlen 2019: Roswitha Müller (FDP) über die Beteiligung an einer Wahl, bei der es nur einen Bewerber gibt

Bernsdorf.

Die Gemeinde Bernsdorf mit ihren beiden Ortsteilen Hermsdorf und Rüsdorf wählt am Sonntag auch einen Bürgermeister. Exakter formuliert: eine Bürgermeisterin. Roswitha Müller (FDP, 61) ist die Amtsinhaberin und einzige Bewerberin. Erik Kiwitter sprach mit der Kommunalpolitikerin über das bevorstehende Ereignis.

Freie Presse: Die Bürgermeisterwahl in Bernsdorf wird wohl die langweiligste Wahl des Wochenendes, oder?


Roswitha Müller: In gewisser Weise ist da was dran. Aber der Begriff langweilig gefällt mir nicht ganz.

Sie sind die einzige Bewerberin um das Amt. Was soll da schiefgehen?

Ich hoffe, dass mich die Bürger unserer Gemeinde wieder zur Bürgermeisterin wählen. Natürlich stehen die Chancen gut, da muss ich jetzt keinen Zweckpessimismus betreiben. Aber ich hätte mir schon eine zweite Bewerberin oder einen zweiten Bewerber gewünscht.

Warum?

Erst dann wäre es eine wirklich richtige Wahl. Die Bürger sollten eine Alternative haben. Die haben sie diesmal wieder nicht.

Sie sprechen es an. Vor sieben Jahren, als Sie zum ersten Mal zum Gemeindeoberhaupt von Bernsdorf gewählt worden sind, waren Sie auch schon einzige Bewerberin.

Das stimmt. Die gleiche Ausgangslage wie diesmal. Damals habe ich 98 Prozent der Stimmen erhalten. Da haben manche von DDR-Verhältnissen gesprochen.

Aber ein gutes Resultat. Für die moralische Legitimation ist Ihnen auch die Wahlbeteiligung wichtig. 2012 waren Sie damit zufrieden, oder?

Grundsätzlich schon. Sie lag bei 45 Prozent. In Hohenstein-Ernstthal gab es ja zur letzten Bürgermeisterwahl auch nur einen Bewerber. Da lag die Wahlbeteiligung bei etwas über 20 Prozent. Das ist nicht gut, weil einen dann nur wenig Leute gewählt haben. Aber das tut der guten Arbeit des OB keinen Abbruch.

Sind Sie denn als einzige Bewerberin automatisch gewählt?

Es gibt Beispiele, da haben die Wähler andere Namen auf den Stimmzettel geschrieben. Und wenn da ein Name öfters drauf steht als ich Stimmen bekomme, dann wird derjenige eben Bürgermeister. Aber das muss man ja nicht herbeireden.

Andererseits ist es so, wenn kein anderer Name auftaucht, dann würde schon eine einzige Stimme für Sie reichen.

Theoretisch ja. Aber das wäre peinlich. Aber soweit denke ich natürlich nicht. Ich bin die gemeinsame Kandidatin von FDP und CDU und glaube, dass ich in den letzten sieben Jahren eine gute Arbeit geleistet habe. Ich hoffe, das wird honoriert.

Haben Sie eine Schmerzgrenze in puncto Wahlbeteiligung?

Also, mein Sohn hat mich gefragt, mit welcher Wahlbeteiligung ich leben kann. Ich sage es mal so: Bei einer Wahlbeteiligung unter 25 Prozent würde ich das Amt ablehnen. Das ist meine Schmerzgrenze.

Wie von Ihnen bereits gesagt, Sie werden von FDP und CDU unterstützt. Dann gibt es im Gemeinderat - da wird ja am Sonntag auch ein neuer gewählt - noch zwei Vertreter des Jugendblasorchesters. Klingt alles nach Harmonie.

In gewisser Weise geht es bei uns auch harmonisch zu. Wir streiten über konkrete Dinge, aber es geht immer um die Sache. Das finde ich bei uns richtig gut.

Wie lange möchte Bernsdorf eigenständig bleiben?

Wir befinden uns zwar in einer Verwaltungsmeinschaft mit Lichtenstein und St. Egidien. Aber wir wollen so lange es geht eigenständig bleiben.

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