Betrüger vor Supermärkten geben sich als Spendensammler aus

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Während der Lockdowns trete das Phänomen häufiger auf, sagt ein Verkaufsleiter. Mit dem schlechten Gewissen der Leute soll Geld verdient werden.

St. Egidien/Landkreis.

Etwas schlecht habe Barbara Meier* sich schon gefühlt, nachdem sie den verdächtigen Herren weggeschickt hatte. Der Mann südländischen Typs war kurz zuvor in den Aldi am Auersberg-Center in St. Egidien geeilt und auf sie zu zugekommen. "Er hat nur ein paar Laute von sich gegeben, ich habe nichts verstanden", erinnert sich Barbara Meier. Doch dann hielt ihr der Mann Papier und Klemmbrett vor die Nase. Irgendetwas mit Hilfe für Kinder und Taubstumme habe darauf gestanden. Auf dem Blatt waren Unterschriften erkennbar, daneben handschriftlich eingetragene Spendenbeträge - 20 Euro, 30 Euro. Barbara Meier blieb skeptisch, schickte den Mann mit einem freundlichen "No" weiter. "Etwas schlechtes Gewissen hatte ich aber schon. Was, wenn er wirklich Hilfe brauchte?" Solch ein schlechtes Gewissen sei unbegründet, sagt Karola Tiffe-Mey, Leiterin des Sozialprojektes beim Stadtverband für Gehörlose Chemnitz. Kein seriöser Verein würde versuchen, so an Geld zu kommen. "Wir rufen über Briefe oder im Internet zu Spenden auf, aber sprechen draußen keine Leute an." Die Betrugsmasche kenne Tiffe-Mey. "Die waren vorgeblich auch schon in unserem Namen unterwegs." Der Trick dahinter: Mit dem schlechten Gewissen der Leute Geld verdienen. Nicht wenige würden darauf hereinfallen, trotz aller Skepsis.

Seit einiger Zeit streifen die Geldsammler eines "Landesverbandes für behinderte und taubstumme Kinder" durch Deutschland. Dass es sich dabei um Betrüger handelt, erkenne man schon am Namen. Denn bereits das Wort "taubstumm" sei diskriminierend, sagt Tiffe-Mey. Ein seriöser Verein würde von hörgeschädigt oder höreingeschränkt sprechen. Zudem sei eine Genehmigung nötig, um vor Ort Spenden zu sammeln. "Sprechen Sie die angeblichen Sammler darauf an, dann verschwinden die meist." Selber hörgeschädigt seien die wenigsten. Und selbst wenn Organisationen wie die Diakonie vor Ort Spenden sammeln, dann nur mit Stand und ordnungsmäßig verplombten Spendenboxen.

Jens Mühle ist Verkaufsleiter bei Aldi-Nord und auch für die Filiale am Auersberg-Center zuständig: Seit dem Lockdown würden sich die Betrüger häufiger an Supermärkten und Discountern tummeln, sagt er. "Wenn wir das mitbekommen, verweisen wir die Leute vom Parkplatz und rufen die Polizei." Dass ein solcher Betrüger aber die Filiale selbst betritt habe Mühle bislang noch nicht gehört. Doch auch in diesem Fall würden die Mitarbeiter vom Hausrecht Gebrauch machen.

Auch beim Gehörlosenzentrum Zwickau sind die Maschen bekannt. "Darüber sollte viel mehr aufgeklärt werden, damit nicht noch mehr Leute darauf reinfallen", sagt Angelika Lorenz, Fachbereichsleiterin bei der Beratungsstelle. Wer sich seriös informieren lassen möchte oder für die Arbeit mit Menschen mit Hörbehinderung Spenden möchte, soll sich an das Zentrum oder die entsprechenden Vereine wenden.

*Name von der Redaktion geändert.

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22 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    0
    harzruessler1911
    18.02.2021

    Offensichtlich wird diese Masche wieder belebt, ich dachte schon sie sei ausgestorben, da seit Jahren niemand mehr bei mir vor der Zür stand, so wie die umherziehenden Messerschleifer.
    Aktuell befürchte ich aber noch schlimmeres, denn offensichtlich bringt das Homoffice einiges an Gerfahrenpotential, wofür sich bald unlauteres Klientel finden wird. Man wird nämlich neuerdings von seiner Bank, dem VDK usw. mit unterdrückter Nummer angerufen, da man den Mitarbeitern keine Diestnummern zur Verfügung stellt.
    Was soll denn das??? Ich rede doch nicht über Bankgeschäfte oder sozialrechtl. Verfahren, wenn ich nicht mal annähernd nachvollziehen kann, wer da wirklich dran ist. Mache ich so schon nur ungern, wegen der Nachweisbarkeit und bestehe in der Regel auch auf schrifliche Antwort, auf meine schriftlichen Anfragen.

  • 32
    6
    MarioGrimm
    18.02.2021

    Gerne würde ich diesen Artikel mit den Worten kommentieren die mir jetzt durch den Kopf gehen ,doch dann würde ich sofort als Ausländerfeindlich ,Rassistisch und Rechtspolitisch angeprangert obwohl man bei solchen Vorfällen nur wütend und kopfschüttelnd zurückbleibt ! und dann noch von einem ,,Bürger'' zu sprechen ist schon sehr skuril !! Das sind Betrüger die sich nicht an die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland halten und somit keine Aufenthaltsberechtigung hier haben . Punkt ! Wenn ich mir das als Urlauber z.B. in der Türkei erlaube gehe ich sofort ins Gefängnis !(und ich liebe die Türkei als Urlaubsland) und werde ausgewiesen und im schlimmsten Fall verurteilt!!