Beulenschmiede fahren auf Ramm-Tour

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Autos ohne Glanz und Luxus, dafür jedoch mit Blechschäden und robuster Technik begeistern die Mitglieder eines Vereins aus Hohenstein-Ernstthal.

Hohenstein-Ernstthal.

Deutschen gelten mitunter als Autonarren, die ihr Fahrzeug hegen und pflegen, die bei jeder kleinen Beule sofort in die Werkstatt eilen. Beim MSC Beulenschmiede ist das anders. Denn die knapp 20 Auto- und Motorsportfans sind in der Stockcar- und Autocrossszene unterwegs, wo es ordentlich zur Sache geht.

In Sandgruben oder auf Schlammpisten sind sie besonders gern unterwegs. Bei den Stockcar-Rennen gehören auch Crashs und Rempler zum Alltag. "Die Fahrertür ist deshalb mit einer Stahlplatte verstärkt", sagt Florian Dolling, der zu den Beulenschmieden gehört. Ein Überrollkäfig aus dicken Metallrohren ist Pflicht, genauso Notausschalter für das Auto, damit Helfer bei einem Unfall schnell für Sicherheit sorgen können. "Es gibt da ein sehr strenges Reglement und technische Abnahmen bei jedem Rennen", erklärt Thomas Albani, der im Club der Chef ist. 2013 war er erstmals als Besucher bei einem Rennen in der Sandgrube Gablenz bei Crimmitschau dabei. Dort wurde die Begeisterung für den rustikalen Rennsport geweckt und ein Jahr später waren die Hohenstein-Ernstthaler mit eigenem Fahrzeug am Start.

Sie schwören in der Stockcar-Serie auf den von 1989 bis 1994 gebauten Honda Concerto, denn vor allem sein Motor steckt die extremen Belastungen durch die hohen Drehzahlen gut weg. "Bei der Marke bleiben wir", sagt Albani. Deshalb wurden noch vier gebrauchte Hondas erstanden, die zu Stockcars werden könnten und zur Ersatzteilgewinnung genutzt werden. Zweimal pro Woche schrauben, reparieren und tüfteln die Vereinsmitglieder, die ungewollte Beulen oder verzogene Bauteile manchmal mit dem Vorschlaghammer in Form bringen. Alles was verzichtbar ist, wurde aus dem Fahrzeug entfernt. Der Kühler wanderte ins Heck, denn vorn hinter der Motorhaube ist das Risiko zu groß, dass bei einem Crash etwas kaputtgeht. Nicht ganz so rustikal ist die Autocrossserie, bei der es möglichst ohne Kollisionen abgehen soll. Deshalb hat der kleine blaue Hyundai auch ein fast normales Äußeres. Im Innenraum gibt es sogar einen Beifahrersitz, falls Gäste einmal miterleben wollen, wie sich so ein Rennen anfühlt. Eine Spezialkonstruktion ist der Handbremshebel, der bis fast ans Lenkrad reicht. So kann man die Bremse schneller ziehen und mit blockierten Rädern durch die Kurven driften. Auf der Straße sind die ungewöhnlichen Autos wegen der Umbauten nicht erlaubt. Deshalb haben sich die Beulenschmiede gestern mit Kleinbussen und Anhängern, auf denen die zwei Fahrzeuge standen, auf nach Biesenthal im Norden Berlins gemacht. Hier gibt es die ersten Rennteilnahmen seit zwei Jahren. Kurzstreckenrennen über fünf bis sechs Runden von etwa einem Kilometer, aber auch ein Langstreckenrennen, das eine reichliche halbe Stunde dauert, stehen am Wochenende an. Siegchancen gibt es nur, wenn die Technik trotz der hohen Belastung hält und nicht zu viel Schrott produziert wird. Doch auch der wird noch sinnvoll genutzt. Auf ihrem Gelände an der August-Bebel-Straße, wo sich der MSC Beulenschmiede im früheren Vorrichtungsbau eingemietet hat, steht auch ein großer Schrottcontainer. Hier sammelt der Verein Metallschrott für den guten Zweck. Der erste Container mit mehr als 2,2 Tonnen Inhalt brachte 330 Euro, die dem Verein Pfotenhilfe Chemnitz gespendet wurden. Der zweite Container ist schon fast wieder voll.

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