"Bier des Jahrzehnts" kommt aus der Glückauf-Brauerei in Gersdorf

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Die Glückauf-Brauerei hat eine seltene Auszeichnung erhalten. Trotzdem bremst Corona den Absatz - ein paar Kilometer weiter wurde deswegen bereits die Produktion umgestellt.

Gersdorf/Hartmannsdorf.

Am Freitag zum Tag des Deutschen Bieres, mit dem an den Erlass des Reinheitsgebotes im Jahr 1516 erinnert wird, hat es in der Glückauf-Brauerei in Gersdorf eine erfreuliche Nachricht gegeben. In der morgendlichen Betriebsversammlung teilte Brauereichefin Astrid Peiker ihrem Team mit, dass das "Gersdorfer Ale" zum Bier des Jahrzehnts gewählt wurde.

Gekürt wurde es vom "ProBier-Club", der über 6000 Mitglieder hat und diese regelmäßig über besondere Biersorten abstimmen lässt. "Wir sind immer auf der Suche nach speziellen Bieren mit einem eigenen Charakter oder mit Ecken und Kanten", erklärte Frank Winkel, Gründer des "ProBier-Clubs", der für die Preisübergabe aus Lünen in Nordrhein-Westfalen nach Gersdorf gekommen war.

Die neuerliche Auszeichnung hat eine Vorgeschichte: Bereits im Oktober 2015 wurde das "Gersdorfer Ale" zum Bier des Monats gewählt. Aus den zwölf Monatssiegern wurde im Folgejahr ein Bier des Jahres gewählt. Auch hier hatte die Kreation der Glückauf-Brauerei die Nase vorn und qualifizierte sich als einer von zehn Jahressiegern für die nun erfolgte Wahl, die von Bierexperten aus ganz Deutschland vorgenommen wurde. Zu bewerten waren dabei Farbe, Geruch, Geschmack, Optik und Gesamteindruck.

"Es ist wichtig, dass es in der jetzigen Zeit auch einmal positive Nachrichten gibt", sagt Brauereichefin Astrid Peiker. Ihr sei die Auszeichnung auch deshalb so viel wert, weil echte Bierliebhaber entschieden hätten. Bei anderen Preisen und Bewertungen entscheiden Experten über die messbare Qualität der Biere oder anderer Lebensmittel.

Mit dem "Gersdorfer Ale" hatte die Glückauf-Brauerei Neuland betreten. Kurz nachdem Astrid Peiker im Jahr 2013 als Nachfolgerin ihrer Mutter Renate Scheibner die Geschäftsführung übernommen hatte, probierte sie im Ostseeurlaub eine dortige regionale Bierspezialität und war angetan. "So etwas wollte ich dann auch machen", erinnert sie sich. Zusammen mit Braumeister Gerd Grießbach wurde lange an der neuen Sorte getüftelt. "Es ist unser aufwändigstes Bier", schätzt der Braumeister ein. Vier spezielle Sorten von Aromahopfen werden per Kalthopfung nachträglich zugeführt, was einen besonderen Geschmack möglich mache. Trotz dieser Eigenart entspreche das Bier dem deutschen Reinheitsgebot, nach dem in Gersdorf generell gebraut wird.

Doch die kleine Privatbrauerei mit 27 Mitarbeitern hat es derzeit schwer. "Die großen Veranstaltungen und kleinen Feste fehlen einfach, genauso die Gastronomie", begründet Astrid Peiker den gesunkenen Absatz. Fassbier wird nur noch in geringem Umfang verkauft. Ein Drittel der Mitarbeiter ist nach wie vor in Kurzarbeit. Ab dem Frühsommer erhofft sich die Brauereichefin wieder etwas mehr Normalität, wenn zumindest die Gastronomie wieder öffnen darf. "Echte Großveranstaltungen wird es dieses Jahr wohl nicht geben", prognostiziert sie. Der Umsatzeinbruch beim Fassbier konnte durch den Verkauf von Flaschenbier nur teilweise ausgeglichen werden. Sehr positiv hat sich laut Astrid Peiker aber der eigene Betriebsverkauf entwickelt, der von den Kunden in der Region immer besser angenommen wird.

Auch in der Hartmannsdorfer Brauerei bei Chemnitz kämpft Chef Ludwig Hörnlein mit Umsatzeinbußen wegen des fehlenden Fassbiergeschäfts. Er setze jetzt auf alkoholfreie und vor allem regionale Getränke in Bioqualität. So habe er einen Cidre, also Apfelwein, kreiert, der aus Äpfeln von Streuobstwiesen der Region hergestellt wird. (mit bj)

Tester: "Man muss den passenden Appetit dafür haben" 

Für "Freie-Presse" hat Mitarbeiter Markus Pfeifer das "Gersdorfer Ale" gekostet: Schon der Geruch überrascht. Als fruchtig-frisch mit einer herben Note lässt er sich vielleicht am besten beschreiben. Dieser Eindruck bestätigt sich auch im Gaumen. Die vier Sorten von Aromahopfen, die in Gersdorf ein Betriebsgeheimnis sind, sorgen für eine alles andere als biertypischen Geschmack, der den "normalen" Biertrinker vielleicht sogar ein wenig überfordert. Mir schmeckt es, aber eben auch nicht immer. Denn für das "Gersdorfer Ale" muss man den passenden Appetit haben und es nicht direkt aus der Flasche, sondern aus dem Glas trinken. Zu groß sollte der Durst aber auch nicht sein. Denn nicht nur die aromatische Vielfalt ist besonders: Mit 6,8 Prozent liegt auch der Alkoholgehalt deutlich über dem normalen Pilsener (4,9 Prozent). (mpf)

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22 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 21
    1
    2PLUTO6
    24.04.2021

    Glückwunsch, chapeau und a la bonheur!
    Gute Arbeit und Kreativität zahlt sich aus.
    Hoffentlich geht der Fassverkauf bald wieder los.

  • 26
    0
    1956799
    24.04.2021

    Meinen Glückwunsch an die innovative Privatbrauerei in Gersdorf mit irher Chefin Astrid Peiker. Seit die Brauerei in ähnlicher Rezeptur zum 725jährigen Stadtjubiläum von Zschopau im Jahre 2017 unser "Zschopauer Ale" (neben "Zschopauer Pils") kreiert hat, liebe und genieße ich dieses Ale, das es auch im Zschopauer Schloss-Bistro gibt. Ein Genuss nach einer anstrengenden Wanderung oder Radtour an einem Sommerabend - alternativ zu einem Glas Wein! Leute, die den Einheitsgeschmack der oft zu Schleuderpreisen an den Mann gebrachten "Industriebrühen" um Hasseröder & Co. wollen, werden natürlich keinen Zugang zu diesem Ale finden. Schön, dass es mittlerweile etliche kleine lokale Brauereien im Erzgebirge und Umgebung gibt, die mit vielen Ideen und Angeboten den Bierliebhaber begeistern, wie z.B. auch die Stonewood Braumanukaktur um Michael Friedrich in Chemnitz.