Bikini-Bild aus Nazi-Zeit gibt Rätsel auf

In Argentinien ist ein Bild aufgetaucht, das die Tochter eines geflohenen Industriellen im Bikini zeigt - sie sitzt vor einer Fabrik in Oberlungwitz.

Oberlungwitz.

Ihre grünlich-blauen Augen blicken sanft am Betrachter vorbei. Wohin schaut sie, woran denkt sie? Eveline Fischer ist wohl 19 Jahre alt, als sie im Bikini vor den Oberlungwitzer Goldfisch-Werken posiert - im Jahr 1943. Würde sie von den Nazis erwischt, die Folgen wären kaum auszudenken. Ihr Vater, ein zum Protestantismus konvertierter Jude, ist schon nach Argentinien geflüchtet.

Eveline Fischer ist Tochter von Hans und Eva Fischer. Dem Vater gehörten die Goldfisch-Werke in Oberlungwitz. Er produzierte Bademode für den internationalen Markt, exportierte nach Frankreich und in die USA, der Standort prosperierte. Doch dann kamen die Nazis an die Macht.


Im Juni 1933 gründeten die neuen Herrscher - angetrieben von Rassen- und Kontrollwahn - das "Deutsche Modebüro". Ehrenpräsidentin war Magda Goebbels, Frau von Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels. Fortan galt in der deutschen Modewelt: Heimchen-Schick statt Haute Couture. Die "Entjudung" der Branche wurde vorangetrieben, Betriebe enteignet. Um dem entgegenzuwirken, überschrieb Fabrikbesitzer Hans Fischer das Werk seiner nichtjüdischen Frau und floh mit Sohn Otto nach Argentinien. Eveline blieb mit Mutter Eva und einem Bruder zurück. Wie kam es dann zum Bikini-Bild?

Die Hintergründe sind noch nicht umfassend geklärt. Sicher ist: Auch Eveline zog es nach dem Krieg in Richtung Argentinien, wo sie William van Kuyk heiratete. Beim gleichnamigen Nachfahren fand sich nun das Porträt. Urenkel van Kuyk vermutet: "Dieses Gemälde war das Vorbild für das erste Werbefoto eines Zweiteilers weltweit." Bikini-Werbung in Nazi-Deutschland? Noch dazu von der Tochter eines Geflüchteten?

Das Bild ist derzeit auf dem Weg zum Bikini Art Museum in Bad Rappenau in Baden Württemberg. Das Haus soll im kommenden Jahr eröffnen und befasst sich mit der Geschichte von Bademode. Reinhold Weinmann, Kunsthistoriker am Museum, kann es kaum erwarten, bis das Original eintrifft. Es wurde wohl vom Maler Rudolf Sternad angefertigt. "Derzeit gibt es noch viele offene Fragen zu dem Bild", freut sich Weinmann: Man wisse weder über die konkreten Umstände seiner Entstehung Bescheid, noch was mit dem Motiv geschah. Sollte es tatsächlich eine Werbe-Vorlage gewesen sein, müssten sich Annoncen finden, die den weißen Zweiteiler anpreisen. Nur in welchem Land? Sowohl die Nachkommen als auch die Museumsmitarbeiter suchen derzeit nach Belegen und Quellen.

Wissen Sie mehr zur Geschichte des Bildes? Schreiben Sie an info@bikiniartmuseum.com

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