Bildungszentrum an Frühlingsstraße angeregt

Auf der Fläche im Zwickauer Stadtteil Weißenborn, auf der früher das Haus stand, in dem das NSU-Trio lebte, könnten deren Taten dokumentiert und Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Zwickau.

Gras und ein paar Büsche sind über die Fläche gewachsen, auf der früher das Haus stand, in dem Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) bis vor sieben Jahren gelebt hatten. Jetzt könnte dort ein Bildungs- und Dokumentationszentrum entstehen, das über die Taten des NSU berichtet und demokratische Bildungsarbeit leistet. Zu den Befürwortern dieser Idee gehören die Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) und die Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD).

Die beiden Politikerinnen trafen sich am Samstagnachmittag mit Vertretern vom Kulturbüro Sachsen und Mitwirkenden der Geschichtswerkstätten aus Chemnitz an der Frühlingsstraße. Findeiß berichtete, dass die Stadt das Wohnhaus des Trios, in dem Beate Zschäpe eine Explosion zur Vertuschung der Taten ausgelöst hatte, schnell abreißen ließ. "Zu dieser Entscheidung stehe ich bis heute. Sie war richtig. Das Risiko, dass das Gebäude zu einer Pilgerstätte für Rechtsradikale geworden wäre, war zu groß." Sie sagte, dass sie sich bereits in den Jahren 2011/12 an die Bundesregierung und den sächsischen Ministerpräsidenten mit der Bitte um Unterstützung bei der Aufarbeitung der Taten des NSU gewandt habe, aber ohne Erfolg. Nach der Urteilsverkündung gegen Beate Zschäpe gebe es dazu eine neue Debatte. Ihrer Meinung nach helfe Aktionismus wenig. Es müsse etwas Nachhaltiges geschaffen werden. Den Platz an der Frühlingsstraße fände sie gut. Zumal sich gleich nebenan der Gedenkstein für Simon Schocken befindet, der aus einer jüdischen Familie stammte und mit seinem Bruder Salman in Zwickau den Schocken-Konzern gründete. Solch eine nachhaltige Lösung könne aber Zwickau allein nicht leisten. Dafür brauche es das Engagement des Landes und des Bundes.

Petra Pau, die auch aus ihrer Arbeit im NSU-Untersuchungsausschuss berichtete, versicherte, dass sie die Bundesregierung fragen wolle, wie sie zu einem Bildungs- und Dokumentationszentrum steht; und auch, ob Geld über das Programm "Demokratie leben" fließen könne. Dafür brauche es aber ein ordentliches Konzept. Wichtig seien neben Bildungsangeboten für junge Leute auch solche für Erzieher und Lehrer. Danilo Starosta vom Kulturbüro Sachsen sagte, dass es bereits viele Ideen gebe, die eine gute Basis für ein solches Konzept wären.

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