"Bis 2050 wird es in Sachsen über 220.000 Demenzkranke geben"

Advita-Niederlassungsleiterin Kerstin Jarand über den Umgang mit pflegebedürftigen Menschen

Hohenstein-Ernstthal.

Laut Studien werden in Zukunft immer mehr Menschen von der Krankheit Demenz betroffen sein. Wie reagieren Gesellschaft und Wirtschaft auf diese Entwicklung? Erik Kiwitter sprach mit der Niederlassungsleiterin der Advita Pflegedienst GmbH in Hohenstein-Ernstthal, Kerstin Jarand (53). Das Unternehmen eröffnet am 1. Mai eine Einrichtung mit zwei Wohngemeinschaften.

Freie Presse: Am Samstag (10 bis 15 Uhr) laden Sie zu einem Tag der offenen Baustelle ein. Ihr Unternehmen, die Advita Pflegedienst GmbH, eröffnet bald eine neue Einrichtung.

Kerstin Jarand: Das ist richtig. In der August-Bebel-Straße 8 eröffnen wir am 1. Mai das Advita-Haus "Alte Weberei", deren Sanierung bald abgeschlossen ist. Es wird dort 13 betreute Wohnungen und zwei Wohngemeinschaften geben.

An sich ist das nichts Besonderes, oder?

Ja. In den beiden Wohngemeinschaften werden ausschließlich demenzkranke Menschen betreut. Die Entwicklung ist leider so - das merken wir auch bei unserer täglichen Betreuung und Pflege - dass immer mehr Menschen demenzkrank werden. Das ist keine schöne Entwicklung, aber wir müssen uns ihr stellen: Bis 2050 wird es in Sachsen über 220.000 Demenzkranke geben, die pflegebedürftig sind. So lautet eine Prognose des sächsischen Sozialministeriums. Jetzt sind es ungefähr 140.000.

Da gibt es viele traurige Schicksale.

Wem sagen Sie das. Mein Vater, inzwischen 87-jährig, ist schwer dement. Er wird auch hier einziehen. Das ist schon ein seltsames, aber auch beruhigendes Gefühl, für seinen eigenen Vater privat und dienstlich da zu sein. Er ist hier gut aufgehoben. Das ist mir sehr wichtig.

Was hat es mit den beiden Wohngemeinschaften in der neuen Einrichtung auf sich?

Das Gebäude gehörte zu einer Textilfabrik. Später war hier eine Berufsschule der Möbelstoff- und Plüschwerke untergebracht. Inzwischen ist natürlich alles umgebaut und modern saniert. Die Bewohner der Wohngemeinschaften haben eine eigene kleine Wohnung. Davon gibt es 17. Hier haben sie ihre Privatsphäre. Hier können sie selbstbestimmt wohnen. Aber wir können uns individuell um sie kümmern.

Wo werden sie betreut?

Nicht weit davon - in der Schulstraße - befindet sich unsere Tagespflege. Dort können die Bewohner der "Alten Weberei" jeden Morgen hingehen: als würden sie täglich auf Arbeit sein. Damit haben sie eine gute Tagesstruktur.

Ist ausreichend Pflegepersonal vorhanden?

Ja und nein. In der Tagespflege und im ambulanten Dienst haben wir 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für die neue Einrichtung benötigen wir noch Pflegefachkräfte und Pflegekräfte. Es ist nicht einfach, motiviertes Personal zu finden.

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