Blei-Klau nicht nachweisbar

Wegen Bandendiebstahls stand ein 27-jähriger Mann vor Gericht. Er soll mit Kumpanen 25 Tonnen Altbatterien in Glauchau gestohlen haben.

Hohenstein-Ernstthal.

Am Pfingstwochenende 2018 verschwinden vom Gelände der Glauchauer Firma Ubatt mehr als 25 Tonnen alte Gabelstapler-Batterie-Segmente. Eine Rumänenbande gerät ins Fadenkreuz der Ermittler. Jetzt stand ein 27-jähriger Mann aus Halle deswegen in Hohenstein-Ernstthal vor Gericht. Schweren Bandendiebstahl warf Staatsanwalt Martin Bierlein dem Mann vor.

Er soll dabei gewesen sein, als die Täter am 20. und 21. Mai 2018 in Nacht-und-Nebel-Aktionen den Maschendrahtzaun des Betriebsgeländes durchschnitten und mit mehrere Fahrzeugen ins Gelände eingedrungen waren. Die Batteriesegmente standen, verladen in Zehn-Tonnen-Containern, zum Abtransport für die Bleihütte bereit. Dazu kam es nicht. Schon am 21. Mai bemerkte ein Mitarbeiter der Firma den ersten Klau. "Ich hatte noch etwas zu tun in der Firma und bemerkte an den Containern die Säurepfützen", sagte er. Doch die Spezialcontainer sind eigens dafür gebaut und dicht. Er schaute nach: Die Planen waren geöffnet, die Container leer beziehungsweise halb leer. Er informierte den Firmenchef in Regensburg. Als der am nächsten Tag in seiner Firma eintraf, waren noch einmal etliche Tonnen des Gefahrgut-Bleischrotts verschwunden. Auch der nach den polizeilichen Maßnahmen reparierte Zaun war erneut durchbrochen.

Wenige Stunden zuvor: Szenenwechsel. Die Autobahnpolizei wird gegen Mitternacht zum Kreuz Halle-Süd auf der A 38 gerufen. Ein Transporter Iveco mit rumänischer Besatzung steht dort mit Reifenplatzer. Es stinkt nach faulen Eiern. Der erfahrene Autobahnpolizist weiß sofort, was das heißt: Aus dem mit sechs Tonnen Last hoffnungslos überladenen Transporter, dessen Radkästen fast auf den Reifen aufsitzen, läuft Batteriesäure aus. Was die Beamten noch nicht wissen: Es handelt sich um Diebesgut aus Glauchau.

Tags darauf: Ein Batteriehändler in Schkeuditz, den der bestohlene Firmenchef vorgewarnt hat, bekommt prompt von Rumänen eine Ladung von zwei bis drei Tonnen Staplerbatterien angeboten. Er versucht, die Verkäufer hinzuhalten, bis die Polizei kommt. Doch die Einsatzkräfte sind zu der Zeit überlastet, können nicht zuschlagen. Der Schrotthändler lehnt den Kauf ab, muss die Männer ziehen lassen, hat aber Fotos von deren Autos. Vor Gericht kann er den Angeklagten zwar hundertprozentig identifizieren. Bestätigt andererseits aber auch, dass er einmal im Monat solch eine Ladung angeboten bekommt.

Die Ermittler puzzeln alles zusammen, vergleichen Blitzerfotos, finden Fahrzeuge, die am Tattag von einer Überwachungskamera nahe dem Glauchauer Firmengelände beim An- und Abreisen gefilmt wurden und dann bei den Verkaufsversuchen in Sachsen-Anhalt auftauchen. Über das Material wird der Angeklagte ermittelt. Viele Indizien. Aber: In Glauchau gibt es weder DNA, noch Personen auf Video, Zeugen oder verwertbaren Funkzellen-Ortungsergebnisse von Handys.

Selbst Hehlerei ist dem Angeklagten nicht nachzuweisen. Es sei nicht zu ermitteln, woher die Ware stammte, die der Angeklagte dem Schrotthändler anbot, sagte Richter Michael Respondek. "Der Angeklagte wird freigesprochen. Was bleibt, ist ein starker Restverdacht", so Respondek. Er machte dem Angeklagten klar, dass das Gericht "die Hosen nicht mit der Kneifzange anzieht". "Sie hatten Glück, dass Sie alleine auf der Anklagebank saßen. Wenn die Mitangeklagten hier gewesen wären, wäre es vielleicht anders ausgegangen", sagte der Richter.


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