Brandgefahr: Feuerwehr landet unerwartet einen Internethit

Ein Experiment mit einer Plastikflasche hat eine enorme Resonanz hervorgerufen. Die Macher können sich vor Anfragen kaum retten.

Rußdorf.

Es sollte nur ein Appell sein, angesichts der derzeitigen Hitzeperiode die Brandgefahr im Wald ernst zu nehmen. Was daraus wurde, ahnte niemand: Die Feuerwehr Rußdorf hat mit einem kurzen Text und zwei Fotos einen Internethit gelandet. Bis Donnerstagnachmittag wurde der Post bei Facebook mehr als 37.000-mal geteilt und knapp 3000-mal kommentiert. Mehr als drei Millionen Nutzer des sozialen Netzwerks sahen den Beitrag.

Die Fotos entstanden in Tschechien nahe Ceska Lipa/Böhmisch Leipa. Die Familien von Wehrleiter Mirko Schlimper und Feuerwehrmann Marcel Bolz verbrachten an einem dortigen See einen Kurzurlaub. Als Bolz' zwölfjähriger Sohn, der selbst Mitglied der Jugendfeuerwehr ist, am anderen Ufer einen Waldbrand entdeckte, fragte er nach dem möglichen Auslöser. Sein Vater und Mirko Schlimper erklärten, dass schon eine Glasscherbe, die bei Sonnenlicht wie ein Brennglas fungiert, ausreichen kann. Dann hatten die Rußdorfer die Idee zu einem Experiment: Sie wollten herausfinden, ob auch eine handelsübliche Plastikflasche für Mineralwasser als Brandursache in Frage kommt.

Die Versuchsanordnung war schnell abgeschlossen: Die Feuerwehrleute suchten sich ein wenig Stroh, legten es in die pralle Sonne und platzierten die volle Wasserflasche daneben. Ein Thermometer, das die Rußdorfer bei sich hatten, zeigte 39 Grad im Schatten an. "Es hat 15 Minuten gedauert", berichtet Schlimper. Dann fing das Stroh Feuer. Das Beweisfoto veröffentlichten die Freunde auf Facebook, verbunden mit einer Bitte: "Leute, achtet darauf und schmeißt nix weg - keine Kippen oder sonstiges."

Die Feuerwehrleute trafen damit offenbar einen Nerv. Dass Glas bei Trockenheit einen Waldbrand auslösen kann, lernt man schon als Kind in der Schule. Dass dies aber auch für Plastikflaschen gilt, ist offenbar vielen unbekannt. "Danke für die Info. Ich hätte damit nie gerechnet", schreibt eine Nutzerin. "Krass. Aber klingt einleuchtend", stellt ein Kommentator fest. Andere Nutzer berichten davon, dass sie beobachtet haben, wie Personen trotz Hitze ihren Müll achtlos in den Wald oder in Grünanlagen werfen.

Die riesige Resonanz hat die Feuerwehrleute völlig überrascht. "Wahnsinn, dass die Sache so einschlägt", sagt Schlimper. Der 43-Jährige und Bolz (41) haben inzwischen Anfragen von zahlreichen Medien erhalten. Mehrere Zeitungen berichteten, auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hat das Experiment im Fernsehen aufgegriffen. Die TV-Redaktion wollte wissen, ob die Rußdorfer ein Video gemacht haben. "Leider haben wir daran nicht gedacht", berichtet Schlimper. Sonst wären die Feuerwehrleute jetzt womöglich Fernsehstars.

Für einen Experten kommt das Ergebnis des Experiments indes wenig überraschend. Genau wie Glas- könnten auch Plastikflaschen wie eine Linse fungieren und Lichtstrahlen bündeln, erklärt Dr. Thomas Franke von der Professur Chemische Physik an der TU Chemnitz. Plastik entfalte allerdings eine geringere Wirkung als Glas. Ob ein Feuer ausbricht, hänge von mehreren Faktoren ab, sagt Franke: Temperatur, Trockenheit sowie Abstand zwischen Flasche und entflammbarem Material. Ob die Flasche mit Wasser gefüllt - wie es beim Experiment der Fall war - oder leer ist, sei hingegen unerheblich. Der Physiker begrüßt es, dass das Thema Brandgefahr im Wald durch die Aktion einen Schub erhalten hat. "Normalerweise müsste man angesichts der Hitze einen Aufruf starten und sämtlichen Unrat im Wald auflesen", betont Franke. Der Waldbrand in Tschechien konnte übrigens durch die dortige Feuerwehr nach einigen Stunden gelöscht werden. Auch Mirko Schlimper und Marcel Bolz löschten das beim Experiment entflammte Stroh, wie es sich für Feuerwehrleute gehört: mit Wasser aus dem See.

Der Facebook-Post der Feuerwehr ist hier zu finden.

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