Brauen ist auch viel Handarbeit

Ans Werk! Sie bauen, schleifen, schrauben, drehen und drechseln: Handwerker gestalten unser Umfeld. Die "Freie Presse" stellt einige Gewerke aus der Region in einer Serie vor - und schaut den Handwerkern bei der Arbeit auf die Finger.

Gersdorf.

Bier wird schon seit Jahrtausenden gebraut, was das Handwerk des Brauers zu einem traditionsreichen Beruf macht. In der Glückauf-Brauerei in Gersdorf, die im Jahr 1880 gegründet wurde, hat sich zwar im Laufe der Jahrzehnte viel verändert, doch hier gibt es noch viel mehr Handwerk als in vollautomatisierten Großbrauereien. Das beginnt schon beim Transport der Rohstoffe. Das Brauwasser aus dem eigenen Brunnen plätschert zwar automatisch an Ort und Stelle, doch laut Reinheitsgebot von 1516 kommen ja auch noch Hopfen und Malz dazu. "Für unsere dunklen Biere nutzen wir Spezialmalze. Die werden in 25-Kilo-Säcken geliefert", erklärt Braumeister Gerd Grießbach. In die entsprechende Anlage zum Mahlen oder Schroten werden sie von Hand gefüllt. Früher war das um einiges schwerer, denn da wogen die Säcke noch das Doppelte. Durch die große Vielfalt an Bieren, die in Gersdorf gebraut werden, ist die Bandbreite der Rohstoffe größer geworden. Ein Brauer lernt in der Ausbildung nicht nur das Brauen selbst, sondern wird zugleich auch Mälzer, der die Braugerste vorzubereiten hat. Doch das wird in Gersdorf schon seit Jahrzehnten nicht mehr gemacht, da die Zutaten von Spezialfirmen kommen.

Brauwasser und Malz bilden die Maische, die auf 78 Grad erhitzt werden muss. Das erfolgt in technischen aufwendigen Anlagen, genauso wie das Kochen im Sudhaus. Hier wird dem künftigen Bier auch sein individueller Geschmack mit auf den Weg gegeben, denn der Hopfen wird zugeführt. Spezialhopfen wird in Tüten von einigen Kilogramm in Pelletform geliefert und per Hand, genau abgewogen, in die entsprechenden Gerätschaften gefüllt. Ein Pilsner-Sud umfasst in Gersdorf laut Grießbach dann 16.000 Liter, beim Bockbier sind es 10.000 Liter. Für Biere wie das mehrfach prämierte Ale sind mehrere Hopfensorten im Einsatz. "Die genauen Rezepte sind da natürlich unser Geheimnis", sagt der 48-Jährige, der mit dem Brauereiteam schon etliche neue Sorten ersonnen hat. Das sei derzeit im Trend und hat dazu geführt, dass in manchen Kleinstbrauereien noch um einiges handwerklicher gebraut wird als bei Glückauf, obwohl die Privatbrauerei im Vergleich zu nationalen oder internationalen Marktführern auch wie eine Kleinbrauerei aussehen mag.


Je nachdem, in welche Tanks für Gärung und Reifung das Bier soll, müssen entsprechend Rohre in Bogenform angebracht werden. In diesem und in anderen Teilen der Brauerei funkelt dabei die moderne Edelstahlausstattung, an die in Zeiten der offenen Bottiche oder Holzfässer noch nicht zu denken war. Nach der Wende wurden zweistellige Millionenbeträge in die Brauereitechnik investiert. "Die verschiedenen Prozesse steuern wir aber trotzdem noch getrennt voneinander. Es hat durchaus Vorteile, wenn nicht alles der Computer macht", sagt Gerd Grießbach, der als Braumeister nicht etwa in einer Zentrale sitzt und alles am Bildschirm kontrolliert, sondern viel in den unterschiedlichen Unternehmensbereichen unterwegs ist und alle Anlagen mit ihren Besonderheiten und Tücken kennen muss.

Etwa eine Woche muss das Bier nach der Hefezugabe, die nach dem Abkühlen des Sudes erfolgt, vergären und dann etwa vier Wochen reifen. Die Hefe wird anschließend mit aufwendiger Filtertechnik, die wiederum mit viel Handwerk vorbereitet wird, aus dem Bier gefiltert. Ausnahmen sind naturtrübe Biere wie das Kellerbier oder das Ale, die als Spezialitätenbiere in Gersdorf entstehen. Bei der Abfüllung ist viel moderne Technik im Einsatz. Fässer gibt es in Gersdorf in den Größen 15, 20, 30 und 50 Liter. Mit Sauerstoff sollte das Bier beim Abfüllen möglichst nicht in Kontakt kommen. "Wir machen ja ein sensibles Produkt. Bier ist eigentlich das wertvollere Getränk als Wein, weil die Herstellung viel aufwendiger ist", beschriebt Grießbach.

Eine ungewolltes "Handwerk" hat derweil in den vergangenen Jahren in der Glückauf-Brauerei an Bedeutung gewonnen. Da viele Brauereien aus Marketinggründen eigene Flaschengrößen und -formen nutzten, müssen Kästen mit gemischtem Leergut aufwendig sortiert werden, was Mitarbeiter oder Hilfskräfte übernehmen. "Dafür gibt es zwar auch Maschinen, aber die lohnen sich für uns nicht", sagt Grießbach, der zusammen mit seinen Kollegen diese Woche eine besondere Aufgabe hat. Das Brauereifest am Samstag muss vorbereitet werden.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...