CDU-Krach: Gräben bleiben bestehen

Bei der Vorstandswahl in Lichtenstein warf Altbürgermeister Sedner der amtierenden Vorsitzenden zu viel Nähe zu Linken und Freien Wählern vor. Doch Dagmar Hamann gewann die Wahl.

Lichtenstein.

Bereits an der freiwilligen Sitzordnung wurde sichtbar, welch tiefer Graben sich durch den Stadtverband der CDU Lichtenstein zieht. Die 33 anwesenden wahlberechtigen Mitglieder sollten am Dienstag über den neuen Vorstand abstimmen. Auf der einen Seite des Saals im Lichtensteiner Parkschlösschen nahmen die Anhänger der amtierenden Vorsitzenden Dagmar Hamann Platz. Auf der anderen Seite versammelten sich größtenteils die Anhänger von Wolfgang Sedner. Der Altbürgermeister hatte nur einen Tag zuvor seine Gegenkandidatur bekannt gegeben.

Am Ende wurde Hamann mit 20 zu 13 Stimmen als Vorsitzende bestätigt. Noch bevor es jedoch zum ersten Wahlgang kam, flogen verbal die Fetzen. Grund für den Streit war die umstrittene Absetzung der Fraktionsvorsitzenden Annett Richter Anfang Januar. Die saß am Tisch von Wolfgang Sedner.

Dagmar Hamann eröffnete die Versammlung mit lobenden Worten über Erfolge der CDU-Fraktion im Stadtrat, wandte sich jedoch alsbald Annett Richter zu. Die hätte ihren Posten wegen schlechter inhaltlicher Vorbereitung der Fraktionssitzungen verloren. Außerdem habe sie ihr Handeln im Stadtrat nicht mit den anderen Mitgliedern abgestimmt. Stadtrat Rico Beckert hatte die Absetzung Richters in die Wege geleitet. Matthias Ramm, Vizefraktionsvorsitzender Jens Steinert sowie der jetzige Fraktionschef Christian Rochlitzer unterstützten ihn. Fast alle saßen am anderen Tisch.

Da Annett Richter weiterhin den Posten der Ortsvorsteherin in Heinrichsort bekleidet, sollte sie über ihre dortige Arbeit Rechenschaft ablegen. Sie nutzte die Chance, um Hamann Kontra zu geben. Schon zur Kommunalwahl hätten Richter und ihre Heinrichsorter Anhänger überlegt: "Wollen wir überhaupt in der CDU bleiben?" Richter warf der Partei vor, mit Linken und Freien Wählern gekungelt zu haben. "Ihr habt den Kandidaten Christian Rochlitzer an die Linken verraten", sagte Richter. Dahinter steckte der Vorwurf, Hamann habe Linkenfraktionsvorsitzender Ute Hoch zugesichert, sie für den Posten des Zweiten stellvertretenden Bürgermeisters zu nominieren. Der hätte aber der zweitstärksten Fraktion, der CDU, zugestanden. "Wie es sich gehört", so Richter. Sie wunderte sich auch, dass Bürgermeister Thomas Nordheim (Freie Wähler) immer genau über die Vorhaben der CDU Bescheid gewusst habe. Noch bevor ihre Absetzung offiziell verkündet worden war, sei Nordheim "durch die Stadt gerannt und hat allen erzählt, dass ich nicht mehr Vorsitzende bin."

Wolfgang Sedner brachte es in seiner Wahlrede auf den Punkt: "Ich fordere klare Kante gegen Linke und andere, die nicht zu uns gehören." Die CDU müsse wieder CDU sein. Auch wie die Mitglieder miteinander umgehen, stört den Ex-Bürgermeister. "Auch früher gab es Streit. Doch der hatte sich immer über der Gürtellinie zugetragen."

Jens Steinert vom anderen Tisch trat Sedners und Richters Auffassungen entschieden entgegen: "Ich sehe die anderen Parteien im Stadtrat nicht als unsere politische Feinde." Immerhin seien Räte dafür da, das Beste für die Stadt und die Bürger herauszuholen, auch über Fraktionsgrenzen hinweg. Als Sedner selber noch Bürgermeister gewesen sei, hätten die Freien Wähler jeden Antrag abgelehnt, der von der CDU oder der Verwaltung kam - "egal ob positiv oder negativ", so Steinert, der daraufhin fragte: "Wollen wir uns wirklich auf dieses Niveau hinab begeben?" Gegen den Vorwurf der Kungelei wehrte sich der Fraktionsvize jedoch.

Am Ende des Abends erlitten Sedner, Richter und deren etwa zehn Anhänger am Tisch eine bittere Niederlage. Vertreter aus dem Hamann-Lager wurden in sämtliche Vorstandsposten gewählt. Rico Beckert und Eric Schöniger sind ab sofort stellvertretende Vorsitzende. Schatzmeister bleibt Carsten Ehrig. Christian Rochlitzer, Jens Steinert, Claudia Schmidt und der 22-jährige Jan Schuster bekleiden die Beisitzerposten. Somit wurde auch kein einziger Heinrichsorter in den Vorstand gewählt.


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