Das Gemüse wird mit Wasser aus der Leitung gerettet

Die Kleingärtner in der Region stöhnen unter der Hitze. Die Regentonnen sind leer, Kulturpflanzen verdorren. Der Trinkwasserverbrauch in den Gartenanlagen hat sich jetzt verdoppelt.

Lisa Marie Arnold gießt im Garten von Vater Frank und Mutter Carola die Bohnen - mit Trinkwasser aus dem Schlauch.
Clemens und Babette Spindler graben im staubtrockenen Beet von Oma Christines Garten in der Anlage "Frischer Wind" nur Mini-Kartoffeln aus.

Von Hans-Peter Kuppe

Im Garten von Christine Spindler vertrocknen die Blumen. "Mein 60 Jahre alter Birnbaum hat wegen der Trockenheit schon drei Äste verloren", sagt sie. Was sie aus dem Kartoffelbeet ausgräbt, hat die lächerliche Größe von Saatkartoffeln. "Ich gieße nur noch die Möhren und die Rote Bete", sagt die 70-Jährige und winkt ab. 1,7 Kubikmeter Trinkwasser hat sie in diesem Jahr im Garten in der Anlage "Frischer Wind" am Pfaffenberg schon verbraucht. "Das ist für meine Verhältnisse viel", sagt sie.

Wie ihr geht es rund 2100 weiteren Kleingärtnern im Territorialverband Hohenstein-Ernstthal. Gartennachbar Frank Arnold macht da aber keine Kompromisse. "Ich hab das alles angebaut und will das auch ernten", sagt er und guckt das Geld fürs Trinkwasser nicht an. "Ich gieße nur noch mit dem Schlauch direkt aus der Wasserleitung. Guck dir doch die herrlichen Paprika an, da kann man doch schon von ungarischen Verhältnissen reden", sagt er.

Steve Bernsdorf, Chef der Kleingartenanlage "Vergissmeinnicht" in Gersdorf mit 31 Parzellen, weiß, dass viele seiner Mitglieder 1000-Liter-Tanks stehen haben. Aber einige müssen trotzdem schon Trinkwasser nehmen. "Das reicht ja nicht ewig. Ich selbst habe einen Pool. Ich mache da keine Zusätze ins Wasser. Wenn das schmutzig ist, nehme ich es auch zum Gießen." Er rettet damit vor allem seine Kräuter, den Brokkoli, Kürbis, Tomaten und Physalis.

Daniel Vattes, Vereinsvorsitzender der Kleingartenanlage "Eintracht" in Oberlungwitz, bleibt auch nichts anderes übrig, als die Wasserleitung anzuzapfen. 20 Parzellen hat die Anlage. Vattes gießt nur noch das Nötigste: Tomaten, Gurken, Bohnen, Kohlrabi und Peperoni. "Was du angebaut hast, willst du ja irgendwann auch essen", sagt er.

In der Hohenstein-Ernstthaler Kleingartenanlage "Am Röhrensteig" herrscht ebenso Regenwassernotstand. Zwar gibt es in der Anlage wegen der Hanglage sogenanntes Röhrenwasser. "Das dürfen wir aber nicht nehmen, das ist verboten", erklärt Vereinschef Jürgen Neumann. Seine Vereinsmitglieder gießen ihre Gärten schon lange nur noch mit Trinkwasser aus der Leitung. Neumann liest den Gesamtzählerstand freilich nicht täglich ab. Doch er ist hundertprozentig davon überzeugt: "Der Gesamtverbrauch der Anlage wird sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln." Er selbst hat im vergangenen Jahr drei Kubikmeter Wasser in der kompletten Gartensaison verbraucht, in diesem seien es schon sechs Kubikmeter. Sein Gemüse ist ihm die Investition wert. Die Gartenvereine müssen kein Abwasser bezahlen. Fürs Trinkwasser löhnen sie 1,95 Euro pro Kubikmeter, mit Mehrwertsteuer sind es 2,06 Euro.

Der Mehrverbrauch macht sich auch beim Trinkwasserversorger, dem Regionalen Zweckverband Lugau-Glauchau (RZV), bemerkbar. Natürlich kann niemand sagen, wie hoch derzeit der Anteil der Kleingartenanlagen am Verbrauch ist. "Was die Entnahme aus dem Trinkwasserversorgungsnetz anbelangt, kann ich aber sagen, dass wir nahezu täglich neue Tagesspitzenverbrauchswerte registrieren", sagt Norbert Conrad, Technischer Geschäftsleiter beim Trinkwasserversorger.

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