"Das Interesse am Leben auf dem Land ist da"

Bernsdorfs Bürgermeisterin Roswitha Müller (FDP) über Einwohnerschwund, Fördertöpfe und die Trockenheit

Roswitha Müller - Bürgermeisterin

Für das Sommerinterview stand die Bernsdorfer Bürgermeisterin Roswitha Müller (60, FDP) Rede und Antwort. Markus Pfeifer sprach mit ihr über den Straßenbau, die Perspektiven für den Ort und andere Themen in der Kommune.

Freie Presse: Die Hauptstraße wird endlich gebaut und der erste Abschnitt zwischen Agrarstraße und Sportplatzweg soll bis Ende September fertig sein. Das ist ein ehrgeiziger Zeitplan, oder?

Roswitha Müller: Es ist ein besonderes Verfahren, da muss man nicht so tief rein. Wir konnten unsere Vorstellungen gut mit einbringen und es war uns sehr wichtig, dass es zügig geht. Es folgen ja auch noch zwei weitere Abschnitte in den Jahren 2019 und 2020. Insgesamt sind das dann knapp zwei Kilometer, die rund 2 Millionen Euro kosten. Davon sind 80 Prozent Fördermittel und wir müssen 400.000 Euro selbst bezahlen.

Welche anderen Baumaßnahmen sind derzeit von Bedeutung?

In Rüsdorf wird an der Bachmauer gebaut, das ist aber kein Projekt von uns als Gemeindeverwaltung, da es sich um eine Staatsstraße handelt. Sehr wichtig ist, dass die Schule saniert wird. Da hat sich der Gemeinderat ausdrücklich dafür eingesetzt, dass wir Gelder aus dem Fördertöpfen "Brücken in die Zukunft" und jetzt für energetische Sanierung hier einsetzen.

Der Hochwasserschutz ist ja auch immer ein Thema im Ort. Wie geht es weiter?

Am Bernsbach haben wir den Großteil der Maßnahmen zur Schadensbeseitigung des Hochwassers 2013 geschafft, da waren wir als Ort verantwortlich. Am Lungwitzbach in Hermsdorf geht es leider nicht so schnell vorwärts. Dort hat die Landestalsperrenverwaltung die Regie und es ist vieles noch ungeklärt. Die Situation ist nicht zufriedenstellend. Es wurden schon so viele Gespräche geführt, aber es ist zu wenig passiert. Unser Arbeitskreis Hochwasserschutz bleibt aber dran. Diese Woche gibt es wieder einen Vorort-Termin.

...ähnlich schwierig ist es mit dem Breitbandausbau?

Ja, das macht uns noch Sorgen. Die Telekom hat offenbar auf einmal kein Interesse mehr am Ausbau im Ort. Für uns ist das nicht erklärbar. Ein schnelles Netz ist wichtig für Unternehmen, aber zum Beispiel auch für die Schüler und die gesamte jüngere Generation.

Als Sie 2012 Ihr Amt angetreten haben, hatte Bernsdorf etwa 2400 Einwohner, jetzt sind es reichlich 150 weniger. Macht Ihnen die Entwicklung Sorgen?

Die Tendenz ist ja im gesamten Landkreis so, aber es ist natürlich keine positive Entwicklung. Gegenzusteuern ist nur begrenzt möglich. Das Interesse am Leben auf dem Land ist aber da, denn es gibt viele junge Leute, auch von außerhalb, die zum Beispiel Interesse an unserem Wohngebiet haben. Wir haben sieben neue Grundstücke erschlossen. Außerdem konnten wir schon einigen Leuten helfen, wenn es um Ergänzungsflächen im Ort ging. Da fühle ich mich auch vom Landkreis gut unterstützt. In Zukunft muss es mehr darum gehen, ältere Objekte zu sanieren oder aber abzureißen, um an diesen Stellen neu zu bauen.

Wird genug für den ländlichen Raum getan?

Wir sind gut aufgestellt und profitieren ja jetzt auch von den jeweils 70.000 Euro, die der Freistaat 2018, 2019 und 2020 an die Kommunen zahlt. Das ist für uns schon ziemlich viel Geld. Die Leader-Förderung hilft ebenfalls. Natürlich gibt es auch Probleme. Wenn zum Beispiel die Sparkasse wegfällt oder Geschäfte schließen, gibt es schon Wünsche, dass die Bürgermeisterin etwas tut. Das ist aber schwierig. Von Bernsdorf ist derzeit per Linienbus zumindest noch alles einigermaßen erreichbar, was man braucht.

Bernsdorf hat einige landwirtschaftliche Betriebe. Gibt es jetzt größere Probleme wegen der Trockenheit?

Ich habe schon mit einigen gesprochen. Die Situation ist unterschiedlich. Das größte Problem ist, dass die Futtermittel nicht nachwachsen, das wird für manche Landwirte wirklich schwierig.

Das Landleben wirkt für viele etwas zu ruhig und langweilig. Was können Sie entgegnen?

Wir haben sehr aktive Vereine. Das Jugendblasorchester zieht viele an, auch aus anderen Orten. Der TSV Hermsdorf/Bernsdorf und der Faschingsklub haben auch sehr viele Angebote für Kinder und Jugendliche, da muss niemand Langeweile haben. Am 18. August gibt es ab 14.30 Uhr unser Dorf- und Vereinsfest an der Kultur- und Sporthalle in Bernsdorf, da präsentieren sich unsere Vereine und die Feuerwehr.

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