"Das Minus ist kein Grund zur Panik"

Kämmerin Ramona Stopp über den neuen Doppelhaushalt, 100.000 Zahlen und den Beitrag der Falschparker zum Haushaltsplan

Hohenstein-Ernstthal.

Kämmerin Ramona Stopp hat den Stadträten von Hohenstein-Ernstthal den Entwurf des Doppelhaushaltes für die Jahre 2019 und 2020 vorgestellt. In Hohenstein-Ernstthal ist es das erste Mal, dass der Finanzplan für zwei Jahre aufgestellt wird. Erik Kiwitter sprach mit der Kämmerin über die Eckdaten des Doppelhaushaltes.

Freie Presse: Frau Stopp, wie viele Zahlen stehen in dem Doppelhaushalt 2019/20?


Ramona Stopp: Das kann ich jetzt natürlich nur grob schätzen. Ich denke mal so um die 100.000.

Seit 1998 erarbeiten Sie als Kämmerin den Haushalt von Hohenstein-Ernstthal. Können Sie überhaupt noch Zahlen sehen?

Das muss ich ja. Aber Spaß beiseite: Ohne Haushalt geht es nun mal nicht. Damit Sie aber keinen falschen Eindruck bekommen: Der neue Doppelhaushalt ist genau so dick wir die bisherigen einfachen Jahreshaushalte, so um die 500 Seiten. Aber eine Seite hat nun sieben statt wie bisher sechs Spalten. Zu den Jahren 2019 und 2020 - je eine Spalte - werden die zurückliegenden Jahre 2017 und 2018 zum Vergleich herangezogen. Dann kommen die Prognosen für 2021, 2022 und 2023 dazu.

Warum hat Hohenstein-Ernstthal nun zum ersten Mal einen Doppelhaushalt erstellt?

In den vergangenen Jahren stand der Haushalt für das jeweilige laufende Jahr immer erst im Frühjahr. Wir hatten also eine relativ lange haushaltslose Zeit. Das ist ziemlich unpraktisch, weil viele Maßnahmen, die Geld kosten, vom Stadtrat extra beschlossen werden müssen. Der Doppelhaushalt, über den wir jetzt reden, kommt zwar auch erst im April zur Beschlussfassung in den Stadtrat, aber dafür haben wir dann auch schon einen bindenden Haushalt für 2020.

Ist ein Haushaltsplan nicht so eine Art Puzzle, nur dass die vielen Teile Zahlen sind?

Das ist ein guter Vergleich. Die Zahlen müssen zusammenpassen. Als Rahmen für das Puzzle dient im Grunde der Gesamtertrag, den die Kommune zur Verfügung hat.

Wie hoch ist der 2019 und 2020?

In diesem Jahr planen wir mit einem Ertrag, also Einnahmen zum Beispiel aus Steuern, Schlüsselzuweisungen und Zuschüssen, von 27 Millionen Euro. 2020 werden es 28 Millionen Euro sein.

Die Rathäuser bessern ihre Einnahmen gern auch mal durch fleißige Politessen auf ...

In Hohenstein-Ernstthal werden durch die Ahndung von Ordnungswidrigkeiten 30.000 Euro jährlich eingenommen. Stellen Sie diese Zahl mal einem Jahresertrag von 27 Millionen Euro gegenüber. Ich kann nur für unsere Stadt reden. Aber das Geld, das wir durch Knöllchen einnehmen, ist eigentlich fast zu vernachlässigen.

Den Erträgen stehen die Aufwendungen gegenüber, also Geld, das zum Beispiel für Werterhaltungsmaßnahmen oder Zuschüsse für Kitas ausgegeben werden muss. Wie hoch sind sie?

2019 liegen sie planmäßig bei 29 Millionen Euro. Im kommenden Jahr bei 30 Millionen. Wenn Sie diese Zahlen mit den Erträgen vergleichen, wird Ihnen auffallen, dass die Aufwendungen höher liegen als die Erträge. Das ist aber kein Grund zur Panik. Dieses Minus spielt sich zum Glück nur auf dem Papier ab und hängt mit den Abschreibungen und den damit verbundenen Wertverlusten zusammen.

Wie viel hat Hohenstein-Ernstthal auf der hohen Kante?

Im Moment haben wir sogenannte liquide Mittel in Höhe von 6,3 Millionen Euro. Vor zwei Jahren waren es 3 Millionen Euro. Der Vergleich täuscht aber. Wir haben inzwischen festangelegtes Geld wieder von den Festgeldkonten genommen. So sind diese Beträge jetzt wieder flüssig.

Was passiert mit dem Geld?

Das verwenden wir zum Beispiel für Investitionen. In dem geplanten Doppelhaushalt sind zum Beispiel 1,6 Millionen Euro für die Erschließung des Gewerbegebietes in Wüstenbrand eingeplant.

Die Stadt hat natürlich auch Verbindlichkeiten.

Ja, natürlich. Wir sagen Schulden aus Krediten dazu.

Wie haben die sich entwickelt?

2013 hatte Hohenstein-Ernstthal noch 6,3 Millionen Euro Schulden. Jetzt Anfang des Jahres lagen wir bei 4,3 Millionen. Und lassen Sie uns schon einmal in die Zukunft schauen. Bis 2023 sollen diese Schulden aus Krediten auf 2,3 Millionen Euro reduziert werden.

Wenn man die Stadt mit einem privaten Haushalt vergleichen würde. Zu welcher Schicht würde Hohenstein-Ernstthal gehören?

Mir gefällt der Begriff zwar nicht so ganz, aber ich würde sagen, unsere Stadt gehört zur Mittelschicht. Also, wir sind weder arm noch reich.

Wenn der Doppelhaushalt 2019/20 beschlossen wird, dann kann die Kämmerin doch zwei Jahre Urlaub machen?

Das wäre schön. Aber wir haben noch jede Menge mit der Aufarbeitung unserer Jahresabschlüsse zu tun. Und ich denke mal, ab Mai 2020 geht es an den nächsten Doppelhaushalt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...