"Das sind erschreckende Zahlen"

Annett Richter (CDU), die Ortsvorsteherin von Heinrichsort, über die massiven Geschwindigkeitsüberschreitungen im Ort

Heinrichsort.

Eines der größten Probleme im Ort sind die Autofahrer, die zu schnell auf der Prinz-Heinrich-Straße unterwegs sind. Die Zahl geht in die Tausende - in nur einigen Monaten. Erik Kiwitter sprach mit Annett Richter (CDU) über dieses Thema und andere Probleme in Heinrichsort. Annett Richter ist seit 2014 Ortsvorsteherin des Lichtensteiner Ortsteils.

Freie Presse: Es gibt viele Dauerbaustellen, auch im übertragenden Sinn. Eine davon ist der Verkehr auf der Prinz-Heinrich-Straße in Heinrichsort.

Annett Richter: Das können Sie laut sagen. Vor allen Dingen sind das die permanenten Geschwindigkeitsüberschreitungen auf dieser hochfrequentierten Staatsstraße, an der sich unter anderem ein Kindergarten und ein Altenheim befinden.

Über dieses Problem haben wir bereits vor einigen Jahren berichtet. Im Dezember des vergangenen Jahres wurden Teile der Straße zur Tempo-30-Zone. Da müsste doch jetzt dieses Problem geklärt sein?

Ist es aber nicht. Das Landratsamt hat jetzt Zahlen zu Geschwindigkeitsmessungen in diesem Bereich zur Verfügung gestellt. Und: Das sind erschreckende Zahlen.

Die Rede ist in dem Schreiben des Landratsamtes von Tausenden Geschwindigkeitsüberschreitungen ...

Ja, das ist richtig. In der Mitteilung der Landkreisverwaltung heißt es sinngemäß, dass, seit in Heinrichsort vor dem Seniorenheim im Dezember 2017 die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer begrenzt wurde, der dortige stationäre Blitzer nach den Messanlagen in Hirschfeld an der Auffahrt zur A 72 der mit den meisten festgestellten Geschwindigkeitsüberschreitungen in der Zuständigkeit des Landkreises Zwickau ist. Von Januar bis Juli dieses Jahres wurden dort sage und schreibe 4372 Geschwindigkeitsüberschreitungen gemeldet. Und das in einem kleinen Ort, nicht an irgendeiner Autobahn oder Bundesstraße. Das ist schon ein starkes Stück.

Aus der Information des Landratsamtes geht auch hervor, dass manche nicht nur 15 Sachen zu viel auf dem Tacho hatten.

Ja, das kommt ja noch erschwerend hinzu. 20 Personen haben einen Monat Fahrverbot erhalten. Das heißt, sie waren mindestens doppelt so schnell als eigentlich erlaubt.

Es gibt Leute, die sehen nicht ein, warum vor dem Seniorenheim eine 30-Zone ist, die auch nachts gilt.

Wissen Sie, es geht nicht nur um die Autofahrer. Es geht auch um den Lärmschutz und die Sicherheit der Menschen, die hier leben, egal zu welcher Uhrzeit.

Ein weiteres Problem ist im Moment der Ausbau von Sportplatzweg und Burgwaldweg, der ja grundsätzlich abgeschlossen ist. Wo drückt hier der Schuh?

In der nächsten Woche findet mit dem Ortschaftsrat eine Vor-Ort-Begehung zu dem Thema statt. Auf der einen Seite geht es um Baumängel, die bis Ende August behoben werden sollten, aber noch nicht behoben wurden. Dann geht es um die Park-Problematik auf dem Sportplatzweg. Die Straßenbreite reicht eigentlich nicht aus, um Parkplätze anzulegen. Hier soll ein Kompromiss in Form von zeitbegrenzten Parkplätzen gefunden werden. Auch der Festplatz soll als Parkzone eingerichtet werden.

2019 sind Kommunalwahlen. Sind Sie dabei?

Ja. Ich werde mich um ein Mandat im Ortschaftsrat, im Stadtrat und im Kreistag bewerben. Ich hoffe auf die nötigen Stimmen, damit vielleicht auch wieder frischer Wind in den Stadtrat kommt.

Sie haben auch die viel diskutierte Regierungserklärung von Michael Kretschmer, ihrem Parteichef, zum Thema Chemnitz gehört. Was sagen Sie dazu?

Ich teile seine Meinung nicht ganz. Natürlich war dort ein brauner Mob zu Gange. Da gibt es gar nichts schönzureden.

Wie empfinden Sie das politische Klima in Ihrem Umfeld?

Es ist zur Zeit nicht einfach. Ich habe einmal etwas von der Gruppe Kraftklub geteilt, weil mir das Lied "Ich komm aus Karl-Marx-Stadt" so gut gefällt. Ich bin ja auch eine "alte" Karl-Marx-Städterin. Daraufhin hat mich jemand aus der Facebook-Freundesliste gestrichen mit der Bemerkung, ich sei linksradikal. Das hat mich schon getroffen, aber ich lasse mir nicht meinen Musikgeschmack vorschreiben.

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