Der Chippendale unter den Hähnen

Die 25. Rassegeflügelschau in Langenchursdorf war eine Parade stolzer Hühner, Gänse und Enten. Ein klein wenig traurig ist schon, dass sich alle Teilnehmer einmal im Kochtopf wiederfinden werden. Auch der schönste.

Langenchursdorf.

Dieser Hahn ist eine große Nummer, das ist gar keine Frage. Die Henne im Nachbarkäfig wirft ab und zu einen verstohlenen Blick herüber und beobachtet, wie sich der muskulöse, große Zweibeiner bewegt, als stünde er auf einer Bühne.

Wir befinden uns in der großen Agrarhalle in Langenchursdorf. Sie war am Wochenende der größte Hühnerstall in der Region. Hier fand die 25. Rassegeflügelschau des Kreisverbandes statt. Insgesamt 675 Hühner, Gänse , Enten und auch Tauben zeigten sich den Besuchern und natürlich auch den Preisrichtern von ihrer besten Seite.

Der stolze Hahn, um den es hier geht, ist ein Super-Hahn. Er hat Idealmaße, wiegt vier Kilo und ist ungefähr einen halben Meter hoch. Einen Body-Mass-Index bei Hühnern gibt es wahrscheinlich nicht, aber wenn, wäre dieser Hahn vermutlich gut dabei. Er ist so etwas wie der Chippendale unter den Hähnen. Vermutlich ist der Vergleich etwas übertrieben, aber das Bild passt ganz gut. In jedem Fall sind Pracht-Exemplare wie dieser Brahma-Hahn - so nennt sich diese Rasse - ein Grund dafür, warum sich Geflügelschauen wie die in Langenchursdorf seit Jahren so großer Beliebtheit erfreuen. "Auch diesmal konnten wir an den beiden Ausstellungstagen wieder rund 500 Besucher begrüßen", freute sich am späten Sonntagnachmittag Steffen Neukirch. Er ist erst 31 und doch schon seit 13 Jahren Mitglied im Rassegeflügel- und Rassekaninchenzuchtverein Langenchursdorf, den es schon seit dem Jahre 1911 gibt. Neukirch hat die Jubiläumsausstellung des Vereins, die dem im September verstorbenen Vorsitzenden Ralf Nitzschke gewidmet war, mitorganisiert und sagt: "Natürlich haben wir es als Verein schwer. Fußballvereine bekommen eher mal ein paar neue Mitglieder geworben. Vor allen Dingen Kinder und Jugendliche. Bei uns sieht das anders aus." Gegenwärtig zählt der Verein 55 Mitglieder, der Altersdurchschnitt liegt bei über 60. Bei der letzten Ausstellung in Langenchursdorf vor zwei Jahren nahmen noch zehn sogenannte Jungaussteller teil. Diesmal waren es nur noch fünf.

Unserem Super-Hahn, der einem Züchter aus Wolkenburg gehört, ist das egal. Er genießt das Publikum in der Halle. Immer wieder bleiben die Besucher an seinem Käfig stehen. Die Experten aus der Geflügelzucht bestaunen seine Vorzüge. Dazu gehören die auffallende Brustfülle und der markante, gut entwickelte Kamm. "In der Fachsprache wird er dreireihiger Erbsenkamm genannt", erklärt Steffen Neukirch. Interessant bei unserem Hahn sind auch die gefiederten Beine, die aussehen wie graue Winterstiefel. Nur wenige Tiere bekommen bei so einer Schau von den Preisrichtern die mögliche Höchstpunktzahl von 97. Der Chippendale hat es natürlich geschafft.

Aber auch das bestaussehende Huhn wird einmal in Schönheit sterben. Zwar dient es für eine geraume Zeit der Zucht, aber dann schlägt sein Stündlein. Der Kassenwart des Vereins, Jürgen Lindner (72), sagt: "Ja, die meisten werden natürlich gegessen. Aber das liegt nun einmal in der Natur."

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