Der Mann für jeden Anlass

Da ist Musik drin - Westsachsen wie es singt und klingt. Heute: Der Rentner Eberhard Sauer ist nebenamtlich Organist - ein Amt, das er von seinem Sohn übernahm.

Glauchau.

Applaus ist das Brot des Künstlers. Das Zitat des Aphoristikers Johannes Gross gilt besonders für Musiker, die gerade live für ein Publikum gespielt haben - ob im Symphonieorchester, in der Kneipe oder in der Musikschule. In der Kirche hört es auf. Zumindest da, wo Eberhardt Sauer spielt. Der 74-Jährige ist nebenamtlicher Organist für die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde in Glauchau. Er begleitet Gottesdienste, Beerdigungen, Hochzeiten, Taufen. Veranstaltungen also, in denen sein Können an der Orgel immer gefragt ist, aber nie im Mittelpunkt steht.

Sauer ist kein Profi-Musiker. Im Schüleralter hat er mit Klavier begonnen. "Aber das ist immer ein Hobby geblieben", sagt er. Dass er im fortgeschrittenen Alter noch mal Orgelspieler wird, daran ist auch ein wenig sein Sohn Hartmut Schuld. Der heutige Konzertpianist spielte einst als Jugendlicher Orgel für die Gemeinde, bis er auf die Musikspezialschule nach Dresden ging. "Er hat früh mit der Musik angefangen und sehr viel Talent", sagt Vater Eberhardt mit einigem Stolz. Doch nach dem Umzug des Sohnes fehlte der Kirchgemeinde auch ein Organist. "Also habe ich das dann übernommen", erzählt Sauer. Die Aufgabe wurde vom Sohn zum Vater übergeben, inklusive einiger fachlicher Einweisung.

Doch das war Eberhardt Sauer nicht genug. Er begann Unterricht bei Kirchenmusikdirektor Guido Schmiedel zu nehmen und holte sogar seine Prüfung zum D-Kantor nach. Die Landeskirchen in Deutschland organisieren die kirchenmusikalische Ausbildung von der D- bis zur A-Prüfung. "Bevor ich anfangen konnte, musste sich Guido Schmiedel erst informieren, ob das in meinem Alter noch möglich ist."

An der Orgel in der kleinen Lutherkirche in Glauchau kann der studierte Physiker Sauer so einiges über die Königin der Instrumente erzählen. "Jede Orgel funktioniert anders. Die in Wernsdorf etwa hat ein ganz anderes Pedalwerk", sagt er. In der Praxis ist das für ihn eine Herausforderung. In der Mitte der Woche erhält er von den zuständigen Pfarrern zwei Seiten mit den bevorstehenden Stücken für den nächsten Gottesdienst. "Zuhause probiere ich dann einiges auf dem Klavier, aber um die Übung an der Orgel im Kirchengebäude komme ich nicht umhin." Denn auch wenn er bei den Gottesdiensten nicht im Fokus steht - gut gespielt soll alles trotzdem sein. Der mangelnde Applaus stört ihn nicht. "Damit habe ich kein Problem." Etwas anderes vermisst er allerdings gelegentlich. "Ein Danke wäre nett. Von den Pfarrern kommt das meist, aber bei manchen Hochzeiten oder anderen Anlässen vermisst man es." Das stört ihn ein wenig. "Manche meinen, das wird schon alles gemacht."

Im Frühjahr musste sich Sauer einer Augen-Operation unterziehen. Erst seit Anfang August ist er wieder als Organist im Einsatz. "Ganz so gut wie früher funktioniert es mit der Sehkraft ehrlich gesagt nicht mehr." Gerade beim Notenlesen ist er auf seine Augen angewiesen. "Vielleicht trete ich ein wenig kürzer, aber so lange es geht, werde ich weiter Orgel spielen." Ob mit oder ohne Applaus.


Sechs Fragen an Eberhardt Sauer

Was hören Sie am liebsten?

Klavierkonzerte.

Welchen Musiker würden Sie gerne wiederbeleben?

Beethoven.

Was war Ihr schlimmstes Vorspiel?

Während eines Gottesdienstes, den ich begleitet habe, bin ich aus dem Spiel gekommen. So sehr, dass ich einige Zeit gebraucht habe. Ich habe dann mit Improvisieren angefangen, um wieder reinzukommen.

Welche Musik würden Sie verbieten?

Ich kann zumindest mit Pop nicht viel anfangen. Und auch Sprechgesang wie beim Hip-Hop ist nicht so meins.

Wie lange hält bei Ihnen ein Ohrwurm?

Lange. Vor allem, wenn ich gerade ein neues Stück auf der Orgel einspiele. Das bleibt dann meistens schon eine Weile hängen.

Dirigieren Sie vor der Stereo anlage?

Nein.

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