Der nächste Laden schließt für immer

Nach 14 Jahren heißt es Abschied nehmen vom Fanshop in Lichtenstein. Auch für die Innenstadt ist es ein weiterer Rückschlag.

Lichtenstein.

Egal ob CFC-Himmelblau, Aue-Violett, Dortmund-Gelb oder Bayern-Rot: In Jens Lepskis kleinem Fangeschäft am Lichtensteiner Altmarkt hängen all diese Farben beieinander. "Wir haben hier für jeden etwas", sagt der 54-jährige Ladeninhaber. Wo bitte sollte beispielsweise der in Aue beheimatete Dortmund-Fan sein Trikot herbekommen? "In Aue gibt es nur Aue", glaubt Lepski. Die beste Adresse in der Region sei daher bislang der Fanshop Lichtenstein gewesen.

Doch nicht mehr lange, denn am 24. Dezember soll der Laden mit der kunterbunten Schaufensterauslage für immer dicht machen. "Hier in der Innenstadt schließt doch ein Geschäft nach dem anderen", klagt Lepski. Nun hat auch er genug. Der Ladeninhaber kann sich noch an 2016 erinnern, als ein benachbartes Spielwarengeschäft zugemacht hatte. "Jeder, der aus der Innenstadt kam und dorthin wollte, musste mindestens zweimal auch an meinem Laden vorbei", erinnert sich Lepski. Auch ihm habe das einen Haufen neuer Kundschaft eingebracht.

Ein Rundblick vom nahegelegenen Parkplatz offenbart das Problem auf dem Altmarkt. Viele Ladenflächen stehen leer, Mietergesuche prangen an leeren Schaufensterfassaden. Je weniger Geschäfte da sind, desto weniger Leute gehen auch in die Lichtensteiner Innenstadt zum Einkaufen - eine Abwärtsspirale.

Dabei hatte Jens Lepski einen Traumstart hingelegt, als er vor 14Jahren seinen Fanshop eröffnete. 25 Jahre zuvor hatte er Fenster gebaut, in St. Egidien, später dann in Bayern. "Das ging aber irgendwann auf die Knochen." Dann beschloss er damals mit Anfang 40, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Über den Weg in die Selbstständigkeit habe er sich im Alleingang informiert. Die Liebe zum Fußball impften ihm Verwandte aus Stuttgart ein. "Mit der Post schickten die immer Fanartikel." Noch vor der Wende besuchte Lepski ein Spiel der Schwaben in Dresden und ist bis heute Fan des VfB Stuttgart.

Die Idee, Artikel von unterschiedlichen Vereinen und Sportarten in einem Laden anzubieten, schaute sich Lepski von einem befreundeten Fanshop in Döbeln ab. Auch in Lichtenstein ging das Konzept lange auf. Am besten liefen Artikel von Bayern München und Borussia Dortmund, erst danach folgten Erzgebirge Aue und der FSV Zwickau. Mit der WM im Jahr 2006 rollte der Rubel dann so richtig. Nach einer Nieren-OP im Lichtensteiner Krankenhaus rieten Ärzte dem erfolgreichen Geschäftsmann einst, eine Ruhepause einzulegen. Doch zwei Tage später stand Lepski bereits wieder hinter der Ladentheke. "Nichts macht schneller gesund als das Geräusch klingelnder Kassen."

Viel ist davon nicht geblieben. Die Einnahmen reichten zuletzt nicht mal mehr zum Leben. Lepski ist auf Nebeneinkünfte angewiesen. Nach der Schließung des Ladens überlegt er, wieder Fenster zu bauen, trotz des Rückens. Im Ausverkauf möchte er die Fan-Artikel im Laden noch bis Dezember abstoßen.

Für den Niedergang des Geschäftes seit etwa 2010 möchte Lepski zunächst niemandem die Schuld geben. Sicher kauften die Leute heute vermehrt im Internet oder auch direkt bei den Vereinen. "Aber gerade der direkte Kontakt und das Fachsimpeln mit den Fans vor Ort machen das Besondere an so einem kleinen Geschäft aus." Auch die Oma würde keinen Fanartikel für ihren Enkel im Internet bestellen. Eine Forderung hat Lepski aber doch: "Leute, geht einkaufen in eurer Innenstadt, damit sie nicht noch weiter ausstirbt."

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...