Die Herrin des Riesenrades

Dieses Jahr gibt es für die Besucher des Oberlungwitzer Strumpffestes ein besonderes Highlight. Mit Höhenrekorden wartet es nicht auf - dafür mit einem anderen Vorteil.

Oberlungwitz.

Zehn Gondeln, 300 Schrauben, 16 Meter hoch, Durchmesser zehn Meter. Das sind die Eckdaten des Riesenrades, das seit Mittwoch auf der Festwiese des Oberlungwitzer Strumpf- und Vereinsfestes steht. Damit ist es ein Zwerg im Vergleich zu seinen großen Verwandten. Doch dafür bietet es einen entscheidenden Vorteil.

Ab Freitag beim Strumpf- und Vereinsfest in Oberlungwitz in Betrieb sein. Trotz Regen und Kälte haben Anja Bretschneider und ihre Mannschaft die "Russische Schaukel" aufgebaut, wie die Konstruktion aus Holz korrekterweise heißt. Der 44-jährigen Antje Bretschneider gehört das Rad. Beim Aufbau zugegriffen haben auch Mutter Ilona, Sohn Philip und Mann Mario Gleixner. Jeder Handgriff sitzt - schließlich bauen tun sie das, was sie da tun, elf Mal im Jahr, und zwar seit vielen Jahren.


Das Rad hat einige Jahre auf dem Buckel. 1930 wurde es gebaut, zum Familienbesitz gehört es seit 1957 -die Bretschneiders sind Schausteller, und das seit Ende des 19. Jahrhunderts. Nach dem Tod ihres Vaters 2005 übernahm Antje Bretschneider den Betrieb, zusammen mit Mutter Ilona. Seitdem sind sie die Herrinnen des Rades und kümmern sich liebevoll um das Familieneigentum.

Mit einer Grundfläche von rund 55 Quadratmetern benötigen die Helfer bei den Aufbauarbeiten eine große Fläche. "Es gab schon Orte, da waren wir ziemlich eingeengt beim Aufbau. Hier in Oberlungwitz haben wir genügend Platz", sagte Antje Bretschneider. Ein besonderer Höhepunkt beim Aufbau: Ein Kran muss die 600 kg schwere Welle in die Höhe heben, damit die Hilfskräfte sie am Rest des Rahmens befestigen können. Mutter Ilona ist während des Aufbaus dafür zuständig, das Gestell immer wieder mit Fett einzureiben, damit ein Verschleiß der verschiedenen Bauteile vermieden werden kann. Mitten im Aufbaustress erinnert sie sich: "Als mich mein alter Klassenlehrer zu einem Klassentreffen fragte, woher ich denn bitte ein Riesenrad hätte, antwortete ich trocken: hab ich geerbt."

Doch eine typische Schaustellerfamilie sind sie nicht. Mit dem Wohnwagen von Station zu Station reisen? Fehlanzeige. "Wir fahren jeden Abend nach Hause zurück.", erklärt Antje Bretschneider. Um ihren Kindern einen ständigen Schulwechsel zu ersparen, entschieden die 44-Jährige und ihr Mann, sesshaft zu bleiben. Mario Gleixner kommt zudem nicht aus der Branche - er ist Versicherungsvertreter in Oelsnitz/E. und hat dort sein Büro. Deshalb bleibt das Rad auch in der Region, unter anderem gastiert es in Zschopau, und beim Weihnachtsmarkt in Chemnitz.

Um das zwei Tonnen schwere Rad betreiben zu dürfen, muss es der Tüv alle zwei Jahre auf Standfestigkeit, Technik und vieles mehr überprüfen. Sind alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen, können Fahrgäste in luftiger Höhe die Fahrt genießen. Die Frage, wie schnell man im Riesenrad unterwegs ist, beantwortete Antje Bretschneider mit einer kleinen Rechenaufgabe: "Hmm, es schafft sieben Umdrehungen in der Minute." Bei einem Durchmesser von zehn Metern sind das ein bisschen mehr als 13 Kilometer die Stunde. Klingt nicht schnell - ist aber viel schneller, als sich die großen Verwandten drehen. Das ist Absicht. Antje Bretschneider schmunzelt. "Wir wollen ein Kribbeln im Bauch der Gäste erzeugen."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...