Die Mondlandung im Westfernsehen

Als Neil Armstrong vor genau 50 Jahren als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte, saß ein Hohenstein-Ernstthaler mit dem Fotoapparat vor seinem Schwarz-Weiß-Fernseher. Er schildert seine Erinnerungen.

Hohenstein-Ernstthal.

500 Millionen Menschen haben 1969 die erste Mondlandung verfolgt. Die NASA-Mission war eine Sensation, die auch viele Hohenstein-Ernstthaler am Fernseher wie ein spannender Krimi verfolgt haben. Dabei gab es einen Haken. Das Ganze ereignete sich kurz vor 4 Uhr am Morgen. Zu dem Zeitpunkt flimmerte im DDR-Fernsehen das Testbild. Wer also das Spektakel miterleben wollte, musste aufs unerwünschte Westfernsehen umschalten.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sich die Landefähre löste. Fernsehreporter vertrösteten die Zuschauer, bis endlich die Landefläche zu sehen war. Steile Krater zwangen Kommandant Neil Armstrong dazu, per Hand auf ebenes Gelände zu steuern. Am 20. Juli, 21.17 Uhr MEZ, hieß es an Bord der Landefähre "Adler", die Steuerung der Fähre sei "deaktiviert, die Lageregelungsdüsen sind abgeschaltet." Kurz darauf ging der Funkspruch durch den Äther: "Houston, Tranquility Base here. The eagle has landed." Die Landung im Meer der Ruhe war geglückt.


Dann war vorm Fernsehgerät viel Geduld gefragt. Die Astronauten legten die Raumanzüge an. Sechs Stunden später erfolgte die Liveübertragung des Ausstiegs. 3:56:20 Uhr setzte Armstrong den Fuß auf die Mondoberfläche. Ich hockte genau um diese Zeit mit meiner Werra-Kamera auf dem Stativ vor der Bildröhre und drückte auf den Auslöser. Kurz nach Armstrong entstieg auch Buzz Aldrin der Fähre. Gut zweieinhalb Stunden dauerte ihr Mondausflug. Die Welt feierte diese gelungene erste Mondlandung. Bei den folgenden Apollomissionen verblasste das öffentliche Interesse bis hin zu Apollo 17 im Jahr 1972. 400.000 Menschen waren in jenen Jahren in das Apolloprojekt involviert. Zwölf Astronauten insgesamt, alles Männer, hatten den Mond betreten. Die drei Astronauten von Apollo 11 wurden wie Helden gefeiert. Armstrong, der 2012 verstarb, habe sich, so seine Söhne, nicht als "amerikanischer Held" gefühlt.

Jahre vor Apollo 11 hatten bereits spektakuläre Weltraumereignisse die Hohenstein-Ernstthaler in ihren Bann gezogen. Am 4. Oktober 1957 startete der erste sowjetische Sputnik und sandte über eine gewisse Zeit Signale zur Erde. Das war für die Amerikaner ein Schock, die Russen hatten Ende der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre in der Raumfahrt die Nase vorn. Es folgten Sputnik 2 mit der Hündin Laika an Bord und Sputnik 3. In den Zeitungen wurden laufend die Überflugzeiten über das DDR-Gebiet veröffentlicht. Die Menschen standen in den Abend- und Nachtstunden auch in Hohenstein-Ernstthal auf den Straßen, versuchten die künstlichen Flugkörper zu entdecken und ihre Lichtpunkte am Himmel zu verfolgen.

Der große Knaller war natürlich der erste Raumflug eines Menschen, der mit Juri Gagarin mit 88 Minuten Flugzeit über die Bühne ging. Präsident Kennedy gratulierte Nikita Chruschtschow zu diesem Erfolg, aber im Inneren dürfte er gekocht haben, dass die USA wieder hinterherhinkten. Das sollte sich ändern. Noch im gleichen Jahr verkündete er, dass die NASA sich auf einen Flug zum Mond vorbereiten wird. Im Juli 1969 war es dann soweit, sie gelang tatsächlich, die bemannte Mondmission - mit einem enormen Kraftakt. Kennedy konnte das nicht mehr erleben, er wurde im November 1963 bei einem Attentat in Dallas/Texas ermordet.

Der Wettkampf im Weltraum zwischen den USA und der Sowjetunion nahm die nächsten Jahrzehnte seinen Lauf. 1963 flog mit der Russin Valentina Tereschkowa die erste Frau ins All. Im selben Jahr besuchte sie mit Juri Gagarin, teils auf getrennten Routen, die DDR. Im Spätherbst 1963 kam sie nahe an Hohenstein-Ernstthal vorbei. An der ehemaligen Autobahnabfahrt fuhr ihr Konvoi auf den alten Sachsenring. Ein Kleinflugzeug mit einem Spruchband im Schlepptau kreiste über ihrer Route: "Wir grüßen Valja!" war am Himmel zu lesen. Ein bisschen staatlich verordneter Jubel musste damals natürlich sein. Jungpioniere und FDJler durften ihnen landauf, landab am Straßenrand zuwinken.

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