Dieser Händler glaubt an den Lichtensteiner Altmarkt

Obwohl an dem Standort viele Ladenflächen leer stehen, zog es Dirk Uhlmann vor vier Monaten vom erzgebirgischen Oelsnitz dorthin. Offenbar eine gute Entscheidung.

Lichtenstein.

Der Lichtensteiner Altmarkt genießt bei Händlern nicht den besten Ruf. Wie in vielen kleinstädtischen Zentren stehen Ladenflächen leer. Der Ratskeller etwa hat seit langem zu, das Spielzeugmuseum ist dicht, und auch ein Fanshop, den es hier seit der Wende gibt, wird zu Weihnachten für immer seine Pforten schließen.

Den Entschluss von Dirk Uhlmann, mit seinem Schreibwaren-und Büromöbelgeschäft von Oelsnitz/E. ausgerechnet hierher zu ziehen, könnte man daher durchaus als mutig bezeichnen. Das sahen offenbar auch die Mitglieder des Lichtensteiner Stadtrates so. Als der 48-Jährige Anfang August seinen Laden eröffnete, seien Vertreter aller Fraktionen mit Blumen vorbeigekommen. "Schön, dass hier endlich mal wieder was aufmacht", hätten sich auch viele Kunden gefreut. Das ist nun vier Monate her.

Um das Geschäft zum Schulanfang mitzunehmen, hatte Uhlmann diesen Einzugstermin gewählt. Und der Ladenbesitzer möchte nicht klagen. Den Spruch "Das Zentrum stirbt aus" kann er eigentlich auch nicht mehr hören. Vorrangig sei es Aufgabe der Händler, sich darum zu kümmern, dass die Läden laufen, sagt er. Dann könne auch eine angeschlagene Innenstadt wieder zu einem echten Anziehungspunkt werden. "Das ist nicht Sache der Stadtverwaltung", ist sich der Geschäftsmann sicher. Das Lichtensteiner Rathaus lobt er dennoch -für die Entscheidung, das Parken auf dem Altmarkt eine halbe Stunde lang kostenlos zu machen. "Das macht viel aus. In der Zeit können die Leute locker drei Läden besuchen."

Natürlich sei es wichtig, dass Händler vor Ort an einem Strang ziehen. Dass geschehe am besten, indem man etwa in der Mittagspause beim Nachbarbäcker oder -fleischer vorbeischaut statt Essen zu bestellen. "Wann war ich selber wirklich das letzte Mal in der Innenstadt einkaufen? Das sollten sich auch Ladeninhaber fragen", so Uhlmann. Die Zusammenarbeit in Gewerbevereinen hält er hingegen für überschätzt: "Das war so ein 90er-Jahre- Ding." Abends rumsitzen und schlaue Reden schwingen, bringe meist wenig.

Uhlmann selbst hatte in seiner Zeit als Ladeninhaber meist wenig freie Spitzen für die Arbeit im Verein. Besonders heute gelte: "Alle sind so sehr in ihrer Arbeit gefangen." Sein Fazit: "Die Zeit der Gewerbevereine ist vorbei."

Dass ein Teil von Uhlmanns Geschäft nicht vom Standort abhängt, ist natürlich von Vorteil. Das Büromöbelgeschäft ist nicht zwangsläufig auf Laufkunden angewiesen und funktionierte auch in Oelsnitz. Doch genau hier kommt der Lokalpatriotismus ins Spiel. Da Uhlmann gebürtiger Lichtensteiner ist, wollte er gerade an den Altmarkt ziehen. Die Laufkundschaft, die im Oelsnitzer Gewerbegebiet zumeist fernblieb, hätte man sonst auch in einer anderen Stadt gewinnen können. Eben diese Kunden stützen derzeit das Schreibwarengeschäft im vorderen Teil des Ladens, besonders zur Weihnachtszeit.

Dennoch sei es ratsam, sich vielfältige Geschäftsfelder aufzubauen, die nicht alle auf direkte Laufkundschaft angewiesen sind, glaubt Uhlmann. Beim Fleischer gegenüber lobt er beispielsweise das Liefergeschäft mit Delikatessen. Und ein Buchladen versorgt auch umliegende Schulen mit Lehrbüchern.

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