Dritte Karriere: Schuhverkäuferin wechselt in den Pflegeberuf

In ihrem kleinen Laden läuft der Räumungsverkauf, für Sylke Koschnick ist der zweite Neuanfang aber schon getan.

Oberlungwitz.

Fast genau 30 Jahre ist es her, dass Sylke Koschnick ihren kleinen Schuhladen im eigenen Haus in Oberlungwitz aufmachte. Zuvor war sie in der Materialwirtschaft tätig, doch in der wilden Wendezeit war klar, dass eine Neuorientierung der bessere Weg sein dürfte. Doch nun endet er. "Es war schon einige Zeit eher ein Hobby", erzählt die 55-Jährige, die auch einen familiären Bezug zum Thema Schuhe hat. Denn ihr Vater war als Orthopädieschuhmacher tätig.

Viel abgeworfen hat der kleine Laden zuletzt nicht mehr. Die Zahl der Kunden, die immer älter wurden, sei kontinuierlich zurückgegangen. Jüngere Leute kommen selten, weil sie eine größere Auswahl wollen oder im Internet einkaufen. "Zu Glanzzeiten hatte ich bestimmt 300 Stammkunden. Es hat Spaß gemacht, auch dank er guten Zusammenarbeit mit Großhändlern", sagt die Oberlungwitzerin, die ihr Kunden gut kannte und wusste, was sie wünschten. Auf rund 35 Quadratmetern Ladenfläche konnte laut Sylke Koschnick erstaunlich viel untergebracht werden, doch mittlerweile ist es schon leerer geworden. Nun steht im November der Ausverkauf an, denn zum Jahresende soll Schluss sein. Einige Formalitäten, Bürokratie und Herausforderungen mit dem Finanzamt dürften noch zu meistern sein. Sie sind auch das, was Sylke Koschnick in ihrer Zeit als Geschäftsfrau stets als besonders anstrengend empfand.

Mit 55 Jahren hat sie bis zum Ruhestand noch Zeit. Über ihren weiteren beruflichen Weg macht sie sich aber keine Sorgen, denn seit mittlerweile rund fünf Jahren ist sie auch im Bereich Altenpflege tätig. Im Juni wechselte sie in die Wohngemeinschaft des Pflegedienstes Sonnenschein in Hohenstein-Ernstthal an der Antonstraße, nachdem sie zuvor im Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt in Oberlungwitz tätig war. "Ich wollte keinen Bürojob. Mir ist die Arbeit mit Menschen wichtig", betont Sylke Koschnick. Sie ist gern praktisch aktiv und hat sich in die Tätigkeit als Pflegehelfer gut eingearbeitet. Verschiedene Lehrgänge sorgten für das nötige praktische und theoretische Wissen. Mittlerweile ist die Oberlungwitzerin im Dreischichtsystem tätig und kann aufgrund der überall angespannten Personalsituation im Pflegebereich wahrscheinlich auch in Zukunft über mangelnde Arbeit nicht klagen. Eine Ausbildung zur Pflegefachkraft will sie aber nicht mehr absolvieren. Quereinsteiger gibt es in der Branche regelmäßig. "Da haben wir einige und haben sehr gute Erfahrungen mit ihnen gemacht", sagt Marcus Rabe, Geschäftsführer des Pflegedienstes Sonnenschein, der in Lichtenstein ansässig ist. Glücklich mit dem neuen Arbeitgeber ist auch Silke Koschnick, sodass ihr der Blick in die Zukunft keine Sorgen bereitet. Mit dem Ausverkauf im Schuhladen, bei dem es Rabatte bis 50 Prozent geben soll, will sie nun noch ein Strich unter dieses Kapitel machen. Geöffnet ist das kleine Geschäft an der Nutzung 26 in Oberlungwitz in den kommenden beiden Wochen jeweils montags und dienstags, sowie am 19. November von 9 bis 17 Uhr.

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