Drogenprozess am Amtsgericht: Wer steckt hinter Jack O'Neill?

Große Mengen Crystal gelangten im Sommer 2016 durch Drogenkuriere in die Karl-May-Stadt. Sie sind inzwischen verurteilt, ihr vermeintlicher Auftraggeber noch nicht.

Hohenstein-Ernstthal.

Sommer 2016. Im Bereich des Hohenstein-Ernstthaler Sportzentrums am Schützenhaus wechseln Tütchen mit Crystal die Besitzer. Die Drogen stammen vom Vietnamesenmarkt in Potůčky. Die Drogenkuriere, ein Mann und sein Sohn, kommen aus Hohenstein-Ernstthal. Der mutmaßliche Auftraggeber auch. Doch ist der Mann, der auf der Anklagebank sitzt, tatsächlich der Auftraggeber, Deckname Jack O'Neill? "Von der Identität dieses O'Neill hängt der gesamte Prozess ab", sagt Richter Manfred Weber.

Der Angeklagte versichert, er habe mit der ganzen Sache nichts zu tun. Die Männer aus Hohenstein-Ernstthal, die damals als Kuriere fungierten, wollen in ihm nicht besagten O'Neill erkennen. Die beiden sind inzwischen vom Amtsgericht Chemnitz rechtskräftig verurteilt. Der Vater bekam ein Jahr und zehn Monate, der Sohn zwei Jahre, beide auf Bewährung. Diesmal saßen sie nicht auf der Anklagebank, sondern im Zeugenstand.

Sascha Aurich

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Im Juli 2016 hatten sie bei zwei Touren je vier Gramm Crystal vom Markt in Tschechien mitgebracht. Danach wurden sie schon mutiger. Am 3. August schmuggelten sie bereits zehn Gramm über die Grenze, am 11. August lotsten sie 13 Gramm im Marktwert von 420 Euro am Zoll vorbei. Die Mengen wuchsen weiter. Beim übernächsten Transport am 16. August brachten sie laut Anklageschrift sogar 20 Gramm mit. Doch ein Transport flog auf. Ein Zollbeamter erinnert sich: "In der Handtasche der jungen Frau auf der Rücksitzbank des BMW fanden wir sieben Gramm Marihuana." In einem Etui unterm Fahrersitz entdeckten sie zwölf Gramm Crystal, in einem Brillenetui in der Türablage weitere zehn Gramm des Methamphetamins. Insgesamt Mengen, mit denen man viele junge Menschen in die Abhängigkeit treiben kann. Der Angeklagte soll selbst an minderjährige Drogen verkauft haben. Mindestens einen Fall bestätigte eine Zeugin, die derzeit in Bad Blankenburg eine Langzeittherapie absolviert. Ob der Angeklagte auch besagter Jack O'Neill ist, konnte sie nicht sagen. Eine andere Zeugin, die bei einem Drogentransport mit im Auto saß und später mit einer milden Strafe davon kam, war davon jedoch überzeugt. Aber auch sie hatte es nur "irgendwie mitbekommen".

Dass der Angeklagte der große Zampano sein soll, ist zunächst schwer vorstellbar. Der 38-Jährige ist arbeitslos, leidet unter ADHS, außerdem führt ein Betreuer die Geldangelegenheiten des Mannes. "Wo soll er denn das Geld hergehabt haben, um die Drogen einzukaufen?" fragt sein Verteidiger, Rechtsanwalt Dirk Noack.

Ein Fakt belastet den Angeklagten allerdings. Im Chatverlauf zwischen Auftraggeber O'Neill und dem Kurier taucht bei Facebook das Profilbild von Jack O'Neill auf. Und das ist der Angeklagte. Jetzt muss der Zollbeamte, der damals das Foto gesichert hat, in den Zeugenstand.

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