Dubiose Kreditgeschäfte: Sedner hält sich für komplett unschuldig

Gegen den Lichtensteiner Altbürgermeister wird wegen Untreue ermittelt. Am positiven Ausgang des Verfahrens hat er keine Zweifel. Und teilt gegen die Klägerin aus.

Lichtenstein.

Wolfgang Sedner gibt sich selbstbewusst. Die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen des Vorwurfs der Untreue im Zusammenhang mit Geldgeschäften zwischen der Stadt Lichtenstein und dem Zweckverband Gewerbegebiete "Am Auersberg/Achat", dessen Vorsitzender er lange war, wegen Verjährung in sechs Fällen eingestellt. Nun drängt der Lichtensteiner CDU-Altbürgermeister an die Öffentlichkeit. "Ich bin überzeugt, dass es auch ohne Verjährung zur Verfahrenseinstellung gekommen wäre", erklärt er in einem offenen Brief. Zu dessen Adressaten gehören Mitglieder der im Stadtrat vertretenen Parteien.

Ebenso sicher ist sich Sedner demnach auch, dass ein derzeit noch laufendes Ermittlungsverfahren gegen ihn positiv enden wird. Auch da lautet der Vorwurf auf Untreue. Es geht um eine vom Zweckverband auf Sedners Weisung hin 2014 an Lichtenstein zurückgezahlte Verbandsumlage von mehr als 447.000Euro - und zwar ohne dass ein Erstattungsbescheid erlassen worden war. Anzeige erstattet hatte, wie auch in den mittlerweile eingestellten Fällen, die Gemeinde St. Egidien. Die hegt Zweifel, ob ursprünglich durch Lichtenstein aufgenommene und später dem Verband übertragene Darlehen - für deren Zinsen und Tilgung auch das Dorf aufkommen muss - tatsächlich allein für Investitionen im Verbandsgebiet verwendet wurden.

Sedner teilt jetzt öffentlich gegen die Klägerin aus: "Die Zwistigkeiten im Zweckverband gehen ganz eindeutig auf das Konto der Gemeinde St. Egidien." Alle Behauptungen, Kredite des Zweckverbands seien der Stadt zugute gekommen, bezeichnet er als falsch. Und geht noch weiter: Unter keinen Umständen werde nachweisbar sein, dass auf die Stadt Lichtenstein fast 15 Millionen Euro als Forderung des Zweckverbandes zukommen könnten. Von einer solchen Summe ist in einem Prüfbericht der Landesdirektion die Rede. Die Behörde hatte dessen Kreditverbindlichkeiten unter die Lupe genommen. Nach "Freie Presse" vorliegenden Informationen gibt es darin sehr wohl Hinweise, dass Millionenbeträge aus Krediten des Zweckverbands an die Stadt "umgeleitet" worden sein könnten - unter anderem auch zur Erschließung der Albert-Schweitzer-Siedlung. Allerdings hält die Landesdirektion jenen Prüfbericht bisher unter Verschluss.

Diese Geheimniskrämerei macht es auch den Lichtensteiner Parteienvertretern nicht leicht, Sedners Auffassung zu den "unredlichen Anschuldigungen aus St. Egidien" zu bewerten. Richtig Vertrauen genießt der Ex-Bürgermeister bei der Linkspartei. "Wir haben keinen Grund, ihm nicht zu glauben", sagt Fraktionschefin Ute Hoch. Allenfalls seien in jenen Jahren, als es "drunter und drüber" ging, ein paar Formfehler passiert. Ganz so unkritisch ist man bei der SPD nicht. Freilich habe Sedner Verdienste, das stehe außer Frage, so Frontmann Matthias Stiegler. Aber dass einige Vorwürfe verjährt sind, heiße ja nicht, dass er unschuldig sei. Jetzt gegen St. Egidien nachzukarten, trage jedenfalls nicht zur Verbesserung des Verhältnisses zwischen beiden Orten bei. Das sieht auch Georg Süß von den Freien Wählern so. "Uns sind alle Aktivitäten willkommen, die wieder zu einer guten Zusammenarbeit beider Kommunen führen", sagt er. Annett Richter, CDU-Ortsvorsteherin in Heinrichsort, glaubt nicht, dass Sedner "Dreck am Stecken" hat. Da hätte man ihm sicher viel eher auf die Finger gehauen. In der Pflicht sieht sie deshalb die Kommunalaufsicht im Landratsamt. "Die hätte die Sache mit den Krediten längst klären können. Aber die äußert sich nicht."

Das könnte daran liegen, dass die Behörde selbst in der Bredouille sitzt. Im Prüfbericht der Landesdirektion nämlich soll es Hinweise darauf geben, dass zumindest einige der umstrittenen Geldgeschäfte rechtswidrig genehmigt wurden.

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