E-Auto-Batterien: Wer ist mit dabei?

Bayern wirbt mit Oberfranken als Standort für die Batteriezellfertigung von Tesla. Wie würde sich das auf Westsachsen auswirken - und gibt es hier eigene Pläne?

Zwickau.

Tesla-Chef Elon Musk will Batterie- und Autofabriken in Asien und Europa hochziehen. Deutschland spielt dabei eine wichtige Rolle. "Deutschland ist eine bevorzugte Wahl für Europa. Vielleicht an der deutsch-französischen Grenze macht Sinn, in der Nähe der Benelux-Länder", twitterte Musk im Juni. Das Saarland, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zeigten daraufhin Interesse. Auch Bayern hat sich öffentlich ins Gespräch gebracht. Als möglichen Sitz nannte Landeswirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (CSU) in der "Süddeutschen Zeitung" die Region Hof in Nordostbayern - keine 80 Kilometer von Zwickau entfernt. Es gebe bereits Kontakte, "der Freistaat bietet für eine Ansiedlung exzellente Voraussetzungen".

Was das für die Autoregionen Vogtland und Westsachsen bedeuten würde, sehen Fachleute unterschiedlich. Andreas Wächtler, Netzwerkmanager bei der Automobilzulieferinitiative AMZ, hätte deswegen allerdings keine großen Bauchschmerzen: "Solch ein Werk würde uns nicht umschmeißen." Zwickau habe in den kommenden Jahres ohnehin ein massives Arbeitskräfteproblem.

Christoph Neuberg, Geschäftsführer Industrie der IHK Chemnitz, nennt ein mögliches Tesla-Werk in Oberfranken dagegen eine echte Herausforderung: "Das könnte die Fachkräftesituation weiter verschärfen, eine Gefahr der Abwanderung besteht." Unabhängig davon, wie schnell solch eine Fabrik gebaut würde, könnte sie die Pläne von Volkswagen zur Umrüstung des Werkes in Zwickau auf die Produktion von Elektroautos beeinflussen.

Konjunkturexperte Oliver Holtemöller teilt diese Befürchtungen. "Die Ostdeutschen pendeln relativ viel. Gut bezahlte Arbeitsplätze im Pendelradius verschärfen den Wettbewerb", sagte der stellvertretende Leiter des Leibnitz-Institutes für Wirtschaftsforschung Halle. Die Unternehmen müssten dann höhere Löhne zahlen, um vor Ort qualifizierte Arbeitskräfte zu finden und zu halten. Höhere Löhne wiederum erhöhen das Einkommen vor Ort. Das sei grundsätzlich ein guter Mechanismus.

Doch momentan ist das alles Spekulation. Obwohl Musk bereits genaue Standortvorstellungen hat - und dazu gehört Oberfranken eben nicht -, könnten allerdings auch andere Regionen den Zuschlag erhalten. Besondere Rahmenbedingungen haben schon mehrfach Investoren zu einer neuen Sicht animiert. BMW beispielsweise hatte für sein Anfang des Jahres 2000 geplantes Werk mehr als 250Standortbewerbungen aus dem europäischen Raum erhalten. In der heißen Phase war lange Zeit Osteuropa Favorit - bis schließlich die Stadt Leipzig und der Freistaat mit ihrer Wirtschaftsförderung die Bayern überzeugten. BMW war der Beginn einer rasanten Entwicklung in der Pleiße-Stadt.

Auch Oberfranken hat gute Voraussetzungen: Die Region weist eine Industriedichte im europäischen Spitzenfeld auf; jeder dritte Arbeitnehmer ist im verarbeitenden Gewerbe beschäftigt. Viele Betriebe aus unterschiedlichen Branchen liefern der Kfz-Industrie zu. Darüber hinaus zeichnet sich die Region - noch stärker als Chemnitz und Westsachsen - durch eine sehr starke außeruniversitäre Forschungslandschaft aus, vor allem in Bereichen, die auch für die Automobil- und Stromspeicherentwicklung interessant sind, etwa neue Werkstoffe, IT und Digitalisierung.

"Konkrete Aussagen zu möglichen Standorten oder Zeitplänen sind noch nicht möglich, und es gibt auch noch keine Verhandlungen", sagte der Sprecher des bayerischen Wirtschaftsministeriums. Das bestätigte auch die oberfränkische Wirtschaftsförderung. Und Sachsen? Steht mit Tesla ebenfalls in Kontakt. Einen offiziellen Termin gab es bereits vor zwei Jahren: Staatssekretär Hartmut Mangold besuchte im Juli 2016 die größte Fachmesse der Halbleiterindustrie in San Francisco. Im Rahmen dieser Reise fand auch ein Gespräch bei Tesla Motors in Fremont statt. Mit dem Blick auf eine möglichen Batteriezellenproduktion in Europa warb Mangold für den Freistaat und stellte die Kompetenzen im Bereich Batteriefertigung und Elektromobilität vor. Mittlerweile denkt auch VW selbst an den Einstieg in die Batteriezellenproduktion. Gemeinsam mit dem koreanischen Konzern SK Innovation soll solch eine Werk in Europa entstehen. Es gebe jedoch noch keine Entscheidungen.


Kommentar: NeuerGeist?

Jahrelang belächelt und im Schattendasein kommt die Elektromobilität als alternativer Antrieb nun voran. Das zeigt sich nicht nur am Umbau des Zwickauer VW-Werkes auf E-Fahrzeuge. Weltweit gehen Firmen Kooperationen ein, um gemeinsam Batteriezellen, der wichtigste Bestandteil einer Batterie, zu entwickeln und zu produzieren. Auch Volkswagen erwägt solch eine Fabrik. Am besten wäre dafür der Standort Westsachsen. VW könnte damit ein wirkliches Zeichen für Umweltbewusstsein setzen. Denn die Speditionen, die derzeit Bauteile quer durch Deutschland transportieren, haben rein gar nichts damit zu tun.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...