Ebay-Betrug kostet den Täter 4500 Euro

Der Angeklagte hatte dem Richter vor dem Prozess Geld per Post geschickt

Hohenstein-Ernstthal.

Richter Manfred Weber staunte nicht schlecht, als ihm zwei Tage vor dem Prozess der Brief eines Angeklagten aus Oberlungwitz ins Haus flatterte. Der Inhalt: Eine Entschuldigung, dass er nicht zur Verhandlung erscheinen könne, sowie 105 Euro in bar. Mit der Bitte, das Geld dem Geschädigten zukommen zu lassen. "Seit ich Richter bin, erlebe ich das zum ersten Mal", so Weber. Offenbar glaubte der Angeklagte, dass der Betrug damit vom Tisch wäre. Doch da hatte er die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Der Mann hatte im Spätherbst 2017 bei Ebay einen Computer angeboten. Den wollte eine Familie aus Ditzingen bei Stuttgart kaufen. Man einigte sich auf 105 Euro. Den Betrag überwies der Käufer, doch den Computer bekam er nicht. Auch nicht nach drei Anrufen und der Ankündigung, man würde zur Polizei gehen. Das passierte dann auch.

Eigentlich hätte der Angeklagte wegen Betrugs verurteilt werden sollen. Weil er zur fälligen Verhandlung in dieser Woche nicht erschienen ist, entschieden sich Staatsanwaltschaft und Gericht für einen Strafbefehl. Ein Ersttäter könnte nach dem Gesetz bei einem einfachen Betrug mit geringem Schaden mit einer Verfahrenseinstellung davon kommen. Doch beim mehrfach vorbestraften 35-Jährigen konnte Justitia kein Auge zudrücken. Der Mann bekam jetzt schmerzlich zu spüren, dass Ebay-Betrug kein Kavaliersdelikt ist. Für Betrug sieht das Gesetz Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor. Das Gericht entschied sich für die Geldstrafe, und die fiel wegen seiner Vorstrafen heftig aus. Der Oberlungwitzer bekommt nun einen Strafbefehl zugeschickt, der ihm 90 Tagessätze zu je 50 Euro abfordert.

Für Kopfzerbrechen sorgten allerdings noch die 105 Euro Bargeld. "In der Kassenordnung des Gerichts gibt es dafür keine Regelung. Also einfach vereinnahmen und an den Geschädigten überweisen, geht nicht", grübelte Weber laut. Die Lösung lieferte der Gesetzgeber selbst. Er schreibt neuerdings vor, dass die Gerichte die Einziehung des Wertersatzes anordnen können, wenn dem Betrogenen Schaden entstanden ist. Das beantragte die Staatsanwaltschaft. Sie lässt nun das Geld dem Geschädigten wieder zukommen.

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