Ein Abend voller Momente, die bleiben

Für ihren Einsatz in Zeiten der Covid-19-Pandemie duften sich mehrere Dutzend im Handel, der Medizin und Pflege tätigen Menschen über ein besonderes Dankeschön freuen.

Lichtentanne.

Endlich wieder live vor Publikum! Anja Roocke war die Aufregung am Freitagabend vorm Konzert in der Christuskirche Lichtentanne anzumerken. "Wir freuen uns drauf. Ich bin schon total hibbelig", sagte die 45-Jährige.

Das Mitglied des Zwickauer Vereins Liederbuch hatte in den vergangenen Wochen die Kirchberger Kulturinsel für Livestream-Konzerte im Internet mit Bands aus der Region zur Verfügung gestellt. "Das war uns eine große Freude. Ich habe es sehr genossen, weil es für mich in dieser Zeit, in der man sowohl beruflich als auch im künstlerischen Sinne völlig ausgebremst wurde, eine Möglichkeit darstellte, bei den Leuten anzukommen und die Kultur am Leben zu halten. Das fand ich ganz wichtig", erzählte Anja Roocke. "Es war Musik ins Leere, ohne Publikum. Aber wir hatten viel positives Feedback." Anfangs hatte keiner geahnt, dass es 15 Konzerte werden würden.

Alle Künstler, die in den wöchentlichen Livestreams auftraten, verzichteten auf ein Honorar oder eine Aufwandsentschädigung. Dafür hat man ihnen den Live-Auftritt in Lichtentanne ermöglicht. Die ersten sechs waren am Freitag dran, die nächsten folgen im Oktober. Sie erhalten den Großteil der Konzerteinnahmen und Spenden. "Für fünf Euro konnten Karten erworben und als persönliches Dankeschön an Helfer verschenkt werden, die das Leben während der Coronakrise am Laufen gehalten haben", skizzierte Liederbuch-Geschäftsführer Andreas Voigt das Anliegen. 75 Helfer erhielten eine solche Einladung.

Dank der Livestreams hat der Liederbuch-Verein zwar seine Fangemeinde auf Youtube und Facebook ausgebaut und Spenden eingesammelt, doch alle Künstler sind froh, dass sie nun wieder öffentlich auftreten dürfen. Unter Einhaltung der Hygienebedingungen, versteht sich. "Wunderbar, endlich mal wieder eine Reaktion zu sehen, wenn man ein Lied gespielt hat. Es kommt mal wieder richtiger Applaus", strahlte Mitinitiatorin Anja Roocke, die gemeinsam mit ihrer Freundin Nicole "Curly" Hartig das Programm eröffnete. Die Murmelmädchen aus Kirchberg begeisterten mit Cover-Titeln von Joan Osborne ("What if God was one of us") und der verstorbenen Cranberries-Frontfrau Dolores O'Riordan ("Zombie"), auch ihr eigenes Lied "Zwei Perlen aus Glas" traf den Geschmack der Besucher, die nicht mit Beifall geizten. Jede Band und jeder Solist trugen vier Titel vor, manche packten eine Zugabe drauf. Liedermacher Ulli Arnold dankte den Organisatoren, dass sie den Musikern eine Bühne geboten haben. Auf der farbig illuminierten Bühne folgten Anke Seifert, Zu spät aber entspannt, das Duo Infernale und Two of the Pack (nur zur Hälfte anwesend).

Sichtlich genossen sie die Rückkehr ins Rampenlicht. "Das war Balsam für die Seele", sprach Anja Roocke allen aus dem Herzen. "Mit einen wunderbaren Gefühl gehen wir jetzt nach Hause, und mir einem Lächeln auf dem Gesicht werdet ihr uns die nächsten Tage sehen. Das sind die Momente, die bleiben."


Kirchberger Ehepaar nimmt Einladung gern an

Sabine Wutzler (62) zählt zu denen, die während der Corona-Pandemie dafür sorgte, dass die Menschen weiter mit allem Nötigen versorgt wurden. Sie arbeitet in der Kirchberger Filiale der Drogeriemarktkette Rossmann und hat in der Zeit, in der manche Artikel rar wurden, die Regale immer wieder aufgefüllt. Trotz erschwerter Bedingungen blieb sie stets freundlich und schenkte ihren Kunden ein Lächeln. Dafür wurde sie beschenkt. "Ich habe mich sehr über die Karten gefreut", gestand die 62-Jährige, die im Posaunenchor spielt. Zum Konzert am Freitag nahm sie ihren Ehemann Jürgen Wutzler (67) mit. Der Rentner engagiert sich im Taubenzüchterverband, dem er angehört, für die Deutsche Kinderkrebsstiftung. "Ich habe mehrfach meine besten Tiere, die Champions, zugunsten der Kinderkrebshilfe versteigert und arbeite viel in den Heimen, weil das den Bewohnern enorm Kraft gibt." Der mehrfache Europameister besitzt 100 Tiere, die Sängerinnen Helene Fischer und Monika Martin zählen zu seinen Taubenpaten. Der Morbus-Bechterew-Patient hat am Grab eines Menschen, der an Covid-19 gestorben ist, eine Taube aufgelassen. (tc)

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