Ein Hoch auf das Leben im Totholz

Vier Meter hoch sind die Reste der Blutbuche in Oberlungwitz. Jetzt erklärt ein Schild, wer dort nun sein Zuhause hat.

Oberlungwitz.

An die markante Blutbuche vor dem Gebäude der Oberlungwitzer Stadtwerke erinnert seit Herbst vergangenen Jahres ein besonderes Denkmal. Rund vier Meter des dicken Baumes blieben stehen, was nicht ohne Grund erfolgte. Denn der Buchenstamm und sein Totholz sind für die Natur noch immer wertvoll. "Es ist ein wichtiger Lebensraum für viele Organismen", erklärt Kai Friedrich. Der Naturschützer aus Gersdorf hat mit Unterstützung der Regionalgruppe Hohenstein-Ernstthal des Naturschutzbundes Bund ein Schild angefertigt, das über die Bedeutung des Stammes informiert. Neben Fledermaus, Specht und Waldkauz freuen sich auch eine Vielzahl von Insekten, darunter Wildbienen, über Totholz. Deshalb sei es wichtig, auch abgestorbene Bäume oder zumindest Baumstümpfe stehen zu lassen. "Im Garten kann man sie ja auch von Efeu umranken lassen, dann sieht das sogar schön aus", sagt Friedrich, der sich diese Variante auch für den Baum in Oberlungwitz hätte vorstellen können. Doch vorerst soll er so bleiben wie er ist.

"Der Sinn war von Anfang an plausibel. Jetzt haben wir uns auch an den Stamm gewöhnt", sagt Stadtwerkechef Volker Brabandt. Einen Teil der schätzungsweise 120 Jahre alten Buche stehenzulassen, war eine Auflage der Naturschutzbehörde des Landkreises. Auf der Grünfläche sollen laut Brabandt im Herbst noch zwei neue Bäume gepflanzt werden. Die könnten aus Sicht von Kai Friedrich eine schwere Zukunft haben. Denn der Naturschützer beobachtet schon seit Jahren, dass die heimischen Bäume unter der Sommerhitze und den Phasen mit ausgeprägter Trockenheit leiden. "Die Bäume bekommen immer mehr Probleme und sind dadurch anfälliger für Pilze und Krankheiten", sagt der Gersdorfer. Pilzbefall war es auch, der die Oberlungwitzer Blutbuche schädigte. Da seine Standsicherheit gefährdet war, musste der Baum gefällt werden. Wie lange der Stamm noch stehen wird, ist laut Friedrich schwer zu sagen. Bis er ganz verrottet ist, könnten durchaus 20 Jahre vergehen.

"Wir werden uns an den Anblick absterbender Bäume gewöhnen müssen", befürchtet Friedrich. Denn die Erderwärmung schreite viel schneller voran als erwartet. "Baumfällungen sollte man eigentlich unbedingt vermeiden", sagt er auch mit Blick auf die Oberlungwitzer Pläne zur Umgestaltung des FSO-Parks. Hier hofft er, dass zumindest auch der eine oder andere Stamm stehenbleiben darf, um sich zum Totholzbiotop zu entwickeln.

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