Ein Jahrhundert im Dienste der Wiederverwertung

1916 gründete Otto König die Firma Eisen-König in Zwickau. Das Nachfolgeunternehmen gehört heute zu den führenden Recyclingbetrieben in der Region.

Zwickau.

Auch wenn es die Firma als solche schon seit Jahrzehnten nicht mehr gibt, ist der "Eisenkönig" für alteingesessene Zwickauer noch immer ein Begriff. Der Ausdruck hielt sich übrigens auch noch, als der Betrieb in der Saarstraße längst VEB Metallaufbereitung Zwickau (MAB) hieß. Heute erinnert nur noch ein verlassener Gebäudekomplex auf dem weitläufigen Grundstück daran, dass Otto König im Jahr 1916 dort sein Unternehmen ansiedelte.

Aus Eisen-König und Metallaufbereitung ist inzwischen eine Niederlassung der Scholz Recycling GmbH und Co. KG geworden. Trotzdem sind Niederlassungsleiter Andreas Espenhain die historischen Wurzeln der Firma wichtig. Umso mehr, da der 62-Jährige schon seit dem 2. September 1978 im Unternehmen tätig ist. "Glücklicherweise sind wir noch im Besitz eines alten, aber recht aufwändig gestalteten Fotoalbums, das die Mitarbeiter für Otto König anlässlich eines Jubiläums angefertigt haben. Solche zeitgeschichtlichen Dokumente widerspiegeln eindrucksvoll die Anfänge", sagt er.

Was vor 100 Jahren als Kleinunternehmen begann, hat sich mittlerweile zum Zweigbetrieb einer Firmengruppe entwickelt, die allein in Deutschland über 55 Niederlassungen verfügt. "Wir beschäftigen in Zwickau 39 Mitarbeiter und drei Auszubildende. Unser Kerngeschäft ist die Aufarbeitung von Eisenschrott, Stanzabfällen und Spänen aus der Automobilindustrie sowie Buntmetallen. Im Anschluss wird das vorbereitete Material Stahlwerken in Thüringen, Brandenburg oder auch Italien zugeführt. Monatlich kommen rund 12.500 Tonnen Schrott zusammen", erklärt Andreas Espenhain. Auch der Umsatz des Zwickauer Betriebes kann sich sehen lassen. Monatlich bewegt er sich zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro. Obwohl die Hauptlieferanten von Scholz Recycling aus der Industrie kommen, können auch Privatpersonen Schrott auf dem Firmengelände an der Kopernikusstraße abgeben - und dafür ein paar Euro kassieren. "Altmetall ist zu 100 Prozent recycelfähig. Die Kleinkundenbetreuung ist zwar relativ aufwändig, aber wir sehen uns in diesem Zusammenhang auch als Dienstleister. Deshalb handelt es sich einerseits um ein Serviceangebot. Auf der anderen Seite trage wir dazu bei, dass die Sachen nicht irgendwo in der Natur landen." Was die Zukunft des Standortes Zwickau betrifft, so zeigt sich Espenhain optimistisch. "Wir gehören in der Branche zu den führenden Unternehmen der Region. Ich denke, der Firmengründer wäre stolz auf uns und das, was aus seinem Betrieb im Laufe der Jahre geworden ist."

Otto König wurde 1873 als zweiter Sohn eines Schweinsburger Schmiedemeisters geboren. Zwar lernte er zunächst in der väterlichen Schmiede, widmete sich später aber vorwiegend dem Handel. Am 1. Januar 1896 übernahm er das Geschäft. Den Schwerpunkt legte Otto König auf den Handel mit Alteisen. Und er packte selbst ordentlich mit zu, zerlegte Dampfkessel, sortierte nach Metallsorten und belud so manchen Wagen mit Schrott. Seine Firma wuchs, und er zeigte ein Gespür für Neuerungen. So errichtete er in Chemnitz eine Brikettieranlage zum Verpressen von Metallspänen. 1913 kauft er in Zwickau das Gelände der ehemaligen Ziegelei Kästner an der Saarstraße und eröffnete dort am 2. Dezember 1916 sein Kontorgebäude. Der "Eisenkönig" überlebte die Weltwirtschaftskrise und zwei Weltkriege. Da die Firma aber Lieferant für Krupp war, damals Deutschlands größtes Rüstungsunternehmen, erfolgte am 30. Oktober 1945 durch die russischen Besatzer die Enteignung der Familie König.

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