Ein Spaziergang durch die Jahrhunderte

Ein Ort verändert sich: Früher gab es viele Läden, Handwerker und Fabriken in Heinrichsort. Was ist aus der Vergangenheit geworden? Das war am Samstag zu erfahren.

Heinrichsort.

Der Lichtensteiner Nachtwächter und Mitglieder des Geschichtsvereins waren am Samstag in Heinrichsort zu Gast. Zum dritten Mal nach 2014 und 2017 fand ein Nachtwächterrundgang statt, bei dem mehr als 80 Interessierte viele Episoden aus dem Ort erfuhren. "Es gibt hier immer viel zu erzählen", sagte Nachtwächter Christian Bretschneider, der einige Fälle aus alten Gerichtsakten vortrug. Die Zuhörer, die meisten von ihnen waren Heinrichsorter, konnten anhand der Nachnamen spekulieren, welche Vorjahren heutiger Familien einst mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind.

Ortsvorsteherin Annett Richter war beim Rundgang ebenfalls dabei und bekam zu Beginn von Patrick Bochmann, Vorsitzender des Geschichtsvereins, nachträglich einen Strauß Blumen zu ihrer Wiederwahl geschenkt. Anschließend lud sie den Nachtwächter und seine historisch angehauchten Begleiter zum Essen ein. Dass es so viele Informationen über Heinrichsort gibt, ist auch einer Idee der Ortschefin zu verdanken. Denn im Rathaus fanden sich viele Akten und Dokumente, die sie allein nicht aufarbeiten konnte. "Da hatte ich den Geschichtsverein drauf angesetzt", sagte Annett Richter. Mit Angela Schramm gibt es im Verein eine Aktive, die in Heinrichsort zu Hause ist und regelmäßig forscht, was eins im Ort geschah.

Sie informierte beim Rundgang vor allem über die wirtschaftliche Entwicklung. Dabei wurde schnell deutlich, wie sehr sich der Ort verändert hat. Gleich zu Beginn an der Kreuzung Wasserwerkstraße/Auf der Höhe, wo heute nur Wohngebäude zu sehen sind, war einst in fast jedem Haus ein kleiner Laden oder Handwerker ansässig. Im Jahr 1948 hat es laut Angela Schramm elf Lebensmittelgeschäfte, vier Fleischer, drei Bäcker, vier Gaststätten und sieben Strumpffabriken im Ort gegeben. Kleine Details im Vortrag zeigten, dass früher vieles anders war. "Straßenbäume an Landstraßen waren damals vermietet. Das Obst wurde gewerblich geerntet und verkauft", so die Hobbyforscherin.

Auch die Entwicklung des Ortes war ein Thema. Wurde in den 1720er-Jahren mit der Besiedlung begonnen, gab es 1806 bereits 60 Häuser. Rund 100 Jahre später waren es 340 Haushalte und laut Manfred Geyer, Mitglied des Geschichtsvereins und ehemaliger Strumpfwirker, gab es in 293 von ihnen einen Handkulierstuhl, auf dem Strümpfe gefertigt wurden. Wenig später wurde auf Maschinen in den Fabriken gefertigt, doch auch die verschwanden durch wirtschaftliche Veränderungen in dem Ort, der heute laut Ortsvorsteherin Annett Richter etwa 1150 Einwohner hat. Das Maximum waren knapp 1800. Bei dem Rundgang berichtete Roland Richter aus der Geschichte der Fleischerei Köhler, während das Gebäude der Bäckerei Franke von Patrick Bochmann vorgestellt wurde. Sie waren ebenso passend gekleidet wie Danny Erler, der aus der Feuerwehrgeschichte erzählte, und Schulmeister Wolfgang Tschentscher.

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