Eine besondere Ehre am Eisbahnrand

Der Lichtensteiner Eisschnellläufer Nico Ihle hat sich ins Goldene Buch von Chemnitz eingetragen. In ein paar Tagen will er neue Medaillen holen.

Lichtenstein/Chemnitz.

Es ist der Ort, an dem für ihn alles begann. Nico Ihle durfte sich gestern Abend ins Goldene Buch der Stadt Chemnitz eintragen. Dafür musste er nicht ins Rathaus kommen. Sondern das Goldene Buch kam ins Eissportzentrum, Ihles zweitem Zuhause. Es lag auf einem Tisch, der direkt an der 400-Meter-Bahn stand. Im Alter von zehn Jahren habe er mit dem Eisschnelllauf begonnen, sagte Ihle. Viele Trainingsstunden habe er auf diesem Oval verbracht, bei teilweise zweistelligen Minusgraden. "Das hat uns hart gemacht", sagte er gestern mit Blick auf die jungen Sportler, die bei einsetzendem Nieselregen ihre Runden drehten. Jetzt sei er es nicht mehr gewöhnt, im Freien zu trainieren. Das finde meist in der Halle statt, so wie die Wettkämpe auch.

Erst am Wochenende errang Ihle seinen dritten Weltcup-Sieg in Berlin. Der 31-Jährige ist derzeit der beste Eisschnellläufer Deutschlands und, wie er selbst sagt, in der Form seines Lebens. Der Erfolg vom Wochenende sei der Lohn für die jahrelange harte Arbeit. Es sei aber nur der Auftakt gewesen für die Einzelstrecken-Weltmeisterschaft, die am 9. Februar im südkoreanischen Gangneung beginnt. Dafür fliegt der gebürtige Karl-Marx-Städter, der mittlerweile in Lichtenstein wohnt, bereits am Freitag nach Seoul. Bei der WM wolle er um eine Medaille kämpfen. Er habe in den vergangenen Monaten viel trainiert. Wenn er jetzt noch etwas entspanne, kommen ein Kribbeln und der Drang, sich zu bewegen. "Dann werden die Raketen gezündet", sagte er voller Hoffnung. Nach der Weltmeisterschaft in Korea stehen Ende Februar die Sprint-Weltmeisterschaften in Kanada an. Auch dort hoffe er, eine Medaille zu erkämpfen.

Ihle ist Vorbild der jungen Chemnitzer Eisläufer. Eine ganze Reihe von Jungen und Mädchen, die ihm mit Kufen an den Füßen bis zum Bauchnabel reichen, gaben ihm mehr oder weniger schüchtern die Hand, gratulierten, baten um Autogramme und ließen sich sogar ihre Trainingsjacken signieren. Auch ein Mann mittleren Alters und ganz ohne Kufen an den Füßen ließ es sich nicht nehmen, auf ihn zuzugehen und ihm die Hand zu schütteln, "auch, wenn wir uns nicht kennen".

Sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen, sei eine ganz große Ehre, so der Sportler, der mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern gekommen war. "Das wird nur ganz wenigen Menschen zuteil." Aus den Händen von Ordnungsbürgermeister Miko Runkel erhielt Ihle außerdem einen Einkaufsgutschein. Eine andere Annehmlichkeit, wie vergünstigte Nahverkehrstickets, würde bei ihm ja auch keinen Sinn ergeben, sagte Runkel lachend. Er weiß, dass Ihle zu Trainingszwecken fast alles mit dem Rad zurücklegt. 3000 Kilometer seien es im Jahr, sagte der Sportler.

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