Eine Dezernentin, die etwas anders tickt

Annegret von Lindeman nimmt an einer Gruselwanderung teil und sitzt auf dem Beifahrersitz eines Winterdienstfahrzeuges. Ihr Ziel: Den Landkreis ins digitale Zeitalter führen.

Landkreis.

Die orangefarbenen Jacken ihrer Kollegen streift sich Annegret von Lindeman beim Fototermin nicht über. "Schwarz passt besser zu Architektinnen", sagt die neue Dezernentin des Amtes für Bau, Kreisentwicklung und Vermessung im Landkreis Zwickau. Die Nachfolgerin von Stefan Matthes, der in Ruhestand gegangen ist, wird auf ganz praktischem Weg einige Aufgaben der 210 Mitarbeiter des Dezernates kennen lernen: Annegret von Lindeman hat sich für eine Gruselwanderung durch den Sahnpark in Crimmitschau angemeldet. Sie plant - spätestens im Frühjahr - eine Radtour entlang der Zwickauer Mulde. Zudem wird die Behördenleiterin bei mindestens einer Schicht auf dem Beifahrersitz eines Winterdienst-Fahrzeuges sitzen. Im Gegensatz zu etlichen Berufskollegen ist ihr die Vorfreude auf die weiße Pracht anzumerken. "Ich stamme aus dem Erzgebirge. Da steht man zeitig auf den Ski", sagt die 38-Jährige.

Zumindest (fast) genauso früh waren die Weichen für die berufliche Laufbahn gestellt. Sie beschäftigte sich als Kind lieber mit den in der DDR bekannten Stabil-Baukästen anstatt mit Puppen. "Mein Weg war vorgezeichnet", sagt von Lindeman, die an der Bauhaus-Universität in Weimar ihr Architektur-Studium absolvierte und als Diplom-Ingenieurin abschloss. Nach einem technischen Referat sammelte sie erste Berufserfahrungen in Behörden in Sachsen-Anhalt. 2014 folgte der Wechsel in den Landkreis Zwickau, wo sie sechs Jahre sie das Amt für Kreisentwicklung, Bauaufsicht und Denkmalschutz leitete und sich so das Rüstzeug für den Sprung auf den Chefsessel des Dezernates holte. Der Kreistag segnete die Personalentscheidung in der Juni-Sitzung ab.

Ein Schwerpunkt in der bisherigen und künftigen Arbeit von Annegret von Lindeman: Sie soll den Landkreis Zwickau ins digitale Zeitalter führen. Aktuell wird ein rund 43 Millionen Euro teures Projekt zur vollständigen Erschließung mit schnellem Internet vorangetrieben. Davon profitiert vor allem der ländliche Raum. Rund 4000 Adresspunkte, die aktuell mit weniger als 30 Megabit pro Sekunde versorgt sind, können von der Förderung von Bund und Freistaat profitieren. "Nach der europaweiten Ausschreibung treten wir in die Bieterverhandlungen", sagt von Lindeman. Sie hofft, dass der Auftrag im ersten Quartal 2021 vergeben werden kann. Die Umsetzung sei zwischen 2022 und 2025 angedacht. Möglichkeiten der Digitalisierung sollen auch in anderen Bereichen genutzt werden. "Wir bereiten den Aufbau eines digitalen Wegeinformationsnetzes vor", sagt die Dezernentin. Damit sollen Wanderer, Radfahrer und Touristen künftig mit dem Handy anstatt mit den guten alten Karten auf Entdeckungstour gehen.

Die Aufgaben, die in den Zuständigkeitsbereich des Dezernats fallen, sind vielfältig. Ein 753 Kilometer langes Netz an Bundes-, Staats- und Kreisstraßen und 124 Brücken müssen unterhalten werden. Die Mitarbeiter haben einen Blick auf 5599 Kulturdenkmale und ein 540 Kilometer langes Wanderwege-Netz. Das Amt für ländliche Entwicklung hat zwischen 2014 und 2020 rund 100 Millionen Euro an Fördermitteln für Projekte im dörflichen Raum verteilt. Das ist, darauf macht von Lindeman deutlich, nur in Teamarbeit zu stemmen: "Wir haben gute Leute, auf die wir uns verlassen können."

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