Eine Orgel-Kopie steht in der Schweiz

Eine Delegation aus dem Kanton Bern war gestern in der Georgenkirche - und erfuhr, dass aus ihrer Heimat eine direkte Spur ins Glauchauer Gotteshaus führt.

Glauchau.

Guido Schmiedel kann lange über die Orgel in der Glauchauer St. Georgenkirche reden. Und das mit Begeisterung. Erbaut 1730, zahlreiche Veränderungen im Laufe der Zeit, 1998 saniert und damit wieder im Ursprungszustand, viertgrößte Orgel des renommierten Orgelbauers Gottfried Silbermann in Mitteldeutschland.

Am Dienstagnachmittag aber packte der Kirchenmusikdirektor eine Anekdoten aus, die wohl die wenigsten Glauchauer kennen - und das lag an seiner rund 20-köpfigen Besuchergruppe. Dabei handelte es sich um eine Delegation des Grossen Rates aus dem Kanton Bern, mit dem der sächsische Landtag eine Partnerschaft pflegt. Mit dabei war auch Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) und seine Schweizer Kollegin Ursulsa Zybach. Diese erfuhr von Schmiedel , dass es eine Kopie der Glauchauer Silbermannorgel gibt - in der kleinen Schweizer Gemeinde Courrendlin, die sich nur etwa zwei Kilometer nördlich vom Kanton Bern entfernt befindet.

Es ist ein merkwürdiges Stück Geschichte. "1985 ist von unserer Orgel eine Kopie angefertigt worden", so Schmiedel. Die ausführende Firma sei aus Ostfriesland gekommen und habe unter anderem Vermessungsarbeiten am Glauchauer Original ausgeführt. "Es gibt aber bei uns kaum Dokumente oder irgendwelche Aufzeichnungen zu diesem Vorgang", so Schmiedel. Warum ausgerechnet eine Kopie der Glauchauer Orgel als Vorbild genommen wurde und in die Schweiz wanderte - das könne er auch nicht sagen. Und in Courrendlin selbst war Guido Schmiedel bis jetzt noch nicht.

Den Grund für den geheimnisvollen Nachbau wussten freilich auch die Schweizer Gäste nicht. Ein paar Hörproben wollte Schmiedel ihnen aber nicht vorenthalten. "Sagen Sie, wenn es Ihnen zu lange dauert", sagte er und spielte mehrere Stücke, darunter eines von Johann Sebastian Bach. Wenig später ging es für die Schweizer weiter auf ihrer kleinen Rundreise durch Westsachsen - übrigens in einem historischen Ifa-Bus. Und vielleicht sehen sie Schmiedel wieder. "Irgendwann will ich mir die Kopie in Courrendlin einmal ansehen", sagt er.

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