Enthusiasmus der Mannschaft macht Werkstattleiter stolz

Mit dem Dornröschenschlaf auf dem Rasenplatz neben der Mauritius-Werkstatt an der Newtonstraße ist es nun vorbei. Nach der wochenlangen Zwangspause dürfen die Fußballer ihr Domizil wieder in Beschlag nehmen.

Zwickau.

Endlich raus! Wie lange hatten sie diesen Moment herbeigesehnt. Voller Tatendurst stürmen sie auf den Rasenplatz. Die Leidenszeit für die Fußballer der Werkstatt des Christlichen Sozialwerkes für behinderte Menschen Sankt Mauritius Zwickau ist zu Ende. Verstärkt wurde ihre Freude über den ersten Freiluft-Kick im Mai durch eine besondere Auszeichnung.

Die Mannschaft der Mauritius-Werkstatt erhielt von der Stadtgruppe Zwickau der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) den Sportförderpreis in der Kategorie Vereine, Mannschaften und Einrichtungen. "Ich freue mich sehr, dass der Sport mit den behinderten Menschen gewürdigt wird", erklärt Trainer Matthias Olbrich. Seine Schützlinge haben es verdient. Die Mannschaft ist amtierender Sachsenmeister in der Halle und auf dem Feld.

"Wenn ich erlebe, mit was für einem Enthusiasmus und einer Motivation sie an die Sache herangehen, macht mich das sehr stolz", betont Roger Georgi, Regionalleiter der Mauritius-Werkstätten. "Da sind immerhin Menschen dauerhaft erfolgreich, die von Teilen der Gesellschaft als nicht leistungsfähig bezeichnet werden." Der Sport erfüllt vor allem einen therapeutischen Zweck. Georgi: "Es sind Maßnahmen, bei der Menschen wieder Selbstbewusstsein, Spielfreude und Teilnahme an der Gesellschaft erleben dürfen."

Die Mannschaft gibt es seit zwölf Jahren. "Das war früher nur ein bisschen Spaß am Ball. Jetzt haben wir regelmäßig zwei Trainingseinheiten: dienstags im Westsachsenstadion mit unserer ersten Mannschaft - da kann ich das Niveau etwas steigern, und mittwochs auf unserem eigenen Platz - da sind auch andere Fußballbegeisterte mit dabei", erzählt Olbrich. Der Reinsdorfer hat selbst jahrelang in Friedrichsgrün Fußball gespielt. Der gelernte Tischler absolvierte seinen Zivildienst in der Werkstatt und heuerte später als Gruppenleiter an. "Ich habe nebenbei noch eine pädagogische Ausbildung zur Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung gemacht - mit sonderpädagigischer Zusatzqualifikation", berichtet der 37-Jährige.

Der Kader der ersten Mannschaft umfasst 13 Spieler. Gespielt wird auf Kleinfeld in der Besetzung 1:6. Mittwochs sind es 20 bis 25 Fußballer. Die Jüngsten sind 18, der Älteste ist Ende 40. Während des Sportverbots kribbelte es ihnen mächtig in den Füßen. "Die wollten am liebsten schon nach drei Wochen wieder an den Ball", erinnert sich Olbrich. "Ich habe ihnen Hausaufgaben gegeben wie Jogi Löw, habe ihnen gesagt: Haltet euch fit! Rennt ein bisschen, joggt, fahrt Rad!" Inzwischen ist das Training wieder erlaubt. Die Wettkämpfe für diese Saison sind jedoch alle abgesagt. "Jetzt würde die Rückrunde der Sachsenmeisterschaft beginnen. Die Hinrunde haben wir wieder grandios gewonnen", erzählt der Trainer stolz. Jeweils die zwei Besten aus den vier Regionen ermitteln den Landesmeister, der sich für die nationalen Titelkämpfe an der Sportschule Duisburg-Wedau qualifiziert. "Das wird von der Sepp-Herberger-Stiftung und vom DFB unterstützt. Für die Jungs ist das ein Riesenansporn. Sie sind eine Woche freigestellt, übernachten im Hotel - das ist für sie eine tolle Sache." Im vergangenen Jahr reichte es immerhin zum 9. Platz. Vielleicht ist beim nächsten Mal sogar mehr drin.


Förderpreis der Deutschen Olympischen Gesellschaft wird in drei Kategorien verliehen

Payam Jusofie vom KSSV Zwickau durfte als einer von zwei Sportlern den Förderpreis für Einzelpersonen entgegennehmen. Der 14-Jährige, der die 9. Klasse des Internationalen Gymnasiums Reinsdorf besucht, boxt seit 2016 unter Leitung von Regionaltrainer Frank Hillmer. Im vergangenen Jahr wurde er Sachsenmeister und erkämpfte den deutschen Vizemeistertitel im Mittelgewicht bei den Kadetten. Payam Jusofie ist D-Kader.

Luca Kasnya vom RSV Team Hoebike Zwickau erhielt ebenfalls den Förderpreis für Einzelpersonen. Der 16-Jährige besucht die Sportoberschule Chemnitz und trainiert am dortigen Bundesstützpunkt Radsport. Er gewann im zurückliegenden Jahr Silber und Bronze bei den deutschen Jugendmeisterschaften auf der Bahn

im Berliner Velodrom und wurde in den Jugend-Nationalkader Straße/ Bahn im Ausdauerbereich berufen.

Gunter Schmidt vom SV Rotation Langenbach wurde die Ehrung in der Kategorie Trainer, Übungsleiter und Sportfunktionäre zuteil. Der 75-Jährige kümmert sich seit 56 Jahren als Trainer und Funktionär um den Leichtathletik-Nachwuchs. 51 seiner talentierten Schützlinge wurden an die Sportgymnasien und Stützpunkte Chemnitz, Potsdam, Dresden und Jena delegiert. Seit 2012 organisiert er den Werfertag in Langenbach. tc


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