Er ist der jüngste Stadtrat in der Region

Das Beispiel von Simon Lang zeigt vor allem eines: Wollen die Parteien und Vereinigungen Nachwuchs, müssen sie auf die jungen Leute zugehen.

Hohenstein-Ernstthal.

Das Handy klingelt. Simon Lang wirkt müde. Seit gerade einmal 30 Minuten ist der junge Mann von der Frühschicht aus Chemnitz zurück. Das heißt: Um 3 Uhr morgens bei Metro auf der Matte stehen. Seit Herbst 2019 macht er eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann. Nach dem kurzen Telefonat ärgert Simon Lang sich: "Verdammt, es sind Ferien, das hatte ich vergessen." Eigentlich hätte er in der Karthalle am Sachsenring stehen müssen, in den Ferien beginnt die Schicht früher. Denn Simon hat auch noch einen Nebenjob: "Ich schaue den Karts zu, wie sie ihre Runden drehen. Manchmal muss ich eines aus der Bande befreien."

Doch das ist nicht seine einzige Nebenbeschäftigung. Vor Kurzem ist er für die Freien Wähler in den Stadtrat von Hohenstein-Ernstthal nachgerückt und das mit 19 Jahren. Im Raum Westsachsen gibt es aktuell keinen jüngeren Stadtrat. Und deswegen gibt es heute noch einen Interview-Termin mit der "Freien Presse". Da kann es schon mal zu zeitlichen Kollisionen kommen.

Simons politische Karriere begann mit einem Zufall. Seine Fahrstunden nahm er bei Uwe Tischendorf. Der ist nicht nur Fahrlehrer, sondern auch Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler in Hohenstein-Ernstthal. Man kam ins Gespräch, über Politik und andere Dinge.

"Wäre Herr Tischendorf nicht auf mich zugekommen, hätte ich mich nicht als Kandidat aufstellen lassen", sagt Simon Lang. Auch für eine andere Partei wäre er möglicherweise angetreten, hätte man ihn denn gefragt. Seinen Klassenkameraden im Lessinggymnasium wollte der damals 18-Jährige zunächst nichts von der Kandidatur erzählen. "Ich hätte ja auch nie gedacht, dass ich tatsächlich gewählt werde." Doch bald war überall auf Wahlplakaten das Gesicht des jungen Mannes zu sehen. "Junge Leute wählen junge Leute", erklärt Simons Förderer Uwe Tischendorf. Und so war es dann auch: "Ein Großteil meiner Klassenkameraden hat mir die Stimme gegeben", sagt Simon Lang.

Offenbar waren es nicht die einzigen, denn von allen Kandidaten der Freien Wähler erhielt Simon Lang die viertmeisten Stimmen. Damit konnte er zwar nicht unmittelbar in den Stadtrat einziehen. Doch es reichte, um nachzurücken, als Achim Morawitz vor Kurzem seinen Sitz aufgeben musste, weil er aus der Stadt weggezogen ist.

Lang bezeichnet sich selbst als mittelmäßigen Schüler. "Für sehr gute Noten muss man viel stupide auswendig lernen, das halte ich nicht für zielführend." Engagement statt Pauken ist da eher sein Ding. Immer wieder erlebte er Unentschlossenheit bei Klassenkameraden, etwa wenn es um die Organisation eines Sommerfestes ging. "Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, hat bei Jugendlichen nachgelassen", so Langs Beobachtung. Er ließ sich zum Klassen-, später zum Schülersprecher wählen. "Du kannst gut organisieren", habe es immer wieder geheißen. Organisation, für Lang heißt das vor allem, andere zu motivieren und ihnen auch mal zu sagen, wo es langgeht. "Dabei ist es wichtig, den Leuten immer nur eine Aufgabe zu geben."

Doch wie Simon weiß, wäre er ohne den Anstoß von außen auch nicht im Stadtrat gelandet. Sein Rat an alle Parteien und Vereinigungen: "Wenn ihr junge Leute haben wollt, geht auf sie zu." Als Bürgervertreter möchte Simon zunächst nicht allzu forsch auftreten. "Denn ich habe noch viel zu lernen." Bereits einmal hat er an einer Sitzung des Technischen Ausschusses teilgenommen. "Da geht es schon deutlich komplexer zu als bei einer Schülersprechersitzung", sagt Simon.

Sobald der Nachwuchspolitiker etwas mehr Erfahrung gesammelt hat, möchte er sich auch richtig einbringen, vor allem für die Jugend. "Ein Treffpunkt in der Stadt wäre zum Beispiel super, damit die jungen Leute zum Feiern nicht immer aus der Stadt rausfahren müssen."

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