Er repariert in Ruhe Teil für Teil

Ans Werk! Sie bauen, schleifen, schrauben, drehen und drechseln: Handwerker gestalten unser Umfeld. Die "Freie Presse" stellt einige Gewerke aus der Region in einer Serie vor - und schaut den Handwerkern bei der Arbeit auf die Finger.

Oberlungwitz.

Wenn Gunnar Storch über Oldtimer spricht, kommt er schnell ins Schwärmen. Der 48-jährige Oberlungwitzer, der Inhaber einer kleinen Autowerkstatt mit Teilegeschäft ist, werkelt regelmäßig an alten Karossen und ist immer wieder begeistert darüber, wie früher Fahrzeuge gebaut wurden. "Die sind für mehrere Generationen gemacht", sagt er und lobt Konstruktionen, die weniger Verschleiß als heutige Bauteile haben oder mit weniger Aufwand zu reparieren sind.

Derzeit werkelt er an einem Coupe, das Ende der 1950er-Jahre gebaut wurde. Langsam aber sicher nimmt es wieder Gestalt an, nachdem es in einem ziemlich dürftigen Zustand angekommen war. "Da fängt man erst einmal an und machte eine genaue Bestandserfassung. Dann müssen Teile organisiert oder nachgefertigt werden", erzählt der Kraftfahrzeugtechnikermeister. Vieles unter der Motorhaube eines Oldtimers "Made in Western Germany" ist dabei für den Fachmann selbsterklärend, denn im Gegensatz zu den modernen Autos geht es eben vorrangig um Mechanik und normale Fahrzeugelektrik. Bei heutigen Modellen ist im Motorraum oftmals das Meiste unter Plastikabdeckungen verschwunden und zur Fehlerfindung geht es nicht ohne Computer mit Diagnosesoftware. Selbst wenn nur ein Scheinwerfer kaputt ist, können dank der komplizierten Xenon-Technik größere Reparaturmaßnahmen nötig werden. Beim Oldtimer ist das anders. Da hat Gunnar Storch die neuen Gläser für die Lampen schon bereitliegen. Es gibt sie genau wie die anderen Scheinwerfersteile einzeln. "Das hat für mich auch etwas mit Nachhaltigkeit zu tun, wenn etwas klug konstruiert und einfach zu reparieren ist", sagt Storch und kann nur den Kopf schütteln, wenn er daran denkt, dass heutzutage nicht selten zehn Jahre alte Autos, die mit immensem Ressourceneinsatz gebaut worden sind, beim Verwerter landen, weil unbedingt etwas neues her muss.

Über die Fahrgestellnummer des Oldtimers lassen sich bis heute beim Hersteller Ersatzteile bestellen, die im Optimalfall nach zwei oder drei Tagen ankommen. Trotzdem kann die Restaurierung eines Fahrzeuges nie genau geplant werden, weil eben auch nicht mehr alles lieferbar ist. Bremsleitungen aus dünnem Metallrohr fertig Storch beispielsweise selbst. Nach der Montage verlaufen sie am Unterboden des Oldies nur ein paar Zentimeter neben dem Stahlseil für die Handbremse zu den Hinterrädern. Das Seil ist original. "Bei modernen Autos ist es unvorstellbar, dass so etwas derart lange hält", sagt Gunnar Storch. Nach 50 oder 60 Jahren wäre bei einem heutigen Kleinwagen der Unterboden wahrscheinlich ohnehin schon vom Rost dahingerafft, während das schicke Coupe noch den originalen Unterbodenschutz hat, der aus einem schier unverwüstlichen Teergemisch besteht. Dort wo Storch Teile aufarbeiten musste, war diese Schutzschicht kaum abzubekommen.

Bei den Oldtimerreparaturen oder -restaurierungen widmet sich der Oberlungwitzer aber nur der Mechanik und der Fahrzeugelektrik. Die Lackierung oder die Aufarbeitung des Innenraums, wo derzeit noch gähnende Leere herrscht, übernehmen dann andere Spezialisten. Werkzeuge oder Vorrichtungen, die sich von denen für heutige Autos wirklich unterscheiden, muss Storch nur selten benutzten. Wenn der 80 PS starke Wagen, dessen Motor der Fachmann ebenfalls komplett zerlegt hatte, einmal fertig ist, können Fahrer und Beifahrer unter anderem auch die getrennt regelbare Heizung oder einen original Röhrenradio mit mechanischem Sendersuchlauf nutzen.

Gunnar Storch repariert aber nicht nur Oldtimer, sondern fährt sie auch gern. Er ist im Oberlungwitzer Classic-Car-Club aktiv. Dort sind Interessierte jederzeit zu den Stammtischen der Oldtimerfans willkommen. Die Treffen finden jeweils am zweiten Donnerstag im Monat, ab 19 Uhr, im Gasthaus "Zum Vierseitenhof" in Oberlungwitz statt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...