Erpressung beruht auf Missverständnis

Am Ankerberg fließt zum Motorrad Grand Prix das Bier. Das förderte den Zoff um einen Geldschein. Die Sache landete jetzt vor Gericht.

Hohenstein-Ernstthal.

Wo viele Menschen zusammenkommen, klappt es nicht immer mit der Kommunikation. Da brennt auch mal die Luft. Erst recht, wenn Alkohol im Spiel ist. Deswegen standen jetzt zwei junge Männer aus dem Vogtland vor dem Amtsgericht. Der Vorwurf: räuberische Erpressung.

Es war der 13. Juli, 22.30 Uhr. Viele Besucher des Motorrad-Grand Prix am Sachsenring befanden sich längst im ganz normalen Ankerberg-Zustand - also ein gewisses Quantum an Promille intus. Das war bei den Angeklagten, zwei junge Männer aus Gefell, 29 und 31 Jahre alt, nicht anders, als sie an der Bierbude unterhalb des Zugangs zum Ankerberg an der Goldbachstraße Nachschub orderten. Nur am Bezahlen haperte es plötzlich. Der heute 29-Jährige vermisste das Geld in seiner Arschtasche. Neben ihm bückte sich jemand und hatte beim Erheben einen Geldschein in der Hand. Diesen Mann forderte der Vogtländer nun auf, ihm das Geld zu geben, in der Annahme, es sei sein 50-Euro-Schein. Doch der weigerte sich, behauptete, es sei sein Geld. Er hatte selbst zwei Bier geordert, während seine Begleiter zur Toilette gegangen waren. Der Vogtländer hätte daraufhin die Polizei gerufen. Es habe weder Schläge noch Tritte gegeben, versicherten beide Angeklagten.

Aus Sicht des vermeintlichen Opfers klang das Szenario allerdings völlig anders. Dem Hohenstein-Ernstthaler war ein gefalteter 10-Euro-Schein beim Herausnehmen aus dem Handy zu Boden gefallen, den hob er auf. Da wurde er schon verdächtigt, dann verfolgt und geschlagen. Erst traf ihn die Faust des einen Angeklagten, der ihn mit einem Tritt von den Füßen geholt hatte. Weil er sich weigerte den "Zehner" herzugeben, soll sein Peiniger nun 20 Euro verlangt haben. Noch zweimal wurde er mit einem Tritt in die Beine zu Boden gebracht und auch getreten. Zuletzt sollte er dem Angeklagten 50 Euro und den Rucksack rausrücken.

Was stimmt denn nun eigentlich? Weder die Bedienung am Bierwagen noch andere Zeugen konnten sich an Gesichter erinnern, erst recht nicht die eine oder andere Version bestätigen. "Weil er nicht zahlen konnte, habe ich die zwei Bier wieder weggenommen. Das machen wir immer so", sagte die 50-jährige Zeugin, die damals hinterm Tresen stand. Für sie ging es nahtlos weiter zum nächsten Kunden. Die Sache war abgehakt, ebenso schnell für ihren 22-jährigen Mitstreiter. "Wenn es vor dem Wagen zu Schlägen gekommen wäre, hätte ich das mitbekommen", sagte der junge Mann.

Am Ende konstatierte Staatsanwalt Stephan Hoppmann: "Wir haben keinen beweisbaren Sachverhalt, auf dessen Grundlage wir einen Schuldspruch hinbekämen." Richter Weber ging mit dem Antrag mit: "Was bleibt, sind nur die Verletzungen des Angeklagten. Und selbst da haben wir nicht den geringsten Anhaltspunkt, wie sie zustande gekommen sind. Alles war offenbar ein Irrtumstatbestand. Jeder glaubte, es sei sein Geldschein." Die beiden Angeklagten, übrigens absolute Neulinge auf der Anklagebank, nahmen den Freispruch erleichtert auf.

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