"Es schimpfen doch alle nur noch hier in der Stadt"

Wahlen 2019 Die drei Lichtensteiner Linken-Stadträte über kleine Erfolge, große Enttäuschungen, Nachwuchssorgen und Zukunftsvisionen

Lichtenstein.

Mit Ute Hoch, Roland Eckl und Andreas Müller stellt die Linke im Mai drei Altgediente zur Kommunalwahl. Redakteurin Ulrike Abraham hat mit ihnen gesprochen.

Freie Presse: Sie drei sitzen im Stadtrat, stellen sich im Mai zur Wiederwahl - als einzige Kandidaten für die Linke in Lichtenstein.


Ute Hoch: Wir haben leider niemanden weiter gefunden. Ich hab im Frauenzentrum Kontakt zu so vielen Frauen - es hat sich keine bereit erklärt. Für viele ist der Stadtrat zu viel Streit, zu viel Arbeit.

Wie viele Mitglieder hat die Ortsgruppe?

Andreas Müller: Wir sind noch um die 40 in St. Egidien, Bernsdorf und Lichtenstein. Es wird weniger. Hoch: Und wir sind alles ältere Genossen, so ehrlich muss man sein. In den Großstädten ist das anders, da gibt es die Linksjugend. Aber hier ... Herr Müller und ich haben so viel mit Jugendlichen zu tun, aber in die Politik will keiner ... Wir freuen uns über Hohenstein-Ernstthal: über Alexander Weiß.

Ich stelle mir die Arbeit im Stadtrat schwer vor, als Fraktion mit drei Leuten.

Roland Eckl: Ist es auch, wir können gar nicht alle Ausschüsse besetzen. Hoch: Und auch, was die Themen angeht, man muss sich ja in alles einarbeiten. Da teilen wir uns die Themen schon auf.

Gestern ist der Parkautomat umgesetzt worden - am Neumarkt kann man vorerst wieder gratis parken. Das war Ihr Vorschlag. Was ist noch gelungen in den vergangenen fünf Jahren Stadtrat?

Hoch: Am Donnerstag wird der Spielplatz in der Schneller-Siedlung eingeweiht. Der wurde auf unsere Initiative hin gebaut, mit Mitteln aus der Landespauschale. Eckl: Die höhere Zuweisung für die Tagesmütter haben wir angekurbelt. Die CDU hat das sehr gut umgesetzt.

Was ist ihnen hingegen nicht gelungen?

Hoch: Wir wollten, dass die Handelsnetzkonzeption fortgeschrieben wird, die unter Altbürgermeister Sedner ausgearbeitet worden war. Das haben Verwaltung und Stadtrat abgelehnt. Mit der Begründung, es gibt das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Insek) und die Stadtinitiative.

Handelsnetzkonzeption - das klingt bürokratisch. Wofür braucht es die?

Hoch: Die ist spezifischer, konkreter. Da ging es uns eben um die Innenstadt, dass die wieder belebt wird. Wir waren schon sehr enttäuscht über die Ablehnung. Eckl: Ich hatte mich bei der Industrie- und Handelskammer beraten lassen. Dort war man auch der Meinung, eine solche Konzeption wäre sinnvoll, außerhalb von Insek und Stadtinitiative. Hoch: Die Stadtinitiative unter Ulf Adelmeier hatte so viel vor - und dann haben sie sich aufgelöst ... Dabei hatten die so viele Ideen, wir haben gehofft, jetzt geht's endlich los.

Wollen Sie das im neuen Stadtrat noch einmal angehen?

Hoch: Natürlich. Gucken Sie doch draußen an, den Altmarkt. Da ist doch nichts mehr.

Im Wahlprogramm steht, Sie wünschen sich Miteinander und Füreinander. Was heißt das konkret?

Hoch: Es schimpfen doch alle nur noch hier in der Stadt. Da wünsche ich mir schon, dass die Verwaltung da ein Miteinander ankurbelt. Die Vereinsarbeit etwa, das ist die wichtigste Stütze. Ohne Kulturverein und Co. wäre hier nichts mehr los. Müller: Vereine dürfen nicht kleinlich behandelt werden. Und Vereine, die gemeinsame Themen haben, sollten enger zusammenarbeiten. Wie in unserer Partnerstadt Enger, dort ist das überwältigend.

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