EU finanziert das Buffet für Insekten

Die Landwirte in der Region haben auch die Artenvielfalt im Blick. Bei der Entscheidungsfindung, was wo gepflanzt wird, helfen Prämien mit.

Oberlungwitz/Bernsdorf.

Auf einem Feld, das an das Landschaftsschutzgebiet Hirschgrund in Oberlungwitz angrenzt, ist es derzeit deutlich bunter als auf anderen Landwirtschaftsflächen. Die lilafarbenen Phaceliablüten locken allerlei Insekten an, vor allem Schmetterlinge und Bienen. Verschiedene andere Blumen blühen bereits, während es bei den Sonnenblumen noch etwas dauern dürfte. Insgesamt 16 verschiedene Pflanzen wachsen hier laut Robert Höhlig, Vorstandsmitglied bei der für die Fläche verantwortlichen Agrargenossenschaft Lungwitztal. Es könnten sogar noch mehr Pflanzen sein, denn neben den ausgesäten Arten wachsen weitere auf natürlichem Wege.

"Wir experimentieren mit verschiedenen Saatgutmischungen", erklärt Höhlig. Ziel ist es, dass die Blühflächen nicht jährlich neu angesät werden müssen, sondern sich selbst erhalten, ohne dabei nur wenig blühenden Unkräutern zu weichen. Denn blühen sollen die Felder, um Insekten Nahrung und Lebensraum zu bieten. So will man dem Rückgang der Insektenvielfalt und in der Folge beispielsweise auch von Vögeln entgegen wirken. Auf insgesamt 40 Hektar, was etwa 65 Fußballerfeldern entspricht, hat die Agrargenossenschaft Blühflächen angelegt, unter anderem auch auf dem Pfaffenberg in Hohenstein-Ernstthal. Das sind laut Höhlig etwas mehr als im Vorjahr. Die Europäische Union fördert diese Maßnahmen, sodass sich die ganze Sache auch finanziell lohnt. "Wir tun gern etwas für den Naturschutz, aber irgendwie müssen wir ja auch Geld verdienen", sagt Andreas Grellmann, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft. Deshalb wird der Großteil der Flächen konventionell bewirtschaftet und an anderen Stellen wie im Hirschgrund eben etwas für den Ausgleich getan.

Auf einigen Rapsfeldern hat die Natur in diesem Jahr aber den Landwirten wieder gezeigt, wie schnell sie ist. Der Raps ist durch die Trockenheit nicht allzu gut gewachsen, und an vielen Stellen nutzten Kamille und einige andere Blumen die Lücken aus. Vor allem Feldränder zeigen sich nun blütenreich, was die Insekten freut, aber die Landwirte bei der Ernte vor neue Herausforderungen stellt. Bis zur Rapsernte wird es aber noch dauern. Laut Grellmann dürfte demnächst die Ernte der Wintergerste beginnen. Außerdem werden Flächen abgeerntet, auf denen die Grassamenvermehrung betrieben wird. An denen haben die Landwirte die Randstreifen vor einiger Zeit konsequent weggeschnitten, weil das Saatgut von den Feldern nicht mit anderen Arten verunreinigt werden darf.

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