Friedhofstor weckt Erinnerungen an die DDR-Mangelwirtschaft

Das alte Eingangstor des Gersdorfer Friedhofes bekommt eine Verjüngungskur. Der 83-Jährige, der es einst baute, denkt ungern an die Probleme von damals zurück.

Gersdorf.

Seit 150 Jahren ist er eine Stätte der Ruhe. Doch irgendetwas fehlt am Eingang zum Gersdorfer Friedhof. Auch wenn das imposante Bauwerk der Marienkirche auf den ersten Blick die Aufmerksamkeit der Besucher einfängt, bleibt auf den zweiten Blick das Fehlen des eisernen Eingangstores nicht verborgen. Es wurde ausgebaut, liegt säuberlich verwahrt auf dem Hof der Gersdorfer Metallbaufirma Maltitz.

Für Seniorchef Friedrich Maltitz ist der Anblick des Tores wie ein Rückblick in schwierige Zeiten der DDR-Planwirtschaft, als es weder das richtige Material noch die Möglichkeit zum Veredeln gab. Maltitz hat dieses Tor selbst gebaut. Wann das war, kann er heute nicht mehr genau sagen. Das erste Friedhofstor hatte damals mehr als 100 Jahre auf dem Buckel und war nicht mehr verwendbar. "Aus altem, wirklich historischem Material habe ich damals ein neues Tor gebaut. Ein altes Schloss mit verschnörkelten Klinken und die Verzierungen hatte ich noch daliegen. Aber die eisernen Spitzen musste ich neu anfertigen", erinnert sich der heute 83-Jährige. "Aber, wie gesagt, es gab damals keine Möglichkeit zum Verzinken", begründet er den Rost und den sichtlichen Verschleiß an der mehr als 200 Kilogramm schweren Eisenkonstruktion. Die muss jetzt sandgestrahlt und aufgearbeitet werden.

Für das Vorhaben hat sich vor allem der Kirchenvorstand stark gemacht. "Das Tor hat auch eine gewisse historische Bedeutung. Unser Friedhof ist schließlich ein Flächendenkmal", sagt Martin Viehweger, Erster Stellvertreter des Kirchenvorstandsvorsitzenden. Er hat sich um die Fördermittel gekümmert und koordiniert den Bauablauf.

Rund 8000 Euro wird das Vorhaben kosten. Die Leaderregion "Schönburger Land" fördert die Sanierung zu 65 Prozent. Dabei geht es nicht nur um das Tor selbst, sondern auch die alten Säulen, die es halten. Die linke Säule bekommt lediglich eine Überholung, die rechte muss komplett erneuert werden. "Da war mal ein Laster dagegen gefahren", erinnert sich Viehweger. Maltitz hat damals ein Provisorium gebaut, um die Funktion des Tores zu erhalten. "Wir haben die Säule mit einem Korsett aus Winkeleisen umschlossen, um sie zu stabilisieren", erklärt er. Die clevere Bauweise der Friedhofsgründer erlaubte das. Die Zugkräfte des schweren Toren waren klug verteilt. Oben wurden die Tore von den Sandsteinsäulen gehalten, unten standen sie in geölten Buchsen, die als Lager für die Drehbewegung dienten. "Das funktionierte perfekt", versichert Maltitz. Er hatte als junger Mann eine Lehre im Maschinenbau absolviert, später die Meisterprüfung bestanden und als Ingenieur selbstständig den Metallbaubetrieb geführt. "Das war in DDR-Zeiten nicht leicht", sagt er. Dass ihm das Tor irgendwie am Herzen liegt, muss er kaum betonen. Auch das obere Tor des Friedhofes hat Maltitz erneuert. "Das war gleich nach der Wende. Dort gab es nur ein Holztor."

Pfarrerin Barbara Schmidt freut sich vor allem über das Engagement des Kirchenvorstandes: "Im Vergleich zur Generalsanierung der Orgel ist das zwar nur ein kleines Vorhaben, aber ebenso wichtig. Jeder, der den Friedhof besucht, sieht diesen kleinen Schandfleck. Das Eingangstor soll wieder ein schöner Blickfang werden."

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