Ganz knapp dem Unglück entgangen

Ein Brummifahrer hat am Dienstag auf der B 180 mit fast drei Promille die Kontrolle über seinen Laster verloren. Das Gefährt blieb wie durch ein Wunder 1,20 Meter vor einem Wohnhaus stehen.

St. Egidien.

Christin Seibt ist am Dienstagmorgen gerade mit ihrem vier Monate alten Sohn in der Wohnung beschäftigt, als es kurz nach 9 Uhr draußen mörderisch kracht. Und sie hört das lautstarke Hupen vorbeifahrender Autos auf der B 180. Als die junge Mutter zum Fenster hinausschaut, traut sie ihren Augen kaum. 1,20 Meter vor der Hausmauer der Pension Prüstel nahe der Autobahnauffahrt ist ein 40-Tonner gerade noch zum Stehen gekommen. Das war knapp.

Die 23-Jährige ruft sofort ihre Mutter an: Heike Prüstel ist Inhaberin der Pension: "Ich war gerade im Büro, als es passierte." Sie sieht dem Fahrer, der gerade das Malheur untersucht, die starke Alkoholisierung deutlich an. "Ich habe dann meinen Mann hergeholt." Ingo Prüstel kennt sich in der Transportbranche aus, er betreibt die Spedition genau gegenüber. Er nimmt dem Fahrer bis zum Eintreffen der Polizei vorsorglich den Zündschlüssel ab. Ein erster Alkomattest bestätigt den Verdacht: 2,94 Promille Atemalkohol. Im Fußraum des Führerhauses finden die Beamten leere Schnapsflaschen.


Der Sattelzug, zugelassen im Landkreis Waldeck-Frankenberg, war aus Richtung Autobahn kommend auf der B 180 in Richtung Callenberg unterwegs, als er nach "Der Katze" links über die Gegenfahrbahn schoss, bei dem wilden Ritt mit den linken Rädern durch den Graben ein Straßenschild plattmachte und auf der Wiese neben der Einfahrt zur Pension strandete. Der Riesenknall kam vom Aufprall auf einen Findling. Der 250-Kilo-Koloss wurde vom Brummi zwei Meter mitgeschleift, riss ihm den Tank auf und bremste ihn effektiv aus. "Dass der Findling dort lag, war ein Riesenglück. Wer weiß, was passiert wäre, wenn der Laster in das Haus gerast wäre", sagt Heike Prüstel. Sie hat die Horrorvision vor Augen. Genau hinter der Mauer der umgebauten Scheune des 1797 errichteten Gehöfts befindet sich das Heizöllager mit einem 10.000-Liter-Tank. Darüber Pensionszimmer. "Die Gäste waren am frühen Morgen erst abgereist", sagt die Pensionschefin.

Die B 180 musste im Bereich der Unfallstelle für Stunden halbseitig gesperrt werden. Zum Binden der Betriebsmittel rückten die freiwilligen Feuerwehren St. Egidien und Hohenstein-Ernstthal mit zehn Einsatzkräften an. Damit beim Bergen des Lasters keine weiteren Betriebsmittel in die Umwelt gelangen, wurden die Tanks leergepumpt. "Dafür mussten wir mit der Spitzhacke ein Loch in den Tank hacken", sagt St. Egidiens Wehrleiter, Claudio Köhler.

Der 51-jährige Fahrer wurde zur Blutentnahme in ein Krankenhaus gebracht. Ihm droht nun der Entzug der Fahrerlaubnis sowie eine Anzeige wegen Trunkenheit im Verkehr und Gefährdung des Straßenverkehrs. Dass bei dem Unfall niemand verletzt wurde, grenzt an ein Wunder. "Er hätte auch ein Auto im Gegenverkehr oder einen Fußgänger mit erwischen können", sagt Köhler. Den Sachschaden beziffert die Polizei mit 25.000 Euro.

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