Gartensparte: Laubenpieper legt alte Friedhofsmauer frei

An einer Kleingartenanlage in Gersdorf restauriert Laubenpieper Matthias Geßner die Hinterlassenschaften eines alten Friedhofes. Kaum einer weiß, wie geschichtsträchtig dieser Ort ist. Sogar eine Kirche stand hier.

Hohenstein-Ernstthal.

Matthias Geßner führt Neugierige gern zu seinem Lieblingsplatz auf der Ostseite der Gartenanlage "Gartenheim" in Gersdorf. Dort zieren Grabplatten eine Mauer. Die Kleingartenanlage hat keinen Gartenzaun, sondern eine Trockenmauer. "Das ist die alte Friedhofsmauer", erklärt Geßner. Die Schrebergärten befinden sich auf dem Areal des ehemaligen Gersdorfer Friedhofs. Auf einer Tafel ist noch die Inschrift zu lesen: "Jesus ist mein Bräutigam". An den anderen hat der Zahn der Zeit zu sehr genagt.

Geßner ist quasi der Hüter und Bewahrer der Friedhofsmauer, hat sie freigelegt und restauriert sie. "Da stecken fünf Jahre Arbeit drin", sagt er. Er konnte es einfach nicht mehr mit ansehen, wie die Trockenmauer vergammelte, samt ihrer historischen Grabplatten. "Alles war zugewuchert, mit einem alten Schuppen und einem maroden, stinkenden Trockenklo verstellt. Das haben wir alles weggerissen, die Mauer von Müll und Unkraut befreit", erzählt er. Kühlschränke, alte Badewannen, Transmissionsriemen, die die Bergleute als Beetumrandungen verwendet hatten, füllten einen riesigen Container.

Matthias Geßner ist kein Gersdorfer. Hier hat der Oberlungwitzer aber seit 1989 seinen Garten. "Ein schmales Handtuch, das man mir damals zugewiesen hat", sagt der 67-Jährige. Vor fünf Jahren begann er damit, sich mit der Geschichte zu befassen, fertigte Skizzen und Zeichnungen an und schmiedete Pläne, wie er vorgehen wird. "Hier gab es 1899 die letzte Beerdigung, 28 Jahre später den ersten Spatenstich für die Gemüsebeete. Es waren vor allem Bergleute, die auf zwölf Parzellen anbauten", sagt Geßner. Heute gibt es nur noch drei Pächter. Er ist einer davon. Sein Garten hat sich nun enorm vergrößert. Kaum ein Gersdorfer weiß, dass sich einst auch das Gotteshaus des Ortes auf dem 1700 Quadratmeter großen Grundstück an der Hauptstraße 61 befand.

Seit 1320 wird in historischen Aufzeichnungen eine Kirche in Gersdorf erwähnt, verlässliche Berichte belegen den Standort im unteren Ort aber erst seit 1510. Drei Glocken - die größte, zwölf Zentner schwer, trug auch die Aufschrift "Maria" - riefen die Gläubigen zum Gottesdienst in die Kirche "Zur lieben Frau Maria". Die verfügte über zwei Flügelaltäre aus der Werkstatt des Zwickauers Peter Breuer. Erst im 19. Jahrhundert entschied man, die neue Kirche an einem zentralen Standort zu bauen. Das Terrain verlor damit seine Bedeutung.

In DDR-Zeiten stand die historische Friedhofsmauer sogar auf der Kreisdenkmalpflegeliste. "Aber keiner hat sich dafür interessiert", sagt Geßner. Auch nach der Wende versagte ein ABM-Projekt. Der Rentner packte an, grub auf dem gesamten Areal Steine aus, die Leute aus der Mauer entnommen und verbaut hatten. "Ich habe defekte Stellen wieder ergänzt und neu aufgeschichtet. Nur auf der Südseite klafft heute noch eine drei Meter große Lücke. Dort wölbt sich auch ein Stück der Mauer bedrohlich zum Nachbargrundstück. "Das wird auch noch restauriert", sagt er.

Zur 850-Jahrfeier 2019 will er alle Gersdorfer und deren Gäste zu Rundgängen durch den Gartenanlagen-Friedhof einladen. "Der Hohenstein-Ernstthaler Künstler Siegfried Otto Hüttengrund wird dann einige Kunstwerke an der Mauer aufstellen", sagt Geßner. Er hat außerdem einen Wunsch fürs Jubiläum: "Vielleicht spendiert die Gemeinde bis dahin eine Infotafel mit der Aufschrift "Historischer Friedhof Gersdorf". Die könne man bei der Gelegenheit gleich mit feierlich enthüllen.

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