Geisterkulisse für alte Strategen

Durch den Wegfall des Motorrad-Grand Prix' und der Sachsenring Classic sind sechs Lärmtage frei geworden. Nun haben andere eine Chance. Historische Rennmotorräder machen den Anfang.

Oberlungwitz.

Noch weiß Motorradhändler Tobias Unger nicht ganz genau, wer seine MZ RE 125, Baujahr 1971 fährt. Klar ist, dass sie am 22./23. Juni auf dem Sachsenring ihre Runden dreht. Gekauft hat sie Unger vom Zwickauer Siegfried Merkel, der zwischen 1969 und 1974 zu den besten Motorradrennfahrern der Klasse bis 125 ccm in der damaligen DDR gehörte.

Historische Rennmotorräder wie die MZ RE haben in diesem Jahr wegen der Coronakrise noch keinen Rennasphalt gesehen. "Diesen Motorradfahrern wollte ich die Gelegenheit zu Trainings- und Einstellfahrten geben", sagt Unger. Er mietet an besagtem Montag und Dienstag die Rennstrecke und damit zwei von zehn Lärmtagen, die am Sachsenring erlaubt sind. Durch den Wegfall des Motorrad-Grand Prix' und der ADAC Sachsenring Classic wurden sechs Lärmtage frei. "Die müssen wir wieder vergeben, das ist mit dem ADAC so vereinbart", erklärt Ruben Zeltner, Chef des Fahrsicherheitszentrums "Am Sachsenring". Inzwischen sind alle Lärmtage wieder verbucht. "Jetzt bekommen Leute eine Chance, die sonst nie auf dem Sachsenring fahren könnten", so Zeltner.

Tobias Unger sprang als erster in die Bresche, reservierte zwei Tage. Drei sind ohnehin für die ADAC GT Masters (2. bis 4. Oktober) gesetzt. Die GT-Boliden haben außerdem für den 5. August (Mittwoch) einen Testtag geordert. Auch die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft will am 7./8. September fahren. Die letzten zwei Lärmtage sicherten sich zwei Autorennserien, die BMW Challenge und die NES 500 (25./26. September).

Zur Veranstaltung, die Unger auf die Beine gestellt hat, werden rund 200 Rennmotorräder erwartet. Dabei könnte es ein Wiedersehen mit alte Strategen wie Martin Wimmer, Heinz Paschen, Wolfgang Trabitzsch und Lothar Neukirchner geben. "Aber bei dieser Veranstaltung sind keine Zuschauer zugelassen", bedauert der Organisator. Ruben Zeltner: "Wir wollen die heimischen Fans nicht aussperren, aber in Coronazeiten geht das leider nicht anders."

Eines dürfte die Lärmgegner am Sachsenring freuen: Die neu vergebenen Tage wurden bewusst in die Woche gelegt. Das ist nicht fanfreundlich. "Doch in Coronazeiten, wo ohnehin nicht klar ist, ob Zuschauer zugelassen sind, geht das schon mal", sagt Zeltner. "Das ist ein Entgegenkommen. Wir wollten einfach, dass sonntags Ruhe ist. Die Rennsportler wollen ja fahren, da nehmen sie auch mal eine Geisterkulisse in Kauf." Der Lärmpegel wird übrigens auch bei Ungers Veranstaltung von Amts wegen gemessen. Dafür muss der Veranstalter eine vierstellige Summe hinblättern.

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