Gemeinde gedenkt der Kriegsopfer

St. Egidien feiert am 7. September sein Museumsfest. Die Besucher sollen aber auch an ein Ereignis erinnert werden, das in dem Ort viele Narben hinterlassen hat.

St. Egidien.

Peter Reinhold (57) und Michael Mertins (69) haben das große, weiße Banner schon aufgehangen. Es ist vier Meter lang und 1,50 Meter hoch. In schwarzen Druckbuchstaben stehen 190 Namen darauf. Dazu Jahreszahlen und Namen von Städten und Ländern. "Man ist erschrocken, wenn man davor steht", sagt Michael Mertins.

Mertins und Reinhold gehören zu den insgesamt zwölf Heimatfreunden aus St. Egidien, die das Museum pflegen und die Sammlung erweitern. Gegenwärtig bereiten sie das alle fünf Jahre stattfindende Museumsfest vor. Am 7. September ist es so weit. "Natürlich wird gefeiert. Die Besucher sollen etwas erleben und gute Laune haben. Vor fünf Jahren haben wir rund 300 Besucher gezählt", erinnert sich Peter Reinhold. Aber diesmal wird es auch denkwürdig zugehen.


Fast auf den Tag genau vor 80 Jahren begann der Zweite Weltkrieg, überfiel Hitlerdeutschland das benachbarte Polen. Der Krieg hat auch das Leben in so einem kleinen Ort wie St. Egidien überschattet. Frauen verloren ihre Männer, Mütter ihre Söhne. "Die meisten der Opfer, die nicht wieder heimgekehrt sind, waren zwischen 25 und 30, hatten Frau und Kinder", erzählt Michael Mertins. Insgesamt verloren 190 Jugendliche und Männer aus St. Egidien als Soldaten im Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) ihr Leben. Alle 190 Namen stehen auf dem großen Banner, das zum Museumsfest an die Opfer erinnern soll. Hinter den Namen ist der Todestag vermerkt, dazu, wie alt sie geworden und wo sie gefallen sind. Stalingrad, Leningrad. Kiew, Frankfurt an der Oder, Berlin ... Mertins: "Eine halbe Generation wurde in unserem Ort ausgelöscht. Das Banner soll die Toten nicht glorifizieren, sondern mahnen." Die Männer seien keine Helden, sondern Opfer eines sinnlosen, ungerechten Krieges gewesen.

105 St. Egidiener sind gefallen, 69 gelten als vermisst, und 16 starben im Lazarett oder in der Gefangenschaft. Es gab Familien, die haben nicht nur einen Angehörigen verloren. Die Familie von Max Müller und Kurt Tetzner zum Beispiel. Sie trauerten jeweils um drei Söhne. Eva Müller hatte den Tod ihres Mannes und zweier Söhne zu beklagen. Allein 14 Soldaten sind bei den Kämpfen um Stalingrad gefallen. "Besonders berührend ist das Schicksal der Familie Willy Müller. Am Heiligen Abend 1942 kam die Nachricht vom Tod des 21-jährigen Sohnes Fritz. Keine drei Wochen später kam ein weiterer Brief mit der Nachricht, dass ihr 19-jähriger Sohn Heinz bei den Kämpfen um Stalingrad gefallen ist."

Der Jüngste, der aus dem Dorf im Zweiten Weltkrieg gefallen ist, war erst 16. Auf dem Banner sieht man ein Bild von ihm mit einem kurzen Lebenslauf. Es geht um den Grenadier Walter Gröber, der im Januar 1945 zum Reichsarbeitsdienst einberufen worden war. Danach musste er sofort zur Wehrmacht. Seine letzte Nachricht stammte vom 11.April 1945 aus einem kleinen Ort bei Cottbus. Seit den Kämpfen von Berlin gilt er als vermisst.

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